Meilen

Künstliches Riff soll Schilf retten

Der Kanton forstet den Schilfgürtel in der Rotholzbucht in Obermeilen auf. Der Grund für die Naturschutzmassnahmen ist in Horgen zu suchen.

Vom einstigen Schilfgürtel in der Rotholzbucht ist nur noch ein Teil erhalten.

Vom einstigen Schilfgürtel in der Rotholzbucht ist nur noch ein Teil erhalten. Bild: Moritz Hager

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Vom einstigen Schilfgürtel in der Rotholzbucht ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig. Nun soll er wieder nachwachsen. Die kantonale Fachstelle Naturschutz lässt hierfür ab Mitte Monat entsprechende Arbeiten ausführen, wie sie am Donnerstag bekannt gab.

Im maximal zwei Meter tiefen Flachwasser im Grenzgebiet zwischen Meilen und Uetikon, unmittelbar neben der ehemaligen chemischen Fabrik, werden ein künstliches Riff sowie Kies aufgeschüttet. Nur dank solcher Auflandungen könne sich das Röhricht geschützt vor Wellen neu ausbreiten, heisst es in der Mitteilung.

Bootswellen bedrohen Schilf

Vor Jahrzehnten säumte an der Stelle ein breiter Schilfbestand das Seeufer. Doch in den 70er- und 80er-Jahren schrumpften die Röhrichtbestände rund um den Zürichsee stark, auch in der Rotholzbucht. Weshalb dies so war, lasse sich nicht eindeutig sagen, sagt Projektleiter Gregor Lang von der Fachstelle Naturschutz der Baudirektion. Wahrscheinlich gebe es mehrere Gründe.

Einerseits habe der Wellenschlag durch die Bootsfahrt zugenommen. Andererseits sei in der Rotholzbucht ein bereits vor Jahrzehnten aufgeschüttetes Riff, welches das Röhricht vor starken Wellen schützte, nach und nach abgesackt. Die Chemie Uetikon hatte dieses Riff einst als ökologische Ausgleichsmassnahme anlegen müssen – das war ein Bestandteil der Konzession, die der Kanton der Fabrik erteilte, damit diese Land aufschütten durfte.

Als erstes werden nun Gehölzer, Sträucher und Brombeerdickicht am Ufer gerodet. Dies ist teilweise bereits geschehen, wie ein Augenschein am Donnerstag zeigte. Das Gestrüpp würde das lichtbedürftige Schilf zu stark beschatten und verdrängen. Als nächstes folgen ab Mitte August die Arbeiten im Wasser.

Gehölzer, Sträucher und Dickicht sind bereits gerodet. Bild: Moritz Hager.

«Das Riff, das teilweise noch besteht, wird ergänzt und dahinter feineres Material aufgeschüttet», sagt Gregor Lang. Anschliessend transportiert ein Boot auf einem Ponton sogenannte Schilfsoden – also Bodenstücke, auf denen bereits Röhricht wächst – in die Bucht. Diese werden zuvor in Horgen ausgestochen. Mit Hilfe eines Baggers werden sie dann im Flachwasser eingepflanzt.

Die Rückkehr der Brüter

Die Baukosten betragen rund 200 000 Franken, wobei ein Teil des Geldes aus einem Ökologiefonds des Elektrizitätswerk der Stadt Zürich stammt beziehungsweise von der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG übernommen wird. Letztere muss nämlich ökologische Ersatzzahlungen leisten, weil sie vor zwei Jahren in Horgen einen vierten Nachtliegeplatz für ihre Fähren gebaut hat.

Weil dafür der Seegrund ausgebaggert werden musste, wurde an dieser Stelle die Unterwasservegetation grösstenteils zerstört. Die kantonalen Ämter haben mit der Rotholzbucht nun eine geeignete Fläche ermittelt – am anderen Seeufer und über 4,5 Kilometer vom beeinträchtigten Platz entfernt.

Gleichzeitig mit dem neu angelegten Schilfgürtel sollen in der Bucht wieder ortstypische Pflanzen und Tiere heimisch werden, die mit der Erosion das Flachufers und dem Rückgang des Schilfs verschwunden sind. An kiesig-sandigen Flachufern entwickelt sich nämlich auch eine vielfältige Unterwasserflora, unter anderem der Strandling, eine im Zürichsee selten gewordene Wasserpflanze. Zudem bietet das Schilf einen Lebensraum für brütende Vögel wie Haubentaucher, Teich- und Drosselrohrsänger.

Erstellt: 08.08.2019, 17:08 Uhr

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