Vornamen

Kurze Namen sind auch am Zürichsee beliebt

Kurz, mit möglichst vielen Vokalen: Solche Namen sind momentan in der Schweiz in. Auch die Eltern rund um den Zürichsee können sich diesen Trends nicht entziehen.

Frida war das erste Baby, das 2019 am Zürichsee das Licht der Welt erblickte. Mit der Auswahl des zweisilbigen, vokalreichen Vornamens liegen Fridas Eltern voll im Trend.

Frida war das erste Baby, das 2019 am Zürichsee das Licht der Welt erblickte. Mit der Auswahl des zweisilbigen, vokalreichen Vornamens liegen Fridas Eltern voll im Trend. Bild: Glenn Povey

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Die Chancen stehen gut, dass in künftigen Schulklassen in den Bezirken Horgen und Meilen mehrere Emmas sitzen werden. Der Name gehörte letztes Jahr nämlich zu den beliebtesten für Neugeborene, wie eine Umfrage bei den Spitälern in der Region zeigt. Im Spital Zollikerberg etwa wurden 11 Mädchen von 1078 auf diesen Namen getauft.

Damit lagen ihre Eltern voll im Trend, rangierte Emma doch in der Deutschschweiz von 2011 bis 2017 immer auf den ersten beiden Rängen. Dies zeigen die Statistiken des Bundes. Damit dürfte «Tante Emma» wohl bald nicht mehr so altbacken klingen. Im Paracelsus-Spital Richterswil war bei den Mädchen 2018 Elin der beliebteste Name. Dabei handelt es sich um die skandinavische Variante von Helena.

Ein biblischer Namen

Einige der kleinen Mädchen, die in Richterswil auf die Welt kamen, dürften sich einige Witze über «Ronja Räubertochter» anhören müssen, wenn sie älter sind. Aber die ist immerhin ein gutes Vorbild. Zeichnet sich Astrid Lindgrens Kinderbuchheldin doch durch Mut und Cleverness aus.

Bei den Knaben war Noah in der Deutschschweiz von 2014 bis 2017 stets der beliebteste Name. In der Region allerdings schaffte es der alttestamentarische Name nur im Spital Männedorf unter die Top drei.

Obwohl der Trend allgemein hin zu kurzen Namen geht, war der Name Alexander in der Zürichsee-Region letztes Jahr auch sehr beliebt. Im Spital Zollikerberg zum Beispiel belegt er mit 9 Namensgebungen den ersten Platz. Aber vielleicht planen die Eltern, ihre Sprösslinge im Alltag kurz und knapp Alex zu rufen.

Vokale sind im Trend

Offenbar ist die Endung O bei den frischgebackenen Eltern um den Zürichsee beliebt: Sie haben ihre Söhne häufig Diego, Matteo, Leo oder Nino genannt. Wie die Zürcher Namensforscherin Simone Berchtold Schiestl erklärt, liegen vokalreiche Namen zurzeit im Trend. «Namen bei denen ein Vokal an der Silbengrenze auf einen weiteren Vokal trifft - wie etwa bei Mi-a oder Ma-tte-o – gelten zudem als besonders wohlklingend.» Mia schaffte es hierzulande in den letzten sechs Jahren denn auch stets in die Top zwei der Statistik. Und auch Matteo war in der gleichen Zeit immer unter den elf beliebtesten Namen zu finden.

Wie beliebt ein Name über die Jahrzehnte war, kann man auf folgender Open Data Plattform nachschauen: vornamen.opendata.ch

Erstellt: 11.01.2019, 17:04 Uhr

Nachgefragt

«Mit den Vornamen ist es wie mit der Mode»

Vornamen wie Emma und Noah sind in, Katrin und Markus hingegen out, warum?
Simone Berchtold Schiestl:Das liegt vor allem am Klang. Harte Konsonanten wie P, T, und K sind in den letzten 15 Jahren weniger beliebt. Heute muss ein Name sonor und weich sein.

Was braucht es dafür?
Namen mit dem Konsonanten L beispielsweise lassen sich weich aussprechen. Das hat damit zu tun, dass der Luftstrom bei der Bildung eines L nicht blockiert wird. Im Gegensatz zu einem Namen, der beispielsweise mit T beginnt. Die heutigen Trendnamen sind zudem sehr vokalreich. Und Endungen auf a gelten als besonders klangvoll.

Auffällig ist auch, dass die heutigen Namen eher kurz sind.
Das stimmt. Besonders zweisilbige Vornamen liegen hierzulande im Trend. Viele Eltern wollen auf diesem Weg umgehen, dass der Namen ihrer Kinder mittels Abkürzungen verunstaltet wird.

Weshalb sind biblische Namen wie Anna oder David in unserer modernen Gesellschaft noch immer so beliebt?
Viele dieser Namen sind fest in unserer Tradition verwurzelt. Zudem sind es häufig ebenfalls zweisilbige Namen. In erster Linie werden sie ausgewählt, weil sie wohlklingend sind. Ihre Bedeutung oder der religiöse Hintergrund ist nebensächlicher geworden.

Was muss passieren, dass ein Name Trend wird?
Man kann hier verschiedene Phasen beobachten: Zunächt wird ein Name hierzulande bekannt oder geläufiger. Vorerst taucht er aber nur in den hinteren Rängen der Statistik auf. Dann folgt eine schnelle Verbreitung. Auf dem Höhepunkt der Beliebtheit dominiert er die Vornamen-Hitparade.

Was passiert dann?
Oftmals folgt nach ein paar Jahren oder Jahrzehnten wie bei Laura ein schrittweiser Rückgang. Denn auch Vornamen nützen sich ab.

Manche Namen erleben nach Jahrzehnten aber ein Revival.
Mit den Vornamen ist es wie mit der Mode. Alles verändert sich ständig und vieles kommt doch immer wieder.
1957 wurden fast 1900 Peter geboren. In der aktuellen Hitparade schafft es keiner der Namen auf einen solchen Wert.

Weshalb?
Unsere heutige Gesellschaft ist extrem auf das Individuum ausgerichtet. Früher wurden Kinder nach einem Vorfahren zum Beispiel dem Grossvater, dem Vater oder dem Götti benannt. Die Eltern von heute geben ihrem Kind mit dem Namen bereits ein Stück Individualität und Identität mit auf den Weg. Kommt dazu, dass durch die Globalisierung viel mehr Namen bekannt sind und zur Auswahl stehen.

Matteo, Luca oder Giulia waren noch vor ein paar Jahrzehnten die Namen der Gastarbeiter. Heute dominieren sie die Deutschschweizer Statistik. Könnte ähnliches auch mit Ali, Ismail und Asifa geschehen?
Namentrends lassen sich so gut wie gar nicht voraussagen. Ob sich Namen durchsetzen, hängt aber auch sehr davon ab, wie wir die Kultur dahinter wahrnehmen. Die muslimisch geprägten Namen dürften es daher gegenüber den christlich geprägten italienischen Namen einiges schwerer haben.

Kann man vom Vornamen auf die soziale Schicht der Familie schliessen?
Die Unterschiede in der Namensgebung sind heute weniger klar als in früheren Jahren. Tendenziell kann man vielleicht sagen, dass Akademiker häufiger traditionellere Namen wählen oder die Kinder nach ihren Vorfahren benennen.

Interview: Fabienne Sennhauser

Simone Berchtold Schiestl, Linguistin und Namensforscherin. (Bild: pd)

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