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«Kebab im Zug ist ein Affront gegen die Gesellschaft»

Der Butler und Knigge-Coach Hanspeter Vochezer aus Küsnacht arbeitet für Adlige und Reiche auf der ganzen Welt. Zu ihnen zählte auch der verstorbene Gunter Sachs. Mit extravaganten Wünschen weiss Vochezer umzugehen.

Auf Hochglanz poliert: Hanspeter Vochezer pflegt auch seine eigenen Möbel regelmässig.
Auf Hochglanz poliert: Hanspeter Vochezer pflegt auch seine eigenen Möbel regelmässig.
Michael Trost

«Darf ich Ihnen einen Kaffee, Tee oder Whisky anbieten?», fragt Hanspeter Vochezer, Butler und Knigge-Coach aus Küsnacht. Whisky um 15 Uhr nachmittags? Widerspricht das nicht jeglichen Knigge-Regeln? «Es kommt immer auf die Menge drauf an», sagt der Butler. «Auf dem Land ist es gar nicht so unüblich, schon morgens einen Kafi Güx zu trinken.»Vochezer bittet ins Esszimmer. Die antiken Möbel strahlen eine Eleganz aus vergagenen Zeiten aus. Durch die hohen Decken und den Spiegel an der Wand wirkt der Raum grösser als er ist. Persönliche Gegenstände sucht man vergeblich. Alles wirkt ein bisschen wie die Kulisse des Filmes «Dinner for one».

Hausschuhe und Stirnlampe

Mit Klischees will Vochezer aufräumen. «Der moderne Butler hat wenig mit den gängigen Vorstellungen zu tun», betont der 39-Jährige. Zu seinen Aufgaben gehöre alles, was im Haushalt so anfalle. «Ich koche, hacke Holz und verwalte Facebook Profile.» Zur Arbeit erscheine er dann auch nicht im Smoking sondern im Jakett oder gar im Pullover. Der Küsnachter arbeitet auf Mandatsbasis, seine Einsätze dauern einige Stunden, Tage, manchmal auch Wochen. Längere Zeit sei er jedoch selten für dieselbe Person tätig. «Für Fixanstellungen vermittle ich dem Kunden einen anderen Butler.»

Vochezer hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Als Hotelier war er 20 Jahre für verschiedene Grand Hotels im In- und Ausland tätig, unter anderem auch für das Baur au Lac in Zürich. In einem Michelin Restaurant in Lausanne lernte er, wie man Fleisch richtig tranchiert und als Offizier auf einem Luxusliner tuckerte er auf den Weltmeeren – so lange, dass er manchmal nicht mehr wusste, in welcher Stadt das Schiff gerade anlegte.

«Es ist auch schon mal vorgekommen, dass jemand um 1 Uhr nachts eine Mango essen wollte und keine im Haus war.»

Hanspeter Vochezer

Das wichtigste sei es, dem Gast immer mindestens zwei Schritte voraus zu sein, wie Vochezer erklärt: «Wenn ich Ihnen einen Tee anbiete, muss ich darauf vorbereitet sein, dass Sie noch einen zweiten möchten.» Dasselbe gelte für Weine. «Ein absoluter Fauxpas ist es, wenn der Kellner nicht mehr nachschenken kann, weil ihm der richtige Tropfen ausgegangen ist.»

Vochezer selbst ist immer für alle Eventualitäten gewappnet. Zu seiner Standardausrüstung gehören Hausschuhe, eine Stirnlampe, ein Sackmesser und ein Smoking. «Weil man nie wissen kann, was kommt.»

Mango um 1 Uhr nachts

Verhaltensregeln könne man lernen, 90 Prozent vom Butlersein sei aber Einstellungssache, ist Vochezer überzeugt. «Ich bin Dienstleister durch und durch.» Zu seiner Kundschaft gehören Adelige, Oligarchen und Prinzen, aber auch Unternehmer. Entsprechend extravagant seien manchmal die Wünsche. «Es ist auch schon mal vorgekommen, dass jemand um 1 Uhr nachts eine Mango essen wollte und keine im Haus war.»

In solchen Momenten gehe es darum, Effort zu zeigen, auch wenn man innerlich seuftzen würde. «Ich ziehe mich dann an und gehe zur Tür raus, auch dann, wenn ich weiss, dass die Chancen sehr gering sind, dass sich etwas machen lässt.» Im Falle der Mango würde er sein Glück in einem grösseren Hotel versuchen.

Keine Prostituierten

Grundsätzlich sei der Butler bereit seinen Kunden jeden Wunsch zu erfüllen. Strafbar mache er sich jedoch nicht. «Wenn es um Prostitution, Waffen oder Drogen geht, ist für mich die Grenze erreicht», stellt er klar. Auch zu schnelles Fahren komme für ihn nicht in Frage.

Jede Nationalität habe ihre Eigenheiten, erzählt Vochezer. So würde in Russland und im arabischen Raum manchmal gänzlich auf das Händeschütteln verzichtet. Bei letzterer Kultur spiele die Frau zudem oft eine untergeordnete Rolle. In Deutschland hingegen würden die Frauen mit dem Titel ihres Ehepartners angesprochen.

Trumps schlechte Manieren

Vochezers Anekdoten über seine Arbeit sind lebendig und dennoch scheint er stets um Diskretion bemüht. Namen nennt er keine und auch auf konkrete Personenbeschreibungen wartet man vergeblich. Er weiss eben was sich gehört und was nicht, denn absolute Verschwiegenheit ist sein Einkommen.Neben seiner Tätigkeit als Butler gibt Vochezer Kniggekurse. «Die Beherrschung guter Umgangsformen ist wieder total im Trend», sagt er. «Es geht dabei um Wertschätzung, die Regeln sind nicht in Stein gemeisselt.» Das gelte auch für die Wahl der passenden Kleidung. «Ein Banker sollte sich anders kleiden als ein Journalist und ich als Butler kann nicht in Adiletten aufkreuzen.»

Bei Diskussionen sei es wichtig, die Meinung von anderen zu respektieren. «Donald Trump ist für mich die Personifizierung schlechter Manieren», sagt Vochezer. Gar nicht ginge auch das Essen von stark riechenden Lebensmitteln in öffentlichen Verkehrsmitteln. «Im Zug Kebab zu essen ist ein Affront gegenüber der Gesellschaft.»

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