Meilen

Kirchensteuern dürften nach Martullos Austritt wieder steigen

Roberto Martullo-Blocher hat in Meilen vergeblich versucht, den Steuerfuss der katholischen Kirchgemeinde drastisch zu senken. Dass er aus der Kirchgemeinde ausgetreten sei, weil er damit nicht durchkam, stellt er in Abrede.

Roberto Martullo-Blocher ist per sofort als katholischer Kirchenpfleger von Meilen zurückgetreten. Seine Kirchensteuer zahlt er nun in einen Solidaritätsfonds des konservativen Bischofs von Chur.

Roberto Martullo-Blocher ist per sofort als katholischer Kirchenpfleger von Meilen zurückgetreten. Seine Kirchensteuer zahlt er nun in einen Solidaritätsfonds des konservativen Bischofs von Chur. Bild: Archiv Urs Jaudas

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Unerwartet kam der Austritt von Roberto Martullo-Blocher aus der katholischen Kirchgemeinde Meilen, und er warf medial hohe Wellen. Nebulös blieben jedoch bislang seine Beweggründe. Seine Kirchensteuern zahle er nun direkt in einen Solidaritätsfonds des Churer Bischofs Vitus Huonder, hiess es. Und in der ZSZ sprach Martullo davon, dass er nicht mehr eine Kirchenpflege unterstützen wolle, «die ihrem Auftrag nicht nachkomme».

Was er damit genau meinte, führte der Meilemer, der eben noch selber Kirchenpfleger war und per sofort zurückgetreten ist, nicht aus.Eine Erklärung für den Austritt bringt nun die Zeitung «Südostschweiz» ins Spiel. In ihrem Einzugsgebiet befindet sich sowohl der Sitz des Bistums Chur als auch die Ems-Chemie, die von Martullos Ehefrau, SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, geführt wird. Deshalb interessiert sich das Blatt auch für die Vorkommnisse am Zürichsee. Gemäss der Zeitung soll Martullo darüber verärgert gewesen sein, dass an der Kirchgemeindeversammlung sein Antrag auf eine Senkung des Steuerfusses von neun auf fünf Prozent chancenlos blieb. So stellt es zumindest ein nicht namentlich genannter Teilnehmer der Versammlung im Artikel dar.

Wie tief soll die Steuer sein?

Meilens Kirchenpflegepräsident Beat Kälin bestätigt auf Anfrage, dass Martullo an der Versammlung einen solchen Antrag gestellt hat. Pikant daran: Das Gesamtgremium hatte ohnehin eine Steuerreduktion ins Auge gefasst, da die katholische Kirchgemeinde von Meilen finanziell gut dasteht. Die Behörde wollte keine Steuern auf Vorrat erheben. Der Kirchengutsverwalter habe berechnet, dass eine Reduktion des Steuerfusses von neun auf sieben Prozent vertretbar sei, sagt Kälin.

Entsprechend lautete auch der Antrag der Kirchenpflege. Damit, so glaubte Kälin, sei das Thema im Gremium erledigt gewesen. Dass Kirchenpfleger Martullo an der Versammlung plötzlich eine Senkung auf fünf Prozent – also um zwei Prozentpunkte mehr als von der Behörde vorgesehen – beantragte, hat den Präsidenten überrascht.

Guter Steuerzahler fällt weg

Martullo scheiterte zwar mit seinem Antrag, aber die Meilemer Katholiken zahlen künftig dennoch weniger Steuern. Denn den moderateren Antrag der Kirchenpflege auf eine Steuersenkung hiess die Kirchgemeinde gut. Fast im gleichen Zug verlor sie aber ihren wohl wichtigsten Steuerzahler, der sein Geld nun stattdessen in den Solidaritätsfonds von Bischof Huonder einzahlt.

Als «unschön» empfindet es nun Beat Kälin, dass Martullo aus der Kirchgemeinde ausgetreten ist, nachdem er für einen tieferen Steuerfuss geweibelt hat. Wie in den letzten beiden Budgetversammlungen der politischen Gemeinde Meilen hat Martullos Verhalten Einfluss auf den Finanzhaushalt, dieses Mal auf jenen der Katholiken. In welchem Ausmass, bleibt aufgrund des Steuergeheimnisses unklar. Der Kirchenpflegepräsident sagt jedoch: «Wir müssen den Steuerfuss nächstes Jahr wohl wieder erhöhen.» Mit seinem Austritt bestrafe Martullo letztlich die Kirchgemeinde als Ganzes und nicht nur die Kirchenpflege.

Was ist der wahre Grund?

Ob die Ablehnung seines Antrags der Grund für Martullos Austritt gewesen sei, wisse er nicht, betont Kälin. Er mag nach wie vor nicht über die Beweggründe seines ehemaligen Amtskollegen spekulieren. «In seinem Austrittsschreiben hat er keinen Grund genannt», sagt er wie schon vergangene Woche. Roberto Martullo selber sagt dazu: «Das gab nicht der Ausschlag für meinen Austritt.» Weiter will er sich nicht äussern.

Steuerersparnisse allein dürften wohl tatsächlich nicht der alleinige Grund für den Kirchenaustritt sein. Dem Vernehmen nach kam es an der Kirchgemeindeversammlung zu teils gehässigen Spitzen gegen verschiedene Akteure, als es um den Steuerfuss und um den Kredit für die Renovation der Kirche St. Martin ging. Martullo soll sich dabei am Verhalten des Kirchenpräsidenten gestossen haben, der gegenüber ihm und anderen Anwesenden mit anderer Meinung recht dezidiert aufgetreten sei.

Ein Anwesender vermutet, dass dies das Fass zum Überlaufen gebracht haben könnte und Martullos Austritt aus der Meilemer Kirchgemeinde eine Trotzreaktion auf monatelange Unstimmigkeiten mit der Kirchenpflege sein könnte. Konkret äussern will sich dazu aber niemand. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.01.2018, 18:24 Uhr

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