Zumikon

Kandidaten provokativ befragt

In Zumikon präsentierten sich die Kandidaten für die Behördenwahlen auf einem Podium. Der Moderator scheute bei den acht anwesenden Gemeinderatskandidaten nicht vor unbequemem Fragen zurück.

Am Zumiker Podium stellten sich die Gemeinderatskandidaten Stefan Bührer, Thomas Epprecht, Gary Krähenbühl, Jürg Eberhard, Christian Dietsche, André Hartmann und Marc Bohnenblust den Fragen des Moderators.

Am Zumiker Podium stellten sich die Gemeinderatskandidaten Stefan Bührer, Thomas Epprecht, Gary Krähenbühl, Jürg Eberhard, Christian Dietsche, André Hartmann und Marc Bohnenblust den Fragen des Moderators. Bild: Sabine Rock

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Als Gruppenbild ohne Dame präsentierten sich die Zumiker Gemeinderatskandidaten am Wahlpodium des Gemeindevereins. Ein Thema, welches Moderator Thomas Winistörfer am Donnerstagabend prompt anschnitt. Er bezeichnete die Exekutivbehörde als Gentlemans-Club und wollte von Jürg Eberhard (FDP), der als einziger fürs Präsidium kandidiert, wissen, ob sich Frauen im Rat nicht willkommen fühlten. «Ich finde es persönlich sehr schade», sagte Eberhard, der bereits jetzt die Geschicke Zumikons leitet.

Er wies darauf hin, dass es ja nicht in seiner Macht liegt, wer antritt. Weitere Ausführungen dazu wurden durch den Gong unterbunden. Mithilfe dieses Instruments überwachte Gemeindeschreiber Thomas Kauflin, dass die Kandidaten – mehrheitlich seine Vorgesetzten – ihre Redezeit nicht überschritten. Im Fokus des Interesses standen die beiden neuen Kandidaten, André Hartmann (SVP) und Gary Krähenbühl (parteilos) – der dritte Neue, Benny Wurmser (parteilos), hatte sich aus beruflichen Gründen entschuldigt.

Von Krähenbühl wollte ein Anwesender in der Zuhörer-Fragerunde wissen, was er davon halte, dass die Auslandshilfe gestrichen wurde. «Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass die Auslandshilfe zu den primären Aufgaben Zumikons gehört», sagte dieser. Wenn man über die Ressourcen verfüge, könne man das Thema aber wieder anschauen. Der Moderator sprach Hartmann auf dessen Aussage an, dass er alle Geschäfte aus finanzieller und rechtlicher Sicht beurteilen wolle. Da käme ja nie etwas zustande, stichelte Winistörfer. Das liess Hartmann nicht auf sich sitzen: «Ich bin ein Machertyp und führe ein operatives Geschäft in meinem Beruf.»

Steuerfuss und Ortsplanung

Von Thomas Epprecht (FDP), amtierender Liegenschaften- und Sicherheitsvorsteher, wollte Winistörfer wissen, warum man nicht einfach den Steuerfuss erhöhe, um Anstehendes zu finanzieren. «Wenn man nichts abschaffen will, was wehtut, ist eine Steuererhöhung unumgänglich», meinte dieser. Aber man müsse erst immer schauen, was man sonst noch machen könne. Finanzen waren auch ein Thema für Tiefbauvorsteher Stefan Bührer (FDP). Winistörfer sprach ihn darauf an, dass manches, was sein Ressort geplant hatte, nicht umgesetzt wurde. Der Kandidat nutzte die Gelegenheit, schon einmal Werbung für neue Mittel zu machen: «Das was man jetzt spart, ist nicht gespart, sondern kommt irgendwann auf uns zu.» Jeder Wasserrohrbruch koste 10'000 bis 70'000 Franken.

Richtiggehend in die Mangel nahm der Moderator Marc Bohnenblust (GLP). Der derzeitige Hochbauvorsteher hatte vor Kurzem die revidierte Ortsplanung an der Gemeindeversammlung durchgebracht ­– wenn auch mit Änderungen. «Wie kann man als Grünliberaler dieses Projekt unterstützen? Da wird verdichtet, überbaut und unfruchtbar gemacht», lautete die provokative Frage. In Bezug auf die Verdichtung verwies der Angesprochene auf das kantonale Raumplanungsgesetz. Und auch bezüglich der Einzonung im Schwäntenmos, wo ein neues Feuerwehrgebäude entstehen soll, war Bohnenblust nicht um eine Antwort verlegen: «Wir brauchen das neue Feuerwehrgebäude – das alte ist nicht erdbebensicher.»

«Brauchen wir nicht ein Altersheim?», fragte Winistörfer Gesellschaftsvorsteher Christian Dietsche (SVP) im Hinblick auf geplante Alterswohnungen. «Primär haben wir ein Alters- und Pflegeheim im Maur», erteilte dieser der Idee eine Absage. Ausserdem gelte, «ambulant vor stationär»: Die Leute sollten zu Hause bleiben können.

Hugi tritt nur noch einmal an

Vor dem Gemeinderat stellte sich die Schulpflege und damit auch deren einziger Präsidiumskandidat Andreas Hugi (FDP, bisher), den Fragen des Moderators. Der Schulpräsident ist das siebte Mitglied im Zumiker Gemeinderat. Winistörfer liess es sich nicht nehmen, das wohl brisanteste Thema der laufenden Legislatur zur Sprache zu bringen. «Passt sich die Schule der schnelllebigen Zeit an?» fragte er Hugi und spielte damit darauf an, dass das altersdurchmischte Lernen (ADL) in Zumikon erst eingeführt und dann nach harschem Protest zahlreicher Eltern wieder abgeschafft wurde. Der Schulpräsident bezeichnete die Reaktion der Eltern als «klares Signal» und ergänzte, dass man seit einem Jahr mit den Jahrgangsklassen sehr gut unterwegs sei. Hugi wird bei einem nächsten Podium übrigens nicht mehr dabei sein: Er kündigte an, in vier Jahren nicht wieder anzutreten.

Welchen der neun Kandidaten sie in den siebenköpfigen Gemeinderat wählen, da mochten die Meinungen der fast hundert Zuhörer im Gemeindesaal auseinandergehen. Doch darin, dass das Podium – auch dank der treffenden Fragen des Morderators – äusserst kurzweilig war, waren sich die meisten Zuhörer einig, brachen sie doch öfters in schallendes Gelächter aus.

Erstellt: 06.04.2018, 17:52 Uhr

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