Stäfa

Jedem «Frühchen» seinen Tintenfisch

Jedes Jahr kommen in der Schweiz über 6000 Kinder zu früh auf die Welt. Um ihnen die Zeit im Brutkasten zu erleichtern, erhalten sie in vielen Spitälern gehäkelte Tintenfische. Im Stäfner Häkeltreff werden fleissig solche hergestellt.

Die Stäfner Häkelgruppe beliefert rund 15 Spitäler. Das Ziel des Vereins ist es, dass jedes Frühgeborene in der Schweiz einen gehäkelten Tintenfisch erhält.

Die Stäfner Häkelgruppe beliefert rund 15 Spitäler. Das Ziel des Vereins ist es, dass jedes Frühgeborene in der Schweiz einen gehäkelten Tintenfisch erhält. Bild: Michael Trost

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Sie sind bunt und einfach süss, die kleinen Oktopusse mit ihren mehrfarbigen Tentakeln. Einige haben sogar Augen, einen Mund und einen Haarkranz, was sie zu kleinen Persönlichkeiten macht. Dieser Ansicht ist auch Gaby Schibi, die als erste in der Stäfner Häkelgruppe angefangen hat, den Tentakelwesen ein Gesicht aufzusetzen.

Die Coiffeuse und Mutter von vier Kindern hat den Häkeltreff ins Leben gerufen, als sie vom Verein Oktopus für Frühchen Schweiz erfuhr, der wiederum im August 2017 von drei Frauen gegründet wurde. Das Ziel des Vereins ist es, dass jedes Frühgeborene in der Schweiz einen gehäkelten Tintenfisch erhält, welchen es nach seinem Spitalaufenthalt auch mit nach Hause nehmen darf. «Da ich leidenschaftlich gern häkle, war ich von der Idee sofort begeistert», erzählt sie in ihrem Geschäft «Naturell» an der Goethestrasse, wo sich mit ihr acht weitere Frauen an diesem heissen Nachmittag eingefunden haben. Jede hat eine eigene Häkelarbeit in den Händen.

Kontrolliert ins Spital

Mittlerweile gibt es ein Netz von rund 50 Sammelstellen, wo Freiwillige ihre gehäkelten Oktopusse abgeben können. In der Regel sind das Frauen wie Gaby Schibi, die ein eigenes Geschäft haben, das sich als Sammelstelle eignet. Sie wiederum lässt die Häkeltierchen dem Verein Oktopus für Frühchen Schweiz zukommen. Dieser kontrolliert die bei ihm eingegangenen Tintenfische, bevor er sie an die Spitäler weitergibt. Die Garnqualität muss ebenso stimmen wie das Füllmaterial, mit dem das Tintenfischköpfchen gestopft wird. In den Spitälern werden sie bei 60 Grad gewaschen und desinfiziert.

3564 Tintenfische haben die Stäfner bisher gestrickt.

Rund 15 Spitäler, darunter dasjenige im Zollikerberg, werden mittlerweile vom Verein beliefert. Bis heute hat er 3564 Stück abgegeben, wie auf seiner Homepage nachzulesen ist. Jene Exemplare, die zu gross sind, zu lange Tentakel aufweisen oder die Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen, verteilen die Spitäler an grössere Kinder oder sie gelangen zu Demenzpatienten.

Gaby Schibi bietet nebst der Sammelstelle auch den externen Häkeltreff, wie sie ihn nennt, an. «Statt zu Hause allein vor mich hin zu häkeln, habe ich mir gedacht, ich organisiere einen Treff für jene, die das lieber bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde tun möchten.» So können die Häklerinnen bei ihr auch Garn und Stopfmaterial fürs Köpfchen erwerben.

Gehäkelt wird nach einer genauen Anleitung, die auf der Website des Vereins heruntergeladen werden kann. Inzwischen findet das gemeinsame Häkeln einmal im Monat und alternierend in Gabi Spöhels Café Gabi’s Zuckertraum an der Bergstrasse statt. Die Konditorin konnte anfänglich mit Häkeln nichts anfangen. Doch als sie die niedlichen Dinger bei ihrer Namensvetterin erblickte, habe sie es ausprobieren wollen. «Ich häkle sieben Stunden an einem», erzählt sie nicht ohne Stolz.

Idee aus Dänemark

Die ursprüngliche Idee mit den Oktopussen stammt aus Dänemark, wo 2013 eine Mutter ihrem viel zu früh geborenen Baby einen Tintenfisch gehäkelt hat. Dieser ist dem Frühgeborenen in den Brutkasten gelegt worden. Das Tierchen verfehlte seine Wirkung nicht: Das Baby griff nach den wollenen Tentakeln, entspannte sich mehr und mehr und wurde ruhiger. «Der Tentakel ähnelt der Nabelschnur, die dem Baby im Mutterleib so vertraut war», sagt Schibi dazu. Während das Frühchen den Tentakel umklammere, so sei beobachtet worden, würden seine Atmung und der Herzschlag regelmässiger und der Sauerstoffgehalt im Blut steige an. «Zudem zieht das Neugeborene im Brutkasten nicht mehr reflexartig an den verschiedenen Schläuchen und der Magensonde, wenn es den Oktopus hält.»

Oftmals liegen die Kleinen Tage- oder wochenlang in ihrem Brutkasten, sind von Maschinen umgeben und müssen künstlich ernährt werden. Wenn ihnen der schwierige Start ins Leben dank den gehäkelten Oktopussen etwas erleichtert wird, dann freut es die fleissigen Häklerinnen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 14:52 Uhr

Zum Häkeltreff

Kostenloser Häkeltreff bei Kaffee und Kuchen in Stäfa jeweils montags von 14 bis 17 Uhr: Am 10. September bei Gabi’s Zuckertraum, Bergstr. 17; am 22. Oktober im Naturell an der Goethestrasse 3. Weitere Daten: 12. November und 10. Dezember. Offizielle Sammelstelle, Gaby Schibi, Mobile 078 704 52 67.
Sammelstellen in der Region gibt es in Männedorf (Papermint.ch) und in Wädenswil (Familien-Oase und sMartys Kinderparadies).

Mehr Infos: oktopusfuerfruechen.ch (miz)

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