Hombrechtikon

Labortechnik erhält neues Zuhause

Ein ehrgeiziges Projekt will Hombrechtikon als traditionsreichem Labortechnik-Standort zu neuem Glanz verhelfen: In einem leerstehenden Bürogebäude soll ein House of Lab Sciences entstehen.

Noch hallen die Schritte auf den verwaisten Bürofluren am Garstligweg 8 in Hombrechtikon: Doch der Initiant des Projekts House of Lab Sciences, Hans Noser, will bis Ende Jahr ein Drittel der Fläche vermietet haben.

Noch hallen die Schritte auf den verwaisten Bürofluren am Garstligweg 8 in Hombrechtikon: Doch der Initiant des Projekts House of Lab Sciences, Hans Noser, will bis Ende Jahr ein Drittel der Fläche vermietet haben. Bild: Manuela Matt

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Der deutsch-holländische Biotechkonzern Qiagen steht sinnbildlich für den in den letzten Jahren heftig erschütterten LabTech-Standort in Hombrechtikon. Zu den Spitzenzeiten arbeiteten hier bis zu 200 Mitarbeitende für die eigens zu diesem Zweck gegründete Tochterfirma Qiagen Instruments GmbH. Qiagen, das auf Technologien für die Probenvorbereitung und Tests für die molekulare Diagnostik und Life Sciences spezialisiert ist, liess sich vor 20 Jahren am Zürichsee nieder.

Heute ist am rechten Seeufer nur noch eine geringe Anzahl Mitarbeiter direkt für Qiagen tätig — ausschliesslich im Vertrieb. Hauptgrund für den «Rückbau»: In den letzten Jahren sind die wesentlichen Funktionen des Instrumentengeschäfts am Standort Hombrechtikon von Partnern übernommen worden.

Wichtige Fachhochschulen

Seine Entwicklungsaktivitäten hat Qiagen an die HSE AG übertragen. Das Start-up ist auf 2017 als Management-Buy-out (MBO) aus der Qiagen Instruments GmbH hervorgegangen und hat rund 50 Mitarbeitende von Qiagen übernommen. Schon zuvor war Qiagen eine Partnerschaft mit der Firma Zollner eingegangen, die die Produktion für Qiagen auf dem Firmengelände in Hombrechtikon mit ehemaligen Qiagen-Mitarbeitern fortführt. Der nicht mehr ausgelastete neu gebaute Gebäudeteil von Qiagen am Garstligweg 6 im Industriegebiet von Hombrechtikon wird inzwischen von der HSE und weiteren neu hinzugekommenen Firmen genutzt. Im daran anschliessenden Bürogebäude am Garstligweg 8 — früher ebenfalls von Qiagen genutzt — stehen die Hallen hingegen weitgehend leer.

An diesem Punkt setzt die Initiative des in Hombrechtikon gegründeten Industrienetzwerks Toolpoint an. Das von Geschäftsführer Hans Noser in Zusammenarbeit mit dem Innovationspark in Dübendorf angestossene und begleitete Projekt läuft unter dem ambitiösen Titel «House of Lab Sciences». Das Konzept sieht vor, die freigewordenen Büro- und Laborräume mit Jungfirmen aus der Labortechnik zu belegen. Sie sollen die Tradition des Standortes als Zentrum der Labortechnik am Zürichsee und weit darüber hinaus fortsetzen.

Das Know-how dafür sei in der Region nach wie vor vorhanden, sagt Noser. Zum Zuge kommen sollen vor allem Firmen aus dem Bereich Mikromechanik, Elektronik, Software — alle, die im weitesten Sinne etwas mit Labortechnik zu tun haben. Das Wissen dazu liefern die umliegenden Fachhochschulen in Rapperswil, Wädenswil und Winterthur. Toolpoint habe sich als Verein zum Ziel gesetzt, firmenübergreifende Zusammenarbeiten zu organisieren. Gekoppelt mit den Hochschulen, «ergibt sich daraus ein Mehrwert, aus dem intelligente Lösungen entstehen», ist Noser überzeugt.

Partnerschaft mit Vermieterin

Wo sich heute auf fünf Stockwerken mit je rund 1000 Quadratmetern Bürofläche gähnende Leere ausbreitet, sollen, wenn es nach dem Willen von Noser geht, schon bald die ersten Mieter einziehen. Auch die Gemeinde Hombrechtikon hat sich hinter das Projekt gestellt. Dieses wird von Noser derzeit bei den Wirtschaftsverbänden in der Region und der zuständigen Standortmarketingorganisation Greater Zurich Area propagiert.

Zwar fehlen der Non-Profit-Organisation Toolpoint die notwendigen Mittel, um das Projekt umzusetzen. Die beiden Gebäude am Garstligweg in Hombrechtikon gehören der Firma Varioserve in Dübendorf. Der langjährige Mietvertrag mit Qiagen ist Ende 2017 ausgelaufen. Stattdessen ist nun Toolpoint eine Partnerschaft mit der Vermieterin eingegangen, «die uns die Möglichkeit gibt, am Garstligweg 8 das House of Lab Sciences zu installieren».

Erste Mietinteressenten aus dem Bereich Labortechnik sind nach Angaben von Noser vorhanden, zwei davon «mit sehr ernsthaften Überlegungen». Dabei handle es sich nicht nur um Firmen, die die Geräte und Komponenten entwickeln, sondern auch um solche, die diese Lösungen im Labor anwenden. Namen will Noser zwar noch keine preisgeben. Aber der 60-jährige geht davon aus, dass bis Ende Jahr mindestens ein Drittel der Bürofläche vermietet ist: «Wir haben viel positives Feedback erhalten, auch von internationalen Firmen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.04.2018, 13:17 Uhr

«Pipetting Valley»

Im Grossraum Zürich werden über 50 Prozent des Weltmarktabsatzes von Labortechnik-Instrumenten im Bereich Liquid Handling (automatisierte Analyse und Diagnose von Flüssigkeiten) hergestellt. Dabei werden in Bereichen wie der Medikamentenforschung, Forensik und Molekulardiagnostik — mit Hilfe von Pipetten für die Entnahme von Flüssigkeiten beim Menschen — flüssige Substanzen gewogen, gemischt und analysiert.

Eine wesentliche Rolle als Nervenzentrum des sogenannten «Pipetting Valley» am rechten Seeufer spielt dabei Hombrechtikon. Hier entstanden seit 1980 etliche Zulieferbetriebe für die Life-Sciences-Industrie, darunter Tecan, Sias, Rosys, oder Xiril, von denen heute allerdings keine mehr existiert, respektive wie im Fall von Tecan nach Männedorf disloziert ist. Umgekehrt sind auf dem Gebiet der Laborautomatisation in Hombrechtikon auch neue Namen und Anbieter wie Qiagen Instruments GmbH und HSE AG entstanden. (ths)

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