Meilen

Kubanische Szenerien und Erinnerungen an politische Vorfälle

Derzeit stellen im Ortsmuseum Meilen der lokale Maler Pierre Käch und der Wädenswiler Amateurfotograf Peter Burkhard aus. Der eine erinnert an gesellschaftliche und politische Ereignisse, der andere zeigt den Alltag auf Kuba – beide unter dem vielsagenden Motto «Quo Vadis».

Die Künstler Peter Burkhard (links) und Pierre Käch, stellen ihre Werke, die sich um den Inselstaat Kuba drehen, im Ortsmuseum Meilen aus.

Die Künstler Peter Burkhard (links) und Pierre Käch, stellen ihre Werke, die sich um den Inselstaat Kuba drehen, im Ortsmuseum Meilen aus. Bild: Patrick Gutenberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch heute spürt Pierre Käch jene besondere Faszination, die ihn einst zur Malerei gebracht hatte: 19-jährig, habe er zum ersten Mal das Lied «Blowing in the Wind» von Bob Dylan gehört. Um auszudrücken, was es in ihm bewegt habe, sei nur der Pinsel das richtige Mittel gewesen. Nun, 50 Jahre später, bedeute ihm die Malerei noch immer seine Erfüllung.

Kächs Bildsprache ist derzeit im Ortsmuseum Meilen zu sehen. In einer Doppelausstellung mit dem Wädenswiler Amateurfotografen Peter Burkhard zeigt er 30 seiner Werke. Jenes erste Bild von 1968, das seine Eindrücke von «Blowing in the Wind» wiedergibt, ist allerdings nicht dabei. «Zu psychedelisch» sei es, sagt Käch. Und damit ein Spiegel der Hippiezeit, an der der gelernte Schriftsetzer in vollen Zügen teilhatte – bis er mit 25 Jahren Vater wurde, Verantwortung übernehmen musste und auf Ärzteberater umsattelte. 40 Jahre blieb er der Stelle treu. 40 Jahre, während denen ihm die Malerei wichtiger Ausgleich gewesen sei.

Viele Aussagen in einem Bild

Bob Dylan inspiriert ihn noch immer, wie die Meilemer Ausstellung verdeutlicht. So hat Käch in einer der gezeigten Collagen Songtexte unter anderem mit Fotos des Vietnamkrieges zusammengefügt. «Dylans Worte wurden nicht verstanden», will er damit darstellen – und die Betrachter, nicht nur mit diesem Bild, wachrütteln. Denn viele politische Ereignisse der Vergangenheit würden sich wiederholen und dürften darum nicht vergessen werden.

Der gebürtige Jurassier, der seit 1982 in Meilen wohnt, bedient sich durchgehend der Technik der Collage – meist auf Aluplatten oder Leinwand und aus Fotos, Gouache und Acryl komponiert, bunt die einen, in gedeckten Farben die anderen. Die Collage erlaubt ihm, mehrschichtige Aussagen zu machen. In «Ghetto de Marseille» etwa verarbeitet er die Schattenseiten der französischen Metropole: Gesichtslose Wohnsilos als Symbol der Anonymität und Gewalt, eine Prostituierte und ein trauriges Kindergesicht, das an junge Drogenkuriere erinnern soll, fügen sich gemalt oder fotografiert zu einem düsteren Mahnmal.

Einigendes Motto

«Meine Themen kommen mir spontan, reifen dann aber langsam», sagt der quirlige Maler. Mitunter arbeite er unregelmässig und an mehreren Bildern gleichzeitig – wie so vieles in seinem Leben keinen festen Rhythmus habe. Und so spontan, wie ihm die Inspiration kommt, so spontan wechselt er von diesem zu jenem Aspekt, wenn er über seine Kunst spricht: Käch legt eine geradezu überbordende und ungetrübte Begeisterungsfähigkeit an den Tag, die zu seinen nachdenklich stimmenden Werken in Kontrast steht.

Oft hält er auf seinen Bildern ein Motto fest, wie etwa «Quo vadis» – und «Quo vadis» passe auch auf die unsichere Zukunft Kubas, wie der zweite Aussteller, Fotograf Peter Burkhard, bemerkt. Schon unzählige Reisen in der ganzen Welt hatte er mit seiner Frau unternommen, doch keine habe ihn so beeindruckt wie jene 2014 durch den karibischen Inselstaat. Drei weitere Male sollten die Wege des Ehepaars noch dorthin führen. Der einstige Sekundarlehrer, der seit 1977 fotografiert, stellt in Meilen 75 Bilder von allen vier Kubareisen aus.

Gegen Klischees

Anders als Käch will er seine Werke nicht als politische Statements verstanden wissen. Dies, wenngleich sie unweigerlich die Entbehrungen zeigen, gegen die die Kubaner aufgrund des sozialistischen Systems in ihrem täglichen Leben anzukämpfen haben. Der Wädenswiler richtet seine Kamera denn auch hauptsächlich auf den Alltag der Einheimischen: Auf die Händler, die ihre Waren durch ein einfaches Fenster verkaufen. Auf die Bauern, die mit archaischen Ochsengespannen ihr Land beackern. Auf die Männer, die ihr Auto zum wiederholten Mal und mit viel Erfindergeist reparieren.

«Man kommt schnell mit den Leuten ins Gespräch», sagt Burkhard, der inzwischen Spanisch gelernt hat, «Fenster und Türen stehen fast überall offen.» So sei er auch einige Male nach innen gebeten worden – um einer Runde Domino spielender Männer beizuwohnen oder sich in der bescheiden eingerichteten Stube umzusehen. «Diese Offenheit und der Stolz auf das mit dem Wenigen Erreichte ist, was mich so begeistert», erklärt er. Es gebe viele Klischees über Kuba, denen er entgegnen möchte, sagt der 66-Jährige. Dies vor allem mit Aufnahmen aus Gebieten, die kaum von Touristen frequentiert werden.

Die Ausstellung dauert noch bis 11. Februar. Geöffnet Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Kirchgasse 14, Meilen. www.ortsmuseum-meilen.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 17.01.2018, 15:04 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Museum in neuem Glanz

Meilen Nach einer längeren Renovation ist das Meilemer Ortsmuseum jetzt wiedereröffnet. Es zeigt auch die neu gestaltete Dauerausstellung «Alt Meilen». Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!