Küsnacht

Kein Schutz für seine Bäume – Küsnachter will vors Bundesgericht

Damit ein geplantes Wohnhaus freie Sicht auf den Zürichsee erhält, sind zwei Ahornbäume für nicht schutzwürdig befunden worden. Der Eigentümer zieht das Verfahren ans Bundesgericht weiter.

Die beiden Ahornbäume sollen einem geplanten Wohnhaus die Sicht auf den Zürichsee rauben.

Die beiden Ahornbäume sollen einem geplanten Wohnhaus die Sicht auf den Zürichsee rauben. Bild: PD

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Freie Sicht auf den Zürichsee: Dies möchte eine Immobilienfirma ihren zukünftigen 15 Wohnungseigentümern in einem hoch über Küsnacht liegenden Quartier bieten. Getrübt wird diese Sicht noch von zwei 13 Meter hohen Ahornbäumen auf der anderen Seite der Strasse im Garten eines Einfamilienhausbesitzers. Dieser liess die fast 60-jährigen Bäume im August 2017 von der Gemeinde Küsnacht unter Schutz stellen. Diesen Entscheid fochten die neuen Nachbarn an. Sie bauen auf dem rund 150 Meter über dem Zürichsee liegenden Wohnquartier drei Mehrfamilienhäuser – oberhalb der Liegenschaft mit den beiden Ahornbäumen.

Die Rekurrenten rügten die Schutzverfügung vor allem auf zwei Ebenen. Zum einen beanstandeten sie, dass die Gemeinde zu lange mit der im September 2015 eingeleiteten Unterschutzstellung zugewartet habe. Sie monierten, dass die Fristerstreckung – normalerweise müsste solch ein Verfahren von der Gemeinde innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein – ohne ihre Anhörung vollzogen wurde und das Verfahren fast zwei Jahre dauerte. Zum anderen machten sie mittels Privatgutachten geltend, dass die zwei Ahornbäume kein Schutzobjekt seien. Sie würden «weder aufgrund ihres Standorts noch aufgrund ihrer Erscheinung in markanter Weise einen dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent setzen», wie dies in der Schutzwürdigung der Gemeinde festgehalten worden ist.

Erste Instanz für Schutz

Das Baurekursgericht wies die Eingabe im Juni 2018 zurück. Die beanstandete Fristerstreckung sei üblich. Nachbarn hätten kein Mitspracherecht bei dieser Verlängerung des Verfahrens. Auch den anderen Rekursgrund stellte das Gericht in Abrede. Die Gemeinde besitze eine «besondere Entscheidungsfreiheit im Grenzbereich zwischen Rechtsanwendung und Ermessensbetätigung», ob sie Bäume «in Würdigung örtlicher Verhältnisse» unter Schutz stellen wolle.

Zwei Monate später zogen die Rekurrenten das Verfahren ans Zürcher Verwaltungsgericht weiter. Dieses kommt nun zu einem anderen Schluss, was die Erscheinung der Ahornbäume im Kreuzungsbereich der Quartierstrassen betrifft.

Bäume prägen Quartier nicht

«Die zwei streitbetroffenen Ahornbäume setzen weder aufgrund ihres Standorts noch ihrer Erscheinung in markanter Weise einen dominierenden, aussergewöhnlichen Akzent», heisst es im jüngsten Urteil. Sie prägten damit das Quartier- oder Strassenbild nicht wesentlich mit. Die Vorinstanzen seien bei der Beurteilung der gestalterisch-ästhetischen Wirkung der beiden Ahornbäume nicht von den Massstäben ausgegangen, die bei der Unterschutzstellung von Bäumen im Interesse des Quartier- und Strassenbilds anzuwenden sind. «Die Unterschutzstellung der Ahornbäume erweist sich als rechtsverletzend und ist aufzuheben», schliesst das Urteil. «Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen.»

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Wie der Eigentümer der Ahorne auf Anfrage erklärt, hat er das Verfahren bereits ans Bundesgericht weitergezogen. Die Gemeinde Küsnacht hingegen beteiligt sich nicht mehr am Gang vors oberste Gericht der Schweiz.

Erstellt: 19.07.2019, 15:23 Uhr

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