Zürichsee

Knatsch am Zürichsee: Angler bekämpfen Netzfischer

Zwei Verbände für Freizeitfischer fahren den Berufsfischern von Zürichsee und Obersee an den Karren. Vor allem eine Forderung sorgt für einen Eklat.

Wird im Zürichsee immer seltener und lässt bei den Berufsfischern deshalb den Wunsch nach engmaschigeren Netzen aufkommen: Der Felche.

Wird im Zürichsee immer seltener und lässt bei den Berufsfischern deshalb den Wunsch nach engmaschigeren Netzen aufkommen: Der Felche. Bild: Keystone

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Hobby- und Berufsfischer auf dem Zürichsee sind selten einer Meinung. Diesmal schiessen die Freizeitangler auf die professionellen Petrijünger. Am Montag versandten der Fischereiverband Kanton Zürich («für die Erhaltung und Förderung der Fischerei und des Lebensraums Gewässer») und IG Dä Neu Fischer (für nachhaltige Fischerei) eine Pressemitteilung. Darin verurteilen sie die Berufsfischer für deren Idee, in einigen Jahren auf Albeli als Ersatz für den rar gewordenen Brotfisch Felchen umzusteigen.

«Es ist mir zu blöd, zu so etwas eine Stellungnahme abzugeben.»Adrian Gerny, Präsident Berufsfischer Zürichsee und Walensee

Dass die Berufsfischer dies erst von einer amtlichen Untersuchung abhängig machen wollen, erwähnen die Vertreter der Angelfischer nicht. Sie warnen jetzt schon aus «fischereitechnischen als auch ökologischen Gründen» vor der Verwendung von «zusätzlichen Schwebnetzen». Engmaschige und tief gesetzte Schwebnetze liessen befürchten, dass neben Albeli auch Seesaiblinge gefangen würden.

Kritik auch an Kanton

Die beiden Präsidenten der Hobbyfischerverbände, Sacha Maggi (Wädenswil) und Rolf Schatz (Langnau), berufen sich auf eine Studie der Eawag. Daraus leiten sie ab, dass, falls es den Berufsfischern tatsächlich gestattet werden sollte, Albeli in grösseren Tiefen zu fangen, auch Bestände seltener Arten wie Schweber gefährdet würden. Auch den «massiven Felchenbesatz» im Zürichsee mit Millionen Felchenbrütlingen durch die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich kritisieren sie als «Monoaquakultur ohne jeglich wissenschaftliche Begleitung».

«Es ist angezeigt, die Anzahl der Berufsfischer zu verringern.»Sacha Maggi/Rolf Schatz, Präsidenten Fischereiverband und IG Dä Neu Fischer

Adrian Gerny ist Präsident des Regionalverbands der Berufsfischer vom Zürichsee und Walensee (RBZW). Der Zürcher ärgert sich über die Mitteilung der Freizeitfischer. «Es gibt gar keinen Antrag auf engmaschigere Netze für die Befischung von Albeli», sagt er. Der RBZW habe an der Generalversammlung vom 24. Januar lediglich diskutiert, ob der Vorstand bei den kantonalen Behörden vorstellig werden könnte, um mit einer wissenschaftlichen Untersuchung die Lage bei Albeli und ihre allfällige Befischung abzuklären. «Wir haben das bewusst transparent gemacht, damit alle auf dem gleichen Wissensstand sind», sagt Gerny. Die von den Anglerfischern erwähnten zusätzlichen Schwebnetze seien polemisch. «Die Gesamtnetzfläche bleibt gleich», bekräftigt er.

Weniger Berufsfischer

Die Freizeitfischer fordern auch eine Dezimierung der Berufsfischer: «Bei Geschäftsaufgabe eines Berufsfischers, der über keine eigenen Kinder verfügt, welche den Betrieb weiterführen wollen, ist keine weitere Bewilligung mehr zu erteilen.»

Dafür hat Berufsfischer-Präsident Gerny nur einen Kommentar übrig: «Es ist mir zu blöd, zu so etwas eine Stellungnahme abzugeben, weil es gar keine Diskussionsgrundlage dazu gibt.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.03.2018, 18:12 Uhr

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