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Lärm macht nicht vor Gemeindestrassen Halt

Zu laut ist es nicht nur an Staats-, sondern auch an Gemeindestrassen. Folglich investieren neben dem Kanton, auch viele Kommunen hohe Beträge in den Lärmschutz.

Beim Haus an der Ecke Goldbacher-/Alte Landstrasse in Küsnacht ist die Gemeinde nur für den Lärmschutz an der linken Fassade zuständig.
Beim Haus an der Ecke Goldbacher-/Alte Landstrasse in Küsnacht ist die Gemeinde nur für den Lärmschutz an der linken Fassade zuständig.
Sabine Rock

Die Zeit drängt: Bis zum 31. März 2018 haben die Behörden noch Zeit, Lärmschutzmassnahmen umzusetzen, um die Zürcher vom Strassenlärm abzuschirmen. Umgesetzt werden die Massnahmen nicht nur vom Kanton, sondern auch von den Gemeinden.

Während der Kanton nämlich für den Lärmschutz an Staatsstrassen, etwa der Seestrasse, zuständig ist, kümmern sich die Gemeinden darum, dass die Anwohner an Gemeindestrassen ihre Ruhe haben.Ruhe das bedeutet im konkreten Fall, dass die so genannten Alarmwerte (AW) nicht überschritten werden. Diese beginnen je nach Empfindlichkeitsstufe, also je nach Standort, bei 65, können aber auch bei 75 Dezibel liegen.

Zum Vergleich: 70 Dezibel entspricht dem Geräuschpegel eines Rasenmähers, während 80 Dezibel mit einem Presslufthammer vergleichbar sind. Freiwillige Beiträge können von Eigentümern älterer Häuser aber bereits bei einer Überschreitung der Immisionsgrenzwerte (IGW) bezogen werden. Diese liegen je nach Gebiet zwischen 60 und 70 Dezibel. Ob die Geräuschdämmung finanziert wird, hängt zum einen davon ab, wann ein Haus gebaut wurde, aber auch davon, für welches Finanzierungsmodell sich die Wohngemeinde entschieden hat. Bei einer Überschreitung des AW müssen die Behörden die Lärmschutzmassnahmen finanzieren.

Ein Haus, zwei Kompetenzen

In Küsnacht läuft die Umsetzung der kommunalen Lärmschutzprojekte Ende April an. Dann werden in 35 Häusern an Gemeindestrassen 221 Schallschutzfenster eingebaut. Dieser Einbau wird von der öffentlichen Hand mit maximal 78 000 Franken unterstützt. Davon müssen allerdings nur 34 000 Franken von der Gemeinde beglichen werden: Die restlichen Kosten trägt der Bund. Auf Lärmschutzwände verzichtet Küsnacht an den Gemeindestrassen bewusst. «Um das Ortsbild zu schützen, wollten wir keine Lärmschutzwände», sagt Daniel Dahinden, Abteilungsleiter Planung.

Ein Kuriosum sind Gebäude, die sowohl unter den kommunalen als auch kantonalen Lärmschutz fallen, sprich deren Fassade an einer Staats- und an einer Gemeindestrasse liegen. Ein Beispiel dafür ist das Gebäude an der Ecke Alte Land-, Goldbacherstrasse. Nachdem der Kanton bereits Beiträge für die Sanierung der seeseitigen Fenster übernommen hat, ist nun die Kommune zuständig für Fenster, die in Richtung der Goldbacherstrasse ausgerichtet sind.

In Stäfa wurde die Erarbeitung der Lärmschutzsanierungen von Kanton und Gemeinden zeitlich parallel durchgeführt. «Wir haben das Lärmsanierungsprojekt mit dem Kanton abgeglichen», sagt Priska Helbling, Fachbereichsleiterin Tiefbauprojekte. Stäfa hat für das Lärmsanierungsprojekt Kosten von rund 240 000 Franken veranschlagt, wobei auch hiervon ein Teil vom Bund übernommen wird. Ob der gesamte Topf für Lärmsanierungen ausgeschöpft wird, ist derweil noch unklar: Hauseigentümer haben bis September Zeit, einen Antrag auf Unterstützung zu stellen.

Tempo 30 keine Option

Aktuell geht die Gemeinde von 86 Häusern aus, bei denen der Immissionsgrenzwert zu hoch ist. Auch in Stäfa stehen Lärmschutzwände nicht zur Debatte. Die Lärmsanierung erfolgt mit dem Einbau von Schallschutzfenstern. Eine Lärmminderung an der Quelle, etwa durch Einführung von Tempo-30-Zonen komme nicht in Frage, sagt Helbling. Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 war 2004 an der Urne gescheitert. Bei zwei Stäfner Häusern steht jetzt schon ausser Frage, dass Schallschutzfenster eingebaut werden müssen. An der Goethe- und an der Grundstrasse stehen die einzigen beiden Gebäude, welche den Alarmwert knacken.

In Uetikon ist es an Gemeindestrassen hingegen ruhiger. Das einzige Haus, das über dem Alarmwert liegt, hat an der betroffenen Fassade keine Fenster zu lärmempfindlichen Räumen. Deswegen müssen auch keine Schallschutzfenster finanziert werden. Obwohl 44 Häuser, davon drei gemeindeeigene Grundstücke, über dem IGW liegen, zahlt die Gemeinde Uetikon kein Geld für Lärmschutzsanierungen. Hintergrund ist, dass Uetikon ein anderes Kostenmodell als Stäfa und Küsnacht gewählt hat. Gemäss diesem finanziert die Gemeinde Lärmschutzsanierungen nur, wenn der Alarmwert überschritten wird.

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