Küsnacht

Küsnachter Kindergarten muss doch nicht schliessen

Die Schulpflege Küsnacht wollte den Kindergarten Weinmanngasse eigentlich schliessen. Die Eltern wehrten sich. Nun kommt alles anders.

Der Kampf der Eltern hat sich gelohnt: Der Kindergarten an der Küsnachter Weinmanngasse bleibt bestehen.

Der Kampf der Eltern hat sich gelohnt: Der Kindergarten an der Küsnachter Weinmanngasse bleibt bestehen. Bild: Archiv Michael Trost

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Es war ein Schock für viele Eltern, als sie erfuhren, dass der Kindergarten Weinmanngasse im Felseneggquartier aufgegeben werden soll. Ihre Kinder hätten neu einen zentralisierten Kindergarten in der Schulanlage Dorf besuchen sollen. Dies hätte einen Schulweg von etwa 700 Metern zur Folge gehabt.

Kampflos hinnehmen wollten die Eltern diesen Entscheid der Küsnachter Schulpflege vor etwas mehr als einem Jahr nicht. Sie sammelten über 500 Unterschriften gegen die Schliessung. Nun hat sich die Situation um 180 Grad gedreht. Nicht nur, dass der neue Mietvertrag mit den Eigentümern des Gebäudes, in welchem der Chindsgi untergebracht ist, über fünf Jahre laufen soll. Nach diesem Zeitraum soll er in ein unbefristetes Mietverhältnis umgewandelt werden, wie die Schule Küsnacht in einer Mitteilung schreibt. Ein vorzeitiges Kündigungsrecht bestünde nach vier Jahren. 

Freude bei Eltern

Grosse Freude darüber, dass der Kindergarten gerettet werden konnte, herrscht bei Rahel Fierz. Die Küsnachterin hatte gemeinsam mit anderen Eltern die Unterschriften für den Erhalt des Chindsgis Weinmanngasse gesammelt. «Ich freue mich, dass wir in einem Dorf leben, in welchem die Behörden uns Eltern in ihre Entscheidungen miteinbeziehen»,», sagt Fierz. Es habe sich gezeigt, dass es sich lohne, für etwas zu kämpfen. Voll des Lobes ist sie für Schulpräsident Klemens Empting (FDP), der das Kindergarten-Dossier von seiner Vorgängerin Danièle Glarner (FDP) übernommen hatte. Seit er Schulpräsident sei, hätten sich die Kontakte zur Schulpflege sehr gut entwickelt.

Und wie reagierten Rahel Fierz' Kinder auf die Nachricht, dass der Kindergarten bleibt? Bei ihrem jüngsten Sohn, der als einziger noch vom neuen Mietvertrag für den Kindergarten profitiert, hält sich das Interesse in Grenzen. «Die Grösseren, die schon in der Primarschule sind, freuen sich fast mehr, für den Jüngsten ist es im Moment einfach selbstverständlich, wie es jetzt ist», sagt Fierz mit einem Schmunzeln.

«Eine Analyse des Schulwegs von der Weinmanngasse in die Schule Dorf hat gezeigt, dass dieser Weg für die 4- bis 6-jährigen Kinder schwierig wäre.»Aus der Mitteilung der Schulpflege

Unter den Argumenten der Schule, weswegen der Standort Weinmanngasse nun doch nicht aufgehoben wird, finden sich auch solche, die die Eltern bereits vor einem Jahr vorgebracht haben. Ein Knackpunkt war etwa der Schulweg: Die Kinder hätten vom Felseneggquartier aus die Alte Landstrasse und den Küsnachter Dorfplatz überqueren müssen, um in zur Schule Dorf zu gelangen. «Eine vertiefte Analyse des Schulwegs von der Weinmanngasse in die Schule Dorf hat gezeigt, dass dieser Weg für die 4- bis 6-jährigen Kinder schwierig wäre», steht im Mitteilungstext.

Aber auch die Platznot der Schule Küsnacht wegen der steigenden Schülerzahlen wird genannt. «Wir haben zu viele Schüler im Bereich Heslibach und Dorf», sagt Klemens Empting. Man brauche Platzreserven, um die steigenden Schülerzahlen abzufangen. So könnte es gut sein, dass der Raum im Schulhaus Wiltiswacht, in dem die Kindergärtler aus dem Felseneggquartier eigentlich hätten unterkommen sollen, dereinst für eine weitere Schulklasse genutzt werden könnte. Verschärft wird das Platzproblem dadurch, dass sich der Start der nötigen Sanierungsarbeiten in der Schulanlage Dorf, namentlich dem Schulhaus Wiltiswacht, verzögern. Grund ist ein Wasserschaden in der Schulanlage Goldbach, der dazu geführt hat, dass die Goldbacher Schüler weiterhin im Schulhaus Erb Turnunterricht haben. In der Folge können die Schüler aus dem Dorf noch nicht ins Erb ziehen, das als Provisorium während der Bauarbeiten dienen soll. Ein Bezug des Kindergartens in der Schulanlage Dorf aufs Ende des alten Mietvertrages im Sommer 2019 hin wäre dadurch unmöglich geworden. 

Erneuerte Schulpflege

Doch war nicht eben jener Platzmangel einer der Gründe, weswegen die Schule den Kindergarten Weinmanngasse schliessen wollte? «Man muss differenzieren», sagt Empting und verweist darauf, dass der begrenzte Platz im Kindergarten Weinmanngasse selbst das Problem gewesen sei. Aber man müsse gesetzlich Vorgaben und Empfehlungen unterscheiden, fügt der Schulpräsident an. So wurden die Empfehlungen bezüglich der Zahl der Kindergärtler zwar überschritten, aber nicht die gesetzlichen Vorgaben. Die Einrichtung eines Gruppenraums, über den viele Klassen und Kindergartengruppen verfügen, ist wegen der Platzverhältnisse beispielsweise auch nicht möglich. «Da die Eltern trotzdem hochzufrieden sind und wollen, dass der Kindergarten bestehen bleibt, haben wir das berücksichtigt», sagt Empting.

Dass mit dem Hauseigentümer ein neuen Mietvertrag ausgehandelt werden konnte, bezeichnet Empting als Erfolg der neuen Einheitsgemeinde. Hintergrund ist, dass erst seit der Legislatur 2018 bis 2022 in Küsnacht die Einheitsgemeinde besteht. Damit ist das Liegenschaftenressort der politischen Gemeinde unter Vorsteher Ueli Schlumpf (SVP) neu auch für die Schulliegenschaften zuständig. Schlumpf übernahm denn auch die Verhandlungen. Der personelle Wechsel in der Schulpflege selbst dürfte ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Konflikt um den Kindergarten gelöst werden konnte. Nicht nur das Präsidium wechselte im Sommer 2018, die Schulpflege hat auch vier neue Mitglieder. Danach befragt, inwiefern diese Neuerungen eine Rolle gespielt haben, gibt sich Empting diplomatisch: «Es gab viele Gespräche zwischen den Schulpflegern und den Eltern.»  (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.02.2019, 14:14 Uhr

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