Küsnacht

Landschaftsschutz blitzt mit Rekurs gegen Hängebrücke ab

Für die Gemeinde Küsnacht ist es ein Etappensieg: Die Hängebrücke kann aus Sicht des Baurekursgerichtes gebaut werden. Die Stiftung Landschaftsschutz will jedoch nicht so rasch klein beigeben.

So soll die Tobelbrücke auf der Allmendseite aussehen.

So soll die Tobelbrücke auf der Allmendseite aussehen. Bild: Visualisierung: PD

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Raimund Rodewald ist hörbar empört. Seit Jahrzehnten setzt sich der Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz für Natur und Umwelt ein. Das Zürcher Baurekursgericht hat ihn und seine Stiftung beim Rekurs gegen die Tobelbrücke in Küsnacht regelrecht abgewatscht. «Von Gerichten bin ich mir keine solche Abfuhr gewohnt», sagt Rodewald. Er spricht von einer unfairen Beurteilung, die das Baurekursgericht vorgenommen habe.

Worum geht es? Im Küsnachter Tobel ist eine 180 Meter lange und 45 Meter hohe Hängebrücke geplant. Die 1,1 Millionen Franken teure Brücke wurde vom inzwischen verstorbenen Küsnachter Konrad Willi gespendet, 2018 stimmte die Gemeindeversammlung der notwendigen Revision des Richtplans für die Umsetzung der neuen Fussgängerverbindung zu.

Die Stiftung Landschaftsschutz wehrte sich gegen den Bau, weil das grosse Bauwerk erhebliche Auswirkungen auf Raum und Umwelt habe. Dies gerade auch deshalb, weil die Brücke im überkommunal bedeutenden Natur- und Landschaftsschutzobjekt Küsnachter Tobel zu stehen käme.

Der inzwischen verstorbene Spender Konrad Willi. Bild: Archiv Michael Trost.

Kein Gutachten nötig

Diese Sorgen hält das Zürcher Baurekursgericht für unbegründet. In einem umfangreichen Urteil, das der «Zürichsee-Zeitung» vorliegt, schmettert es die Begehren der Stiftung ab. Es sei kein Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission nötig, weil die Brücke trotz der Länge nicht als grössere Baute zu klassieren sei. «Mir scheint, als wolle man einfach dieses Gutachten nicht», sagt Rodewald. «Für uns ist das nicht akzeptabel.» Die Stiftung will auf diesem Gutachten jedoch bestehen.

Aber auch die rein naturschützerischen Aspekte lässt das Gericht nicht gelten. Zwar führe die Brücke zu Veränderungen, allerdings verliere das Küsnachter Tobel dadurch nichts an seiner Qualität. Dies etwa, weil die Brücke nicht beleuchtet wird. Und: «Die blosse Gefahr von Littering kann noch nicht als Gefährdung der Umwelt gelten», heisst es im Urteil – sonst könne im forstrechtlichen Kontext gar keine Wanderwegverbindung mehr projektiert werden.

Die Brücke soll sich über das Küsnachter Tobel spannen. Bild: PD

Dem setzt das Baurekursgericht noch einen obendrauf: Das Küsnachter Tobel sei nämlich ausdrücklich auch ein Lehr- und Anschauungsobjekt. «Angesichts der Lage in der Nähe der Stadt Zürich und der weitgehend überbauten angrenzenden Gebiete wäre eine Abschottung des Naherholungsgebiets vor weiteren Besuchern mit Zutrittsbeschränkungen verbunden.» Und dies würde dem Ziel des Schutzinventars widersprechen. Auch die Gefährdung von Eisvögeln und Feuersalamandern verfing beim Gericht nicht.

Brücke stört kaum

Und sowieso: Eine «Möblierung der Landschaft», wie die Stiftung Landschaftsschutz die Brücke nennt, könne beim Projekt nicht geltend gemacht werden. Zwar sei der Eingriff im Tobel nicht unbedeutend, aber mit der Spannbrücke sei der Einfluss auf ein Minimum reduziert worden. Die Höhe führe zudem dazu, dass die Brücke vom See oder dem Dorfzentrum nicht zu sehen sei. Der Augenschein vor Ort habe bestätigt, dass die Brücke inmitten der Baumkronen zu liegen komme. Rodewald hält mit dem Kommentar zu dieser Begründung nicht hinter dem Busch: «Man muss ja förmlich zu Boden blicken, um die Brücke nicht zu sehen.» Den Augenschein des Gerichts hält er ohnehin für ungenügend. «Schon dabei habe ich damit gerechnet, dass wir am Baurekursgericht verlieren werden.»

«Man muss ja förmlich zu Boden blicken, um die Brücke nicht zu sehen.»Raimund Rodewald, Stiftung Landschaftsschutz

Für Rodewald ist klar: Die Brücke braucht es nicht. «Ohne Privatperson, die das Geld gespendet hat, gäbe es das Projekt gar nicht.» Das Baurekursgericht hingegen betont das öffentliche Interesse an der Fusswegverbindung zwischen den Ortsteilen Itschnach und Allmend. Die Brücke habe einen Erschliessungszweck für die Quartiere – auch weil sie sich in der Nähe das Alterszentrum der Gemeinde befinde. Die Stiftung Landschaftsschutz habe es in ihrem Rekurs versäumt, weniger störende Möglichkeiten zur Realisierung einer Fussgängerbrücke zu nennen. Der Standort der Brücke sei nämlich sorgfältig geprüft worden, urteilt das Gericht.

Besonders störend ist für Rodewald, dass das Baurekursgericht der Stiftung Landschaftsschutz nicht einmal in formellen Punkten recht gegeben hat. Denn tatsächlich kommt auch das erstinstanzliche Gericht zum Schluss, dass die kantonale Baudirektion eine separate Rodungsbewilligung für einzelne zu fällende Bäume hätte prüfen müssen. Das ist aber nicht geschehen. Das Baurekursgericht hält indes im Urteil fest, dass diese aufgrund der Ausgangslage sowieso erteilt worden wäre. Würde man nun das Verfahren deshalb an die Vorinstanz zurückweisen, käme dies einem «unnötigen prozessualen Leerlauf gleich.» Rodewald lässt dies nicht gelten: «Da hat man einfach nonchalant über unsere Kritik hinweggesehen.» Kommt dazu, dass das Gericht der Stiftung 8000 Franken Verfahrenskosten auferlegt. «Damit straft man uns richtiggehend ab.»

Weiterzug wahrscheinlich

Raimund Rodewald betont, ein Weiterzug ans Zürcher Verwaltungsgericht sei sehr wahrscheinlich. Formell müsse der Entscheid jedoch noch gefällt werden. Damit bliebe das Projekt Hängebrücke weiter in der Schwebe.

Weil der Entscheid noch nicht rechtskräftig ist, will sich der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) mit einer Bewertung des Urteils noch nicht auf die Äste rauslassen. «Die Eindeutigkeit zeigt aber, dass die rechtliche Lage eigentlich klar ist. So gesehen bin ich mit dem Entscheid absolut zufrieden.»

Erstellt: 06.09.2019, 18:59 Uhr

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