Küsnacht

Kanton bremst die Entwicklung in den Küsnachter Weilern

Die Gemeinde wollte im Küsnachterberg einige Grundstücke einzonen. Liegenschaften, die bisher in der Landwirtschaftszone lagen, hätten so für Wohnraum genutzt­ werden können. Doch nun hat der Kanton interveniert.

Der Weiler Limberg soll seinen ländlichen Charakter bewahren, sich aber aus Sicht der Gemeinde auch weiterentwickeln können.

Der Weiler Limberg soll seinen ländlichen Charakter bewahren, sich aber aus Sicht der Gemeinde auch weiterentwickeln können. Bild: Michael Trost

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Die Zersiedelung eindämmen, ländliche Gebiete in ihrem Charakter bewahren: Diese Anliegen haben die Debatten in den vergangenen Jahren geprägt, wenn es in der Schweiz um Raumplanung ging. Auch die Küsnachter Gemeindeversammlung befasste sich mit diesem Thema, als sie vor eineinhalb Jahren über die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) abstimmte. Unter anderem ging es dabei auch um die drei Weiler im Küsnachterberg – Limberg, Chaltenstein und Schmalzgrueb.

Einig waren sich die Küsnachter darüber, dass sie den historischen Häusergruppen die überwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen, Sorge tragen wollen. Stillstehen wie im Freilichtmuseum Ballenberg sollte die Zeit aber nicht: So hiess es in den Unterlagen zur Abstimmung, dass in den Kleinsiedlungen, die sich grösstenteils in der Kernzone befinden, eine «zurückhaltende und massgeschneiderte Entwicklung» möglich sein soll.

Nun liegt aber ein Teil der Häuser in der Landwirtschaftszone und damit ausserhalb der Bauzone. Sie stammen aus einer Zeit, als die Schweiz noch keine raumplanerische Ordnung kannte – oder aber sie dienten bislang ausschliesslich einem landwirtschaftlichen Zweck. Die Möglichkeiten, sie zu nutzen, sind somit weit restriktiver als bei Häusern, die in der Kernzone liegen.

Wohnungen statt Scheunen

Aus diesem Grund wollte der Küsnachter Gemeinderat einige wenige bereits bebaute Grundstücke von der Landwirtschaftszone in die Kernzone überführen. Letztere wäre somit vergrössert worden. Die betroffenen Grundstückeigentümer hätten davon profitiert: Sie hätten beispielsweise Ökonomiegebäude, also Ställe und Scheunen, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, umnutzen können. Dadurch hätte neuer Wohnraum entstehen können. Hätte – denn soweit kommt es vorerst nicht. Zwar hat die Gemeindeversammlung der neuen BZO samt besagten Umzonungen zugestimmt. Doch letztere hat der Kanton nicht genehmigt, wie die Gemeinde Küsnacht gestern mitteilte.

Überraschend kommt dies nicht, wie der Gemeinderat selber einräumt. Denn kurz vor der damaligen Gemeindeversammlung hatte das kantonale Amt für Raumentwicklung gegenüber der Absicht, in den drei Weilern die Kernzone zu erweitern, Vorbehalte geäussert.

Gutachten stützt Kanton

Ein Gutachten, das der Gemeinderat damals in Auftrag gab, stützte die Sicht des Kantons. Trotzdem liess der Gemeinderat die Küsnachter über die Umzonungen abstimmten – wenn auch mit dem Hinweis, dass der Kanton diese möglicherweise nicht genehmigen werde.

Dieser Fall ist nun eingetreten. Der Kanton ist der Ansicht, dass die Gemeinde gegen den kantonalen Richtplan verstösst, der die räumliche Entwicklung in groben Zielen vorgibt. Bei den drei Küsnachter Kleinsiedlungen handle es sich nicht um Kernzonen, sondern um sogenannte Weilerkernzonen, die sich ausserhalb der Bauzone befänden. Die Vorschriften sind dadurch strenger, Neubauten sind beispielsweise nicht erlaubt.

 «Das Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich kennt keine Weilerkernzonen.»Ueli Erb, ?Hochbau- und Planungsvorstand

Der Küsnachter Gemeinderat hingegen ist nach wie vor anderer Meinung. Er vertritt die Auffassung, dass es für die vom Kanton ins Spiel gebrachte Weilerkernzonen gar keine genügende gesetzliche Grundlage gibt. «Das Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich kennt keine Weilerkernzonen», sagt der Küsnachter Hochbau- und Planungsvorstand Ueli Erb (SVP). Tatsächlich taucht das Wort nirgends im Gesetzestext auf. Erwähnt wird es lediglich beiläufig im kantonalen Richtplan. Zudem existiert dazu ein Merkblatt der kantonalen Baudirektion aus dem Jahr 2016 – rechtlich bindend ist dieses aber nicht.

«Wir sind der Ansicht, dass man den neuen Zonentyp zuerst rechtskräftig festsetzen müsste», sagt Erb, der selbstständiger Baurechtsberater ist und davor mehrere Jahre lang am Baurekursgericht tätig war. An eben diese Rekursinstanz wendet sich nun die Gemeinde Küsnacht: Sie ficht den Entscheid des Kantons an. Da sich der Gemeinderat trotz der Vorbehalte des Kantons dazu entschieden habe, der Gemeindeversammlung die Umzonung vorzulegen, müsse man nun auch den nächsten Schritt machen, sagt Erb. Zumindest an die erste Instanz will der Gemeinderat den Entscheid des Kantons weiterziehen.

Infoabend für Bevölkerung

Nicht mehr zur Diskussion steht hingegen der Rest der BZO, den die Baudirektion genehmigt hat. Auf die Mehrheit der Einwohner wirkt sich der juristische Streit somit nicht aus – wohl aber auf jene Küsnachter, die in den Weilern Limberg, Chaltenstein und Schmalzgrueb wohnen. Für sie – und insbesondere für die gut zehn direkt betroffenen Grundeigentümer – führt die Gemeinde eine Informationsveranstaltung zum Thema durch. Sie findet am kommenden Montag um 17 Uhr im Limbergsaal statt.

Erstellt: 23.01.2019, 17:46 Uhr

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