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Kindermodegeschäft schliesst nach Jahrzehnten

Das Kindermodegeschäft Popcorn schliesst am 1. April. Damit hat der über ein Jahr anhaltende Räumungsverkauf ein Ende.

Raija Hiltpold verkauft Kinderkleider noch bis Ende Monat im Geschäft Popcorn.
Raija Hiltpold verkauft Kinderkleider noch bis Ende Monat im Geschäft Popcorn.
Michael Trost

Schon seit über einem Jahr prangen in den Schaufenstern des Kindermodegeschäfts Popcorn auffällige Schilder, die auf einen Räumungsverkauf aufmerksam machen. Die definitive Schliessung aber wurde von Ende Dezember auf diesen Frühling verschoben. Am 1. April soll es nun so weit sein: Dann schliesst der Laden an der Dorfstrasse 19 in Küsnacht seine Türen endgültig — zumindest in der jetzigen Form. Im August 1985 hat Raija Hiltpold, die ursprünglich aus Finnland stammt, das Geschäft eröffnet. Unterstützt wurde sie von ihrem Mann Rolf, der in Küsnacht ein kleines Baugeschäft besitzt. «Mit dem Aufkommen des Internets und dem zunehmenden Einkaufstourismus hat sich viel verändert», sagt Rolf Hiltpold. Die Kunden würden heute bewusster einkaufen, weniger hamstern. «Das Geschäftsleben ist härter geworden», sagt auch seine Frau. Sie betont aber: «Seit dem Ausverkauf lauft das Geschäft wie früher. Wir müssen nicht aufhören, sondern wir dürfen es.»

Langer Schliessungsprozess

Weshalb aber zieht sich der Schliessungsprozess schon über ein Jahr hin? «Wir hatten schon einige Interessenten, die das Geschäft übernehmen wollten», sagt Rolf Hiltpold. «Bei den einen ist es daran gescheitert, dass sie uns das Lager nicht abkaufen wollten, bei den anderen daran, dass sie zu unvorbereitet, oder zu euphorisch waren.» Auch sie seien in den 80er-Jahren ohne Erfahrung an die Sache heran gegangen, erzählen die beiden. Heute sei die Situation aber eine andere: Die jungen Mütter würden vermehrt im Internet einkaufen, die Eltern hätten bei der Kleiderwahl ihrer Kinder generell weniger zu sagen.

Dagegen sei das Geschäft in den 90er-Jahren praktisch ein Selbstläufer gewesen, erinnert sich das Ehepaar. «Schön ist es, wenn heute Frauen mit ihren Kindern einkaufen kommen, die früher selbst mit ihren Müttern bei uns waren», sagt Raija Hiltpold.

In den letzten Jahrzehnten hätten viele Kindermodegeschäfte in der Umgebung auf- und wieder zugemacht. Das Erfolgsrezept von Popcorn liege zum einen im grossen, individuellen Sortiment, sind die Hiltpolds überzeugt. «Unser Schwerpunkt lag bei den Alltagskleidern, wir hatten aber auch Kleidchen und Anzüge im Angebot», erzählt die Unternehmerin. Zum anderen sei die Stimmung im Geschäft immer locker gewesen. «Wir wollten den Kunden nie den Eindruck vermitteln, dass sie etwas kaufen müssen.»

Auf den Onlinehandel wollten sich die Küsnachter nicht mehr einlassen. «Wir sind nicht abgeneigt gegen moderne Technologien und waren sogar das erste Geschäft im Dorf mit einem EC-Apparat», sagt Raija Hiltpold. «Gegen Anbieter wie Zalando hätten wir aber ohnehin keine Chance gehabt.»

Vorfreude auf Pensionierung

Nach über 30 Jahren sei es an der Zeit aufzuhören, sind sich die Hiltpolds einig. Neben dem Kleiderladen sei ihnen nur wenig Freizeit geblieben, den Alltag mit ihren eigenen Kindern hätten sie nur dank eines Aupairs gemeistert. «Ich freue mich auf die Pensionierung und die Zeit mit meinen Enkeln und auf meine Hobbys, die ich dann mehr ausleben kann», sagt Raija Hiltpold.

Ganz trennen mag sich das Ehepaar von seinem Unternehmen aber noch nicht. Im Geschäft und im Lager türmt sich nach wie vor viel Ware. Kleidchen, T-Shirts und Schuhe füllen die Regale. Am 6. Mai findet denn auch in der Heslihalle ein Lagerverkauf statt. Ein Teil des jetzigen Ladenlokals wird künftig verschiedene Geschäfte wochen- und monatsweise als Pop-up Store beherbergen. Im September wollen die Hiltpolds das Geschäft nochmals für einen Monat als Popup Store mieten.

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