Trockenheit

Jetzt wird vermehrt der See für Trinkwasser angezapft

Zahlreiche Gemeinden in der Region rufen die Bevölkerung zum Wassersparen auf. Wegen der Trockenheit geben viele Trinkwasserquellen weniger her als sonst. Die Werke müssen nun stärker auf den Zürichsee zurückgreifen.

Am Mittwoch ergoss sich noch ein dünner Wasserstrahl in den  Brunnen beim Bahnhof Männedorf. Bis auf weiteres ist er nun abgestellt.

Am Mittwoch ergoss sich noch ein dünner Wasserstrahl in den Brunnen beim Bahnhof Männedorf. Bis auf weiteres ist er nun abgestellt. Bild: Manuela Matt

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Die anhaltende Trockenheit veranlasst die Gemeinden am Zürichsee und im Linthgebiet zu ungewöhnlichen Massnahmen. Nach Eschenbach hat gestern auch die Gemeinde Männedorf ihre Brunnen abgeschaltet, um Wasser zu sparen. Zwar stammt das Trinkwasser in den meisten Gemeinden in den Bezirken Meilen und Horgen hauptsächlich aus dem Zürichsee, der noch lange Wasser hergibt.

Allerdings ist der See nicht ihre einzige Quelle: Hombrechtikon, Stäfa, Männedorf, Uetikon und Meilen etwa beziehen auch Wasser aus Quellen im Goldingertobel im Kanton St. Gallen – sie sicherten sich das Nutzungsrecht dafür vor über 100 Jahren. Zurzeit ist jedoch laut Peter Schönbächler, Betriebsleiter der Energie und Wasser Meilen AG, der Quellertrag aus Goldingen von 3600 Litern pro Minute auf 3000 Liter zurückgegangen.

Mehr Wasser für Eschenbach

Auch die Gemeinde Eschenbach, auf deren Gebiet die Quelle liegt, bezieht Wasser aus dieser Leitung. Da in Eschenbach der Pegel des Grundwassers zurzeit extrem tief ist, und die gemeindeeigenen Quellen weniger Wasser geben, erhält die Gemeinde ab heute mehr Wasser aus der Leitung Goldingen-Meilen. Sie hat keine Möglichkeit, den Ausfall durch Seewasser zu kompensieren. Statt 350 Litern pro Minute sind es neu 900 Liter pro Minute. Die restlichen Gemeinden erhalten dementsprechend weniger Wasser.

«Die Leute kommen abends nach Hause und sprenkeln ihren Rasen – das sollten sie im Moment nicht tun.»Daniel Stöckli, 
Brunnenmeister Hombrechtikon

Welche Auswirkungen dies auf die kommunalen Wasserversorgungen hat, lässt sich gut am Beispiel der Gemeinde Hombrechtikon zeigen, die wie viele andere die Bevölkerung zu Sparsamkeit im Umgang mit Wasser aufruft. Hombrechtikon bezieht das Trinkwasser im Normalfall zu 45 Prozent aus dem Zürichsee. 20 Prozent entfallen auf die Goldinger Quellen, 35 Prozent auf das Grundwasservorkommen um Ottikon bei Gossau ZH.

Da schon der Winter relativ trocken war, sei der Grundwasserspiegel tiefer als sonst, sagt der Hombrechtiker Brunnenmeister Daniel Stöckli. Auch die Quellen von Goldingen brächten etwas weniger Wasser. Gleichzeitig stelle er fest, dass die Leute zurzeit mehr Wasser verbrauchen würden. «Sie kommen abends nach Hause und sprenkeln ihren Rasen – das sollten sie im Moment nicht tun.»

Probleme im Fall einer Havarie

All dies hat dazu geführt, dass Hombrechtikon den Anteil von Zürichseewasser auf rund 60 Prozent erhöhen musste. «Der Zürichsee ist unser grosses Reservoir», sagt Stöckli. Dank ihm sei die Lage nicht prekär. «An und für sich herrscht keine Wasserknappheit», sagt der Brunnenmeister. Ganz wohl ist es ihm in der derzeitigen Situation dennoch nicht. Der Grund: «Wenn die Wasserversorgung aus dem Zürichsee aus irgendeinem Grund ausfallen würde, hätten wir und viele andere Seewasserbezüger ein Problem.»

Dass ein solches Szenario eintritt, ist laut Stöckli eher unwahrscheinlich. Es gebe keinen Grund für Panik. Gedanken machen müsse man sich aber schon – und das sei nicht nur während der heissen Sommermonate, sondern das ganze Jahr über so. «Wir müssen dem See mehr Sorge tragen», sagt Stöckli mit Blick auf die zahlreichen Freizeitaktivitäten auf dem See. Denn die Aufbereitung von Seewasser werde teurer, je mehr das Wasser mit Motorenöl von Booten oder Sonnencreme verunreinigt sei.

Ferienabwesenheiten helfen

Auch in Amden macht sich die Trockenheit bemerkbar. Brunnenmeister Wendelin Böhni rechnet damit, dass Anfang nächster Woche die öffentlichen Brunnen abgestellt werden.

In Eschenbach sollen die trockenen Brunnen die Bewohner vor allem dazu ermahnen, Wasser zu sparen, meint Brunnenmeister Rolf Krieg. Die tatsächliche Wasserersparnis sei eher nebensächlich. Man werde die Lage am Freitag neu beurteilen. «Es besteht die Möglichkeit, dass dann weitergehende Wasserregulierungen beschlossen werden.» n Rapperswil-Jona macht man sich wegen der Trinkwasserversorgung zurzeit keine Sorgen. «Wir sind nicht im kritischen Bereich», meint der Geschäftsführer der Wasserversorgung Rapperswil-Jona, Martin Büeler.

Mit den zwei Standbeinen Grundwasser und Seewasser sei man gut aufgestellt. Der Grundwasserpegel bewege sich eventuell leicht unter dem Vorjahresniveau. Richtig bemerkbar machen werde sich die Trockenheit im Grundwasserspiegel allerdings erst in einigen Wochen. Der Wasserverbrauch sei zwar angestiegen, doch das werde durch die vielen Ferienabsenzen kompensiert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.07.2018, 17:40 Uhr

Wassernutzung

Das WC ist der grösste Wasserverbraucher

Pro Tag verbraucht ein durchschnittlicher Schweizer 300 Liter Trinkwasser. Davon werden 142 Liter im Haushalt genutzt, wie Daten des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) zeigen. Seit Ende der 90er-Jahre ist der Wasserverbrauch um über 100 Liter pro Person pro Tag zurückgegangen. Am meisten Wasser braucht nicht etwa das Duschen, sondern die WC-Spülung. Pro Tag sind es etwa 40 Liter. Der Verbrauch ist so hoch, weil das Wasser für den Transport der Fäkalien in die Kanalisation genutzt wird, erklärt Martin Büeler, Geschäftsführer der Wasserversorgung Rapperswil-Jona.

Für Duschen und Baden verbrauchen die Schweizer am zweitmeisten Wasser. Danach folgt das Spülbecken in der Küche. Für das Kleiderwaschen wird zwölf Prozent des Wassers verbraucht. Pro Waschgang sind es je nach Waschmaschinenmodell 30 bis 40 Liter. Knapp dahinter folgt der Wasserhahn im Bad. Der Geschirrspüler nutzt gut 2 Prozent des Wassers. Im Aussenbereich, also für das Giessen des Gartens oder das Autoputzen, werden knapp fünf Prozent des Wassers genutzt.

Die Spartaste brauchen

Obwohl der Aussenverbrauch relativ klein ist, bitten die Gemeinden ihre Bürger meistens, in diesem Bereich sparsam zu sein und etwa aufs Autowaschen verzichten. Auch der SVGW unterstützt diese Massnahmen. Zudem sollte der Garten gezielt bewässert werden, und wenn möglich am Morgen oder am Abend. Dann sollte man die Wasch- und Abwaschmaschinen immer gut füllen. Kurze Duschen sind auch empfehlenswert. Beim WC sollte man, falls möglich, die Spartaste benutzen. Schliesslich sollte auch sichergestellt werden, dass alle Leitungen dicht sind und kein Wasserhahn tropft. Ein tropfender Wasserhahn verbraucht pro Tag nämlich 20 Liter Wasser. Beim Trinken hingegen sollte man sich auf keinen Fall zurückhalten. «Das wäre am falschen Ort gespart», meint SVGW Sprecher Paul Sicher. (otm)

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