Küsnacht

Küsnachter Garage wird zur Bar

Wo im Winter Zitrusfrüchte von Casa del Mas aus Spanien lagern, werden den Sommer über Drinks gemixt. Die «Seebar» in einer Garage soll es aber mehr als einen Sommer lang geben.

Sie schmeisst die Bar, er zieht die Fäden im Hintergrund: Moyava Brun und Gregory Hengärtner in der Pop-up-Bar «Seebar».

Sie schmeisst die Bar, er zieht die Fäden im Hintergrund: Moyava Brun und Gregory Hengärtner in der Pop-up-Bar «Seebar». Bild: Moritz Hager

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Mit Weinkisten an den Wänden, alten Holztischen und Polsterstühlen von der Grossmutter und einigen semi-modernen Ledersesseln ist die Einrichtung der «Seebar» ziemlich zusammengewürfelt - und doch irgendwie sehr stimmig. Pflanzen, die sich um Leitungen unter der Decke winden, Blumensträusschen auf den Tischen und farbige Bilder an den Wänden geben der Bar Charme. Der Industrie-Chic, der vor allem dank der Garagen-Lokalität entsteht, würde auch gut in einen hippen Zürcher Stadtteil passen. Doch das Pop-up-Lokal «Seebar», das die Brüder Gian Luca und Gregory Hengärtner Anfang Mai eröffnet haben, liegt an der Seestrasse in Küsnacht, etwa auf halbem Weg zwischen Tankstelle und Strandbad.

In der Doppelgarage lagert und verkauft das Unternehmen Casa del Mas den Winter über Zitrusfrüchte aus Spanien. Von April bis Oktober sucht die Orangerie jeweils einen Untermieter. Nachdem letztes Jahr ein Möbelrestaurator eingemietet war, stehen die Garagentore nach 2017 auch dieses Jahr wieder ganz offen, und der Vorplatz lädt mit einer selbstgebauten Palett-Sitzgruppe und Bistro-Tischen zum Verweilen ein. Dank der Grossbaustelle auf der Seestrasse einige hundert Meter weiter Richtung Zürich ziehen die Autos momentan in ungewöhnlich gemächlichem Tempo vorbei.

Nicht die erste Garagen-Bar

Gregory Hengärtner und sein zwei Jahre älterer Bruder Gian-Luca wollen für die Sommermonate ein Gastro-Angebot schaffen, das sie bis anhin in Küsnacht und Umgebung vermisst haben. «Vor allem hier zwischen Seestrasse und Bahnlinie wohnen sehr viele junge Leute. Eine Bar, in der Jung und Alt in unkompliziertem Rahmen etwas trinken können, fehlt aber», sagt der 29-Jährige.

«Vor allem hier zwischen Seestrasse und Bahnlinie wohnen sehr viele junge Leute.»Gregory Hengärtner

Richtig bewusst wurde dies den beiden Ur-Küsnachtern vor zwei Jahren. Damals haben die Betreiber des SUP-Shops Gearloose in Erlenbach, Mabel und Gery Lutz, von April bis Oktober das Pop-up-Café «wunder bar» in den Räumlichkeiten der Orangerie eingerichtet. Gian Luca Hengärnter, der im angebauten Haus wohnt, wurde Stammgast. Und beschloss schon bald, dass es auch nach der «wunder bar»-Saison an selber Stelle eine Bar geben soll.Er holte seinen Bruder mit ins Boot und so wurde die Idee auf dieses Jahr hin zum gemeinsamen Projekt.

Viele lokale Produkte

Auf der Karte der Seebar stehen Kaffee, erfrischende Getränke und gemixte Cocktails, wie die Eigenkreation «Vodka Mirtillo», also Heidelbeer-Gazosa mit Hochprozentigem. Mit Bier aus Meilen, Wein aus Küsnacht und Ingwer-Eistee aus Zumikon werden regionale Produzenten berücksichtigt. Als Snack gibt es Flammkuchen, der vor Ort frisch zubereitet wird, oder eine kalte Platte - beides mit Fleisch vom lokalen Metzger. Zusätzlich ist alle zwei Wochen am Samstag ein Catering geplant: Thailändisch und Brasilianisch wird dann aufgetischt. Die Brüder Hengärtner,der ältere von Beruf Banker, der jüngere Treuhänder, sehen sich selber vor allem im Hintergrund wirken, «und Müll raus tragen», wie Gregory Hengärtner sagt. Beide werden auch weiterhin Vollzeit ihrem Job nachgehen.

Für den Barbetrieb sind Gregorys Freundin Moyava Brun und drei weitere Studentinnen angestellt. Herrscht mal Personalknappheit, springt aber auch Mutter Ruth oder Vater Otto ein, Vom Einschalten der Abwaschmaschine über die Zutaten aller Cocktails bis zur Dicke der Käsescheiben haben die Söhne jeden Schritt dokumentiert. «Da kann wohl nichts schief gehen», sagt Otto amüsiert.

Nicht nur eine Saison

Bereits am 30. April feierte die «Seebar» in einem kleinen Rahmen Eröffnung.«Wir wollten bewusst etwas piano beginnen», erklärt Gregory Hengärtner, der nebenberuflich auch noch zwei Shops für American Football-Artikel führt. Schliesslich soll das Produkt überzeugen, und dies habe man zuerst im Freundes- und Bekanntenkreis testen wollen. Es hat bestens geklappt: Trotz des schlechten Frühlingswetters in den letzten Wochen seien einige Abende schon sehr gut besucht gewesen. Die Anschaffungen und der ganze Aufwand inklusive Behördenmarathon für die Umnutzungs- und Gastrobewilligung soll sich auch wirklich lohnen: Geplant ist, dass die Bar mehr als eine Sommersaison bestehen wird.

Seebar, Seestrasse 175, Küsnacht. Öffnungszeiten: Donnerstag 16.30 bis 22 Uhr. Freitag und Samstag 16.30 bis 23.30 Uhr.

Erstellt: 27.05.2019, 15:37 Uhr

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