Küsnacht

Künstlerinnen offenbaren neuen Blick auf Küsnacht

Das Künstlerinnenkollektiv ap7 stellt seine Werke in der Galerie im Höchhuus in Küsnacht aus und gewährt ungewohnte Blicke auf die weniger bekannten Orte und Ecken der Gemeinde.

Die Bronzestatue im Garten des C.G Jung-Instituts ist für Malerin Barbara Harvey immer wieder eine Inspirationsquelle.

Die Bronzestatue im Garten des C.G Jung-Instituts ist für Malerin Barbara Harvey immer wieder eine Inspirationsquelle. Bild: Moritz Hager

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Ihre Arme hebt sie gen Himmel, ihr linkes Bein streckt sie nach hinten in die Luft. Mit ihrem rechten Fuss scheint sie beinahe vom Boden abzuheben. Die Rede ist nicht von einer Tänzerin, sondern von der Bronzestatue des Bildhauers Hermann Haller, die im Rosengarten des C. G. Jung-Instituts steht.

Mehrfach kommt sie in den Bildern der freischaffenden Malerin Barbara Harvey vor. Im Rahmen der Ausstellung des Künstlerinnenkollektivs ap7 «stopover – Küsnacht ungewohnt und überraschend» werden ihre Bilder und Werke von fünf weiteren Künstlerinnen in der Galerie im Höchhuus in Küsnacht ab dem 13. September zu sehen sein.

Jede hat ihren eigenen Stil

Für die Ausstellung liessen sich die sechs Frauen von verschiedenen Gegenden in Küsnacht inspirieren. Die Entscheidung für diese Inspirationsquelle fiel schnell. «Wir wollten eine Ortschaft in einem ganzen Projekt thematisieren. Als geborene Küsnachterin bin ich hier verwurzelt», erzählt Harvey. Zudem hätten alle sechs schon einmal in der Galerie im Höchhuus ausgestellt. Bewaffnet mit Fotoapparat und Notizblock begaben sie sich schon im April 2018 auf einen ersten Rundgang durch Küsnacht. «Wir bemerkten schnell, dass uns die Poesie des wenig Beachteten anzog». Ihren Fokus wollten sie somit auf besondere Orte und unbeachtete Ecken und nicht auf Postkartenidyllen legen.

«Wir wollten eine Ortschaft in einem ganzen Projekt thematisieren. Als geborene Küsnachterin bin ich hier verwurzelt.»Barbara Harvey, freischaffende Malerin

Das Künstlerinnenkollektiv ap7 lernte sich im Lyceum Club Zürich kennen. Die sechs Künstlerinnen lösten sich heraus und gründeten das Kollektiv ap7. «In einer kleinen Gruppe kann man wirkungsvoller etwas kreieren, und alle können gleichwertig dazu beitragen», erklärt Harvey. Jeden Monat trifft sich ap7, um an laufenden Projekten zu arbeiten und sich bezüglich neuer Themen und verschiedener Interpretationsmöglichkeiten auszutauschen und abzusprechen. Sie hätten viele Ideen entwickelt und wieder verworfen, bis die Ausstellung so konzipiert gewesen sei, wie sie bald zu sehen sein werde. «Die Ausstellung versetzt die Besucher in unterschiedlichste Stimmungen», sagt Harvey.

Zu diesen Stimmungen tragen mit einem Fotoprogramm bearbeitete Fotografien, Collagen, Malereien sowie überraschende neue Bildtechniken bei.Trotz ähnlicher Inspirationsquellen sei jede der Künstlerinnen ihrem Stil treu geblieben. Unter anderem wird eine riesige Tuschzeichnung von 120 auf 150 Zentimeter, die alle über 14000 Küsnachter und Küsnachterinnen in einer imaginären Vollversammlung darstellt, von Janine Korolnyk gezeigt werden. Sie hat sich von den oft unbelebten Quartieren der eigentlich grossen Gemeinde inspirieren lassen.

Die Bronzestatue des Bildhauers Hermann Haller, die im Rosengarten des C. G. Jung-Instituts steht.

Golden durch und durch

Auch die gemeinsame Installation im Erdgeschoss der Galerie wird ein grösserer Blickfang sein. Ein goldenes Boot, das 30 Jahre auf einem Estrich gelegen hatte, schwebt in der Luft. Es ist eine Anspielung auf die Goldküste und den Namen der Ausstellung «stopover», also gewissermassen ein Zwischenhalt in Küsnacht. Gemeinsam suchten die Künstlerinnen Goldwörter und schrieben «Goldtexte».

Dabei sei auch Befremdliches und Überraschendes zum Vorschein gekommen. Die Theaterpädagogin Yaël Herz sprach die Texte auf ein Tonband, das im Erdgeschoss zusammen mit Geräuschen abgespielt wird. Da ist zum Beispiel das Piepen an der Kasse im Coop, das Einfahren eines Zugs, eine Gesangsprobe in der Kirche oder Gespräche. «Fragmente der Tonaufnahmen mischen sich mit den Texten. So durchbrechen wir die reine Idylle», sagt Barbara Harvey. Riesige Kissen in Dunkelrot und Gold in Anspielung auf das Küsnachter Wappen laden zum Verweilen ein. Wenn das Projekt gut ankommt, könnte sich das Künstlerkollektiv auch vorstellen, etwas Ähnliches in einer anderen Gemeinde durchzuführen.

Ausstellung des Künstlerinnenkollektivs ap7, welches aus Sandra Canonica, Irene Christen-Dürig, Barbara Harvey, Janine Korolnyk, Sonja Schmid und Corina Staubli besteht: «stopover - Küsnacht ungewohnt und überraschend», Vernissage Donnerstag 12. September, 18 bis 20 Uhr. Öffnungszeiten Ausstellung: 13. bis 28. September, jeweils Donnerstag und Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 16 Uhr, Galerie im Höchhuus, Seestrasse 123, 8700 Küsnacht.

Erstellt: 06.09.2019, 15:49 Uhr

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