Männedorf

Kritik an der Clienia wegen Schliessung der Tagesklinik hält an

Nachdem die Clienia eine positive Bilanz zur Reorganisation des Psychiatriezentrums gezogen hat, äussert sich nun ein Kritiker – mit heiklen Vorwürfen.

Die Tagesklinik des Psychiatriezentrums in Männedorf wurde im Mai geschlossen.

Die Tagesklinik des Psychiatriezentrums in Männedorf wurde im Mai geschlossen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Rund sechs Monate ist es her, seit die Clienia AG die Tagesklinik des Psychiatriezentrums Männedorf geschlossen und das sozialpsychiatrische Angebot in eine Gruppenpraxis umgewandelt hat. Das Vorgehen hatte weit über den Bezirk Meilen hinaus viel Kritik provoziert. Nachdem die Privatklinikgruppe vor kurzem eine positive Bilanz zur Reorganisation gezogen hat, äussert sich der Psychiater und Psychotherapeut Markus Süss auf Anfrage nun zum Thema. Süss hat eine Praxis in Stäfa und war einer der Initianten des offenen Briefes gegen die Schliessung des Psychiatriezentrums Männedorf (PZM).

Markus Süss kritisiert, dass Versprechen nicht eingehalten wurden, welche die Clienia gemäss einer Stellungnahme des Regierungsrates des Kantons Zürich, gegeben hat. «Es hiess, dass in den 21 Sprechzimmern sämtliche psychiatrischen Behandlungen im bisherigen Umfang erhalten bleiben sollten», sagt Süss. Aktuell würden aber nur 12 Therapeuten in der Gruppenpraxis arbeiten.

Ausbau soll mit Nachfrage Schritt halten

«Zu den bisherigen Angeboten gehörte auch eine grosse Palette an ambulanten Gruppenangeboten», sagt der Stäfner Arzt. «Inzwischen sind aber sämtliche ambulanten Gruppentherapieangebote und der gesamte Bereich der ambulanten Alterspsychiatrie inklusive Memory-Klinik gestoppt.» In dieser Klinik wurden Abklärungen, Behandlungen und Beratungen rund um Hirnleistungsstörungen wie etwa Demenz durchgeführt. Wichtige Angebote wie die Suchtgruppe, die Gruppe für depressive Mütter mit Kind oder die Ergotherapiegruppe gebe es in Männedorf nicht mehr, sagt Süss. «Das ist eindeutig ein Abbau der psychiatrischen Versorgung im Bezirk Meilen.»

«Patienten ablehnen mussten wir bis jetzt nicht.»David  Bosshard, CEO Clienia-Gruppe

David Bosshard, CEO der Clienia-Gruppe, sieht das anders: «Wir erfüllen den Leistungsauftrag nach wie vor.» Im Rahmen der unternehmerischen Freiheit erlaube man sich, das Angebot laufend an die Bedürfnisse der Patientengruppen anzupassen und sei diesbezüglich im Planungsprozess. «So wie andere Praxen das auch tun.» Dass aktuell nicht alle Sprechzimmer besetzt sind und keine Gruppentherapien mehr stattfinden, bestreitet Bosshard nicht. «Wir haben mehrfach mitgeteilt, dass ein weiterer Ausbau geplant ist», teilt er mit. Dieser müsse aber mit der Nachfrage Schritt halten. Die neue Praxis ist laut dem CEO zwar gut ausgelastet. «Patienten ablehnen mussten wir aber bis jetzt nicht.»

Belastung für niedergelassene Psychiater

In der Praxisgemeinschaft, in welcher Markus Süss arbeitet, sind neun weitere Therapeuten tätig. «Wir betreuen zunehmend Patienten mit komplexen psychosozialen Problematiken, ohne dass wir auf Sozialdienst, räumlich nahe ambulante Gruppenangebote oder zentrale Anlaufstelle zurückgreifen können.» Diese Personen adäquat zu betreuen oder für Neuanmeldungen einen passenden Behandlungsplatz zu finden, benötige zeitliche Ressourcen, die von der Krankenkasse nicht vergütet werden.

Ambulatorien hingegen könnten zumindest einen Teil der Leistungen verrechnen und erhielten Subventionen. «Vor diesem Hintergrund verstehe ich den Abbau der Behandlungsangebote als einen Akt der Entsolidarisierung gegenüber uns Niedergelassenen.»

Erstellt: 18.12.2018, 17:23 Uhr

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