Kirche

Fünf Kirchgemeinden gehen weiterhin getrennte Wege

Die reformierten Kirchgemeinden von Zollikon, Zumikon, Küsnacht, Erlenbach und Herrliberg haben ein Projekt zur vertieften Kooperation gestoppt. Damit ist eine Fusion in weite Ferne gerückt.

Kooperation gestoppt: Aus der Fusion der reformierten Kirchgemeinden Erlenbach (im Bild), Zollikon, Zumikon, Küsnacht und Herrliberg wird vorerst nichts.

Kooperation gestoppt: Aus der Fusion der reformierten Kirchgemeinden Erlenbach (im Bild), Zollikon, Zumikon, Küsnacht und Herrliberg wird vorerst nichts. Bild: Archiv Michael Trost

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Die reformierten Kirchgemeinden von Stäfa und Hombrechtikon stimmen im September über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen ab. Weniger fruchtbar als im oberen Teil des Bezirks Meilen waren die Annäherungsversuche der Kirchgemeinden im unteren Teil. Dies obwohl sich die Leitungen der reformierten Kirchen von Zollikon, Zumikon, Küsnacht, Erlenbach und Herrliberg lange Zeit darum bemühten. 2013, nach dem Anstoss des kantonalen Kirchenrats zu Kooperationsgesprächen, hatten unter dem Namen «Kooperation 5+» eine Zusammenarbeit aufgegleist.

Daraus entstanden einerseits verschiedene gemeinsame Projekte wie die sogenannten «Profilgottesdienste» und das Printmedium «reformiert.regional». Anderseits formulierten die fünf Kirchgemeinden die Absicht, das Erreichte in eine verbindliche Organisationsstruktur zu überführen. Zu diesem Zweck beauftragten sie vor einem Jahr das Steuerungsgremium mit der Ausarbeitung eines Zusammenarbeitsvertrags. Dieser ging Ende 2018 in die Vernehmlassung, wie einem gemeinsamen Newsletter der fünf Kirchgemeinden zu entnehmen ist.

Wenig Gemeinsamkeiten

Inzwischen ist klar, dass der Vertrag nicht unterzeichnet wird. Eine Mehrheit der Kirchenpflege sowie der Pfarrkonvent hätten den vorgeschlagenen Zusammenarbeitsvertrag abgelehnt, schreibt Max Heberlein, Präsident der Küsnachter Kirchenpflege und Mitglied des Steuerungsgremiums, in der März-Ausgabe des «reformiert.regional». Es seien verschiedene Argumente gegen den Vertrag geltend gemacht worden. So etwa zu wenig klare Ziele, zu geringe Verbindlichkeiten, aber gleichzeitig auch zu detaillierte Regelungen und Doppelspurigkeiten aufgrund von lokaler und regionaler Aufgabenzuteilung. Auf Anfrage will Heberlein sich nicht dazu äussern, welche der fünf Gemeinen dafür und welche gegen den Vertrag stimmten. Malte Müller, Präsident der reformierten Kirchgemeinde Zumikon, wird aber gegenüber dem «Zolliker-Zumiker-Bote» konkret. Zollikon und Zumikon gehörten zu den drei Gemeinden, die den Vertrag abgelehnt hätten, sagt er. Man hätte sich eine wesentlich klarere Zusammenarbeit und konkretere Ziele gewünscht. Er lässt ausserdem durchblicken, dass die beiden Gemeinden künftig enger zusammenarbeiten wollen.

Max Heberlein bedauert indes, dass es so gekommen ist. Aber man habe sich nicht im Zorn getrennt, sagt er. «Der Entscheid schliesst nicht aus, dass es wieder neue Anläufe für weitere Kooperation geben wird.» Vorerst soll aber kein neuer Vertrag ausgearbeitet werden. «Die Gemeinsamkeiten waren zu klein, um nochmals über die Details verhandeln zu können», erklärt Heberlein.Schliesslich hätten die einzelnen Kirchgemeinden teils sehr unterschliedliche Kulturen. Er betont aber, dass die Gespräche der letzten fünf Jahre durchaus Früchte tragen würden. So werden Errungenschaften wie die Profil-Gottesdienste, die Sommerkirche und die gemeinsame Zeitschrift weitergeführt. Auch sei der Weg offen für intensivere Gespräche zwischen einzelnen Gemeinden oderweitere punktuelle Kooperationen. Küsnacht arbeitet zum Beispiel seit Jahren mit Erlenbach, Herrliberg und mit den beiden katholischen Schwestergemeinden bei der Veranstaltungsreihe «Werte und Trends» zusammen.

Keinen Rüffel bekommen

Auch der Erlenbacher Beat Steiner hält fest, dass seine Kirchgemeinde weiterhin offen sei für eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Kirchgemeinden. Insbesondere mit Herrliberg pflege die Erlenbacher Kirche eine enge und gute Zusammenarbeit. So wird schon seit einigen Jahren der Konfirmationsunterricht gemeinsam geführt. Seit einem Jahr haben die beiden Gemeinden zudem gemeinsam eine Jugendarbeiterin engagiert. «Dies hat natürlich auch stark damit zu tun, dass die Sekundarschulen der beiden Gemeinden zusammengeführt wurden», hält Steiner fest.

Vom kantonalen Kirchenrat, dessen Vorstoss zur Zusammenlegung von Gemeinden in erster Linie darauf abzielt, trotz Mitgliederschwund eine kritische Grösse zu waren, hat Heberlein noch keine negative Reaktion erhalten. Er rechnet auch nicht mit einer solchen, schliesslich gäbe es Kirchgemeinden, die wesentlich kleiner seien und es schwieriger hätten, ein breites Angebot aufrecht zu erhalten als die betroffenen fünf Seegemeinden.

Erstellt: 07.08.2019, 15:51 Uhr

Männedorf und Uetikon verhandeln über Fusion

Der Wille zur Zusammenlegung von reformierten Kirchgemeinden ist im oberen Teil des Bezirks deutlich weiter fortgeschritten als im unteren. Das ursprüngliche Projekt «Kirchgemeinde plus», dem Stäfa, Hombrechtikon, Männedorf und Uetikon angehörten, ist seit längerem offiziell beendet. «Der Auftrag der Kirchgemeindeversammlungen bestand in der Prüfung, welche Art der Zusammenarbeit für die vier Kirchgemeinden Sinn macht», sagt dazu Beate Hagen, Kirchenpflegepräsidentin in Männedorf. Neben der nun konkret werdenden Fusion von Hombrechtikon und Stäfa haben sich aus dem Projekt auch Gespräche über eine vertiefte Kooperation der Kirchgemeinden Uetikon und Männedorf ergeben. Zwar habe man mit der Nachbargemeinde schon lange eng zusammen gearbeitet, sagt Hagen, «doch nun gehen die Gespräche darüber hinaus.» Dies sei auch nahe liegend, schliesslich hätten die beiden Gemeinden fliessende Grenzen und die Kirchen lägen nur gerade 1,5 Kilometer voneinander entfernt. Im Dezember soll den Kirchgemeindeversammlungen ein Projektvorschlag für die weitere Zusammenarbeit unterbreitet werden (diese Zeitung berichtete). Für detailliertere Angaben dazu sei es allerdings noch zu früh, sagt Hagen weiterhin.

Nie einem der Kooperationsverbunde angehört haben die reformierten Kirchgemeinden von Meilen und Oetwil. Sowohl Esther Oberli, Präsidentin der Kirchenpflege Oetwil, wie auch Andrea Picenoni, Präsident der Reformierten in Meilen betonen, dass sie keine Gespräche bezüglich Zusammenarbeitsverträgen führen. «Wir begrüssen aber eine punktuelle Zusammenarbeit mit anderen Kirchgemeinden», sagt der Meilemer Picenoni. (aj)

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