Firmenpleiten

Mehr Konkurse in der Zürichsee-Region

2019 ist die Zahl der Insolvenzen in der Region deutlich gestiegen. Dabei erwiesen sich Gastgewerbe und Handwerk als besonders harte Pflaster.

Niemand zu Hause: Die Gefahr eines Scheiterns ist in den ersten fünf Jahren der Existenz eines Unternehmens am grössten.

Niemand zu Hause: Die Gefahr eines Scheiterns ist in den ersten fünf Jahren der Existenz eines Unternehmens am grössten. Bild: Manuela Matt

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2019 war punkto Konkurse ein besonderes Jahr: Mit knapp 4700 Insolvenzen – also der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens – wurden schweizweit nach vier Jahren Anstieg in Folge 3 Prozent weniger Firmenpleiten verzeichnet. Entgegen dem Trend wuchs die Zahl im Kanton Zürich um 8 Prozent auf 757 Konkursfälle, die höchste prozentuale Zunahme aller Wirtschaftsregionen. Auch in den beiden Seebezirken Meilen und Horgen stieg die Zahl, von 65 (2018) auf 69 (2019), was einem Anstieg von 6,1 Prozent entspricht.

Fehler gehören dazu

Der Kanton Zürich ist der Wirtschaftsmotor der Schweiz. Entsprechend stark fällt eine Zunahme der Konkurse hier ins Gewicht. Einen Grund zur Sorge sieht der Präsident des Unternehmerforums Zürichsee (UFZ), Dominic Lüthi, mit Blick auf die jüngste Entwicklung im Kanton Zürich aber keinen, «solange es nicht einen signifikanten Anstieg der Fallzahlen gibt». Der Gründer der digitalen Vermittlungsplattform VRMandat.com verweist darauf, dass es auch aufseiten der Neugründungen einen Zuwachs gegeben habe – auf bereits hohem Niveau. Wenn mehr Firmen gegründet würden, führe das zwangsläufig zu mehr Konkursen: «Man weiss, dass von zehn Neugründungen nach fünf Jahren leider etwa acht Unternehmen nicht mehr existieren.»

«Alle unsere Award-Preisträger existieren noch.»Dominic Lüthi, Präsident Unternehmerforum Zürichsee

Als Grund für die am Zürichsee im vergangenen Jahr von einer Insolvenz besonders betroffenen Wirtschaftszweige Gastgewerbe und Handwerk vermutet Lüthi den grossen Preis- und Konkurrenzdruck sowie die hohe Personalfluktuation. Im UFZ mit rund 150 Mitgliedsfirmen aus allen Branchen sei das Thema Konkurs bisher noch nicht speziell diskutiert worden. Konkurse gebe es, wenn überhaupt, in den Reihen des UFZ nur wenige: «Wir können bestätigen, dass alle unsere Award-Preisträger noch existieren.» Das UFZ vergibt jedes Jahr den Zürichsee Unternehmer Award. Zuletzt wurden die Inhaber der Evo Com Group in Feusisberg SZ ausgezeichnet. Mehr zu denken gibt Lüthi die Tatsache, dass Scheitern in der Schweiz immer noch mit etwas Negativem behaftet ist.

Nicht so in Amerika, «wo offensichtlich davon ausgegangen wird, dass auch krasse Fehler mit Folgen zum Kaleidoskop aller Erfahrungen gehören», wie Lüthi sagt. Persönlich geht der Männedörfler allerdings davon aus, dass es sich um eine Generationenfrage handelt. Jüngere Menschen entwickelten diesbezüglich schon ein viel grösseres Verständnis.

Segen und Fluch

Für den Geschäftsführer der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal, Beat Ritschard, lässt sich von der neuesten Konkursstatistik kein Grund ableiten, ein spezielles Augenmerk auf den Bezirk Horgen zu legen. Die Zahlen lägen im mehrjährigen Durchschnitt. Generell sieht er die zunehmende Digitalisierung als einen Grund für Firmenpleiten. Aber auch die Nachfolgeregelungen, die aktuell in grosser Anzahl anstünden, könnten im schlechtesten Fall zu weiteren Konkursen führen.

Gerade die Digitalisierung der Wirtschaft betrachtet Ritschard aber auch als Chance. Das zeige sich bei den Neugründungen, die sich am linken Seeufer positiv entwickelten. Gleichzeitig stelle der Aufwärtstrend bei den Start-ups aber auch eine gewisse Gefahr dar, «weil neu gegründete Firmen besonders konkursanfällig sind».

Dass eine Firmenaufgabe hierzulande immer noch mit einem Makel versehen ist, bezeichnet Ritschard als «sehr schade». Der Mut, ein eigenes Unternehmen zu starten, dürfe nicht zum persönlichen Nachteil werden. Dabei spricht er sich durchaus für mehr Start-up-Willige – also unternehmerisch denkende – Hochschulabgänger und -abgängerinnen aus. Dieses Denken werde aber hierzulande bereits in der Ausbildung zu wenig gefördert. Zudem sei die Kapitalsuche für Jungunternehmer in der Schweiz immer noch äusserst anspruchsvoll.

Erstellt: 12.02.2020, 16:06 Uhr

Weniger Konkurse – mehr Neugründungen

Im Jahr 2019 gingen in der Schweiz insgesamt 4691 Firmen pleite, was einer Abnahme um drei Prozent entspricht. Besonders ausgeprägt war der Rückgang laut der Wirtschaftsauskunftei Bisnode D&B in der Nordwestschweiz (–13%) und im Espace Mittelland (–12%). Am stärksten erhöhte sich die Zahl der Konkurse im Kanton Zürich (+8%) auf 757, gefolgt von der Zentralschweiz (+5%) und dem Tessin (+3%). Am schlechtesten kam die Holz- und Möbelindustrie weg, gefolgt vom Bau- und Gastgewerbe und den Handwerkern.

Gleichzeitig legte die Zahl von neu gegründeten Firmen in der Schweiz im vergangenen Jahr um drei Prozent zu. Insgesamt wurden 44612 neue Unternehmungen ins Handelsregister eingetragen, so viele wie noch nie. Der grösste Zuwachs fand dabei in der Ostschweiz statt (+8%), gefolgt vom Espace Mittelland (+6%), der Südwestschweiz (+4%) sowie der Nordwestschweiz und dem Kanton Zürich (je +3%). Hier wurden 7860 Firmen neu ins Handelsregister aufgenommen.

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