Erlenbach

Lärmklage verhindert Wiedereröffnung der Wydenbar

Die Bar der Erlenbacher Wydenbadi kann auch in diesem Sommer nicht öffnen. Wegen Einsprachen von Anwohnern gibt es ein gerichtliches Verfahren.

In der Erlenbacher Wydenbadi gibt es diesen Sommer keinen Barbetrieb.

In der Erlenbacher Wydenbadi gibt es diesen Sommer keinen Barbetrieb. Bild: Archiv Moritz Hager

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Zehn Jahre lang wurde die Wyden­bar in der Erlenbacher Holzbadi ohne kantonale Genehmigung betrieben – ohne dass es jemandem auffiel. Im letzten Jahr wurde der Beiz die fehlende Konzession dann aber zum Verhängnis, und sie musste ihre Türen schliessen.

Nun wurde die notwendige ­Bewilligung vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) zwar erteilt, eröffnen kann die Bar aber trotzdem nicht. Zwei Anwohner fühlen sich durch die Lärmemissionen in ihrer Nachtruhe gestört und haben Ein­sprache erhoben. Beim Bau­rekurs­gericht ist derzeit ein gericht­liches Verfahren hängig.

«Gemeinde kämpft für Bar»

Die Enttäuschung bei Badmeisterin Jacque­line Egli ist gross. Während die Wydenbadi eine gemeindeeigene Institution ist, wurde die Bar auf Initiative von Egli gegrün­det. Sie und ihr Team betrieben sie in ihrer Freizeit auf eigene Rechnung und zahlten der Gemeinde für die Infra­struktur einen symbolischen Betrag. «Ich war bereit, Kom­promisse einzugehen, und habe darauf gehofft, dass wir eine gemein­same Lösung finden», sagt sie. Konkret habe sie angeboten, die Bar nur noch an zwei und nicht wie bis anhin an drei Abenden in der Woche zu betreiben.

In der Vergangenheit immer wieder für Reklamationen gesorgt haben Lärmemissionen durch Konzerte, wegfahrende Autos und die abendliche Abfallentsorgung. Auch hier wollte Egli den betroffenen Anwohnern entgegenkommen. Den Abfall könne man auch am Morgen entsorgen und die Autos oben im Dorf parkieren, sagt die Badmeisterin und fügt an: «Ich war sogar bereit, gänzlich auf Konzerte zu verzichten.» In direktem Kontakt mit den Anwohnern, die Einsprache gegen die Wydenbar erhoben ­haben, war Egli nie. Als Mieterin könne sie ohne­hin nicht viel machen, sagt sie. «Umso mehr freut es mich, dass die Gemeinde als Inhaberin der Badi hinter mir steht und für den Erhalt der Wyden­bar kämpft.»

Die Gemeinde war es denn auch, die sich zu einer Aussprache mit den Anwohnern und dem Awel getroffen hat, wie eine der Anwohnerinnen*, die Einsprache gegen die Wydenbar erhoben hat, erzählt. «Was wir an dieser ganzen Geschichte nicht verstehen können, ist, dass die Gemeinde Erlen­bach sich so verbissen für die Bar einsetzt und nicht bereit ist, uns entgegenzukommen und einen echten Kompromiss anzubieten», sagt sie. Jahrelang hätten die Anwohner bei der Gemeinde reklamiert – ohne Erfolg. «Zu den Pflichten einer Gemeinde gehört es doch, für das Wohlergehen ­aller Einwohner zu sorgen und ­ihre Anliegen ernst zu nehmen.»

Keine Einigung

Das Wohlergehen aller Erlen­bacher liege dem Gemeinderat sehr wohl am Herzen, kontert der stellvertretende Gemeindeschreiber Thomas Diethelm. «Auch die 400 gesammelten Unterschriften für eine Wiedereröffnung der Bar und die unzähligen Bitten der Bevölkerung möchten berücksichtigt werden», sagt er. Laut Thomas Diethelm habe sich die Gemeinde sehr bemüht, einen für alle tragbaren und fairen Kompromiss zu finden. «Das Angebot wurde unter Berücksichtigung der Anwoh­ner massiv eingeschränkt gegenüber den rechtlichen Möglichkeiten.» Die Bar hätte während der Saison nur noch am Freitag und Samstag geöffnet. Eine Einigung konnte trotzdem nicht erzielt werden. «Leider hat dies den zwei betroffenen Rekurrenten nicht gereicht», sagt Diethelm.

Mit einem Betrieb, der bis 22 Uhr dauert oder nur einmal monat­lich dafür etwas länger, könnten sie sich einverstanden erklären, sagt die Anwohnerin*. «Die Streichung des Donnerstagabends ist kein wahrer Kompromiss. Dieser Abend kam ja erst später dazu.» Egli kann die Haltung der Anwohner nicht nachvollziehen. «Ich bin bereit, auf die Einnahmen an einem Abend in der Woche zu verzichten», sagt sie. «Die Bar nur an ein oder zwei Abenden im Monat zu betreiben ist jedoch nicht mehr rentabel.» Dass die Bar nun gar nicht geöffnet werden kann, ist für sie und ihre Angestellten ein emotionaler Rückschlag. Auch diese würden unter der Situation leiden.

«Bar gehört Steuerzahlern»

Die Hoffnung endgültig auf­geben will Egli aber noch nicht. Unterstützung erhält sie von ihren Gästen. «Es kommen täglich Leute auf mich zu und fragen, wann die Wyden­bar wieder eröffnet wird.» Als Seegemeinde müsse Erlenbach seinen Einwohnern doch eine Verweil­gelegenheit am Wasser bieten können. «Die Badi gehört der ­Gemeinde und somit den Steuerzahlern», sagt Egli.


* Name der Redaktion bekannt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 09:20 Uhr

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