Verkehr

Jede vierte S20 hat mehr als drei Minuten Verspätung

Die S20 ist bei Pendlern bereits einen Monat nach ihrer Einführung beliebt. Die SBB wollen aber noch mehr Bahnreisende zum Umsteigen bewegen.

Die S20 ist nicht immer pünktlich unterwegs. Foto: Sabine Rock

Die S20 ist nicht immer pünktlich unterwegs. Foto: Sabine Rock

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Seit genau einem Monat rollt am rechten Zürichseeufer die S20. Die neue S-Bahn-Linie soll zu Stosszeiten die chronisch überlastete S7 zwischen Stäfa und Zürich-Hardbrücke entlasten.

Die erste Bilanz zeigt: Die S-Bahn ist beliebt, doch bei der Pünktlichkeit hapert es noch. Drei Minuten Toleranz geben sich die SBB in Sachen Pünktlichkeit selbst. Nicht immer konnten die Bundesbahnen dieses Pünktlichkeitsversprechen auf der Linie der S20 halten.

Im Zeitraum zwischen der Einführung der S20 am 11. Juni und dem vergangenen Freitag (5. Juli) war jede vierte S20 mehr als drei Minuten verspätet oder fiel ganz aus. Dies zeigt eine Datenauswertung dieser Zeitung. Als Grundlage dienen die von den Transportunternehmen offiziell gemeldeten Ankunftszeiten auf der Open-Data-Plattform der SBB, gemessen morgens jeweils am Hauptbahnhof Zürich, abends am Endbahnhof Stäfa.

Kein Systemproblem

Eine schwarze Woche erwischten die SBB zwischen dem 24. und dem 28. Juni. Jeden Tag fiel mindestens eine der täglich sieben S20-Verbindungen aus, fünf weitere waren mehr als fünf Minuten verspätet. Allerdings: Die Probleme traten in diesen Tagen nicht nur bei der S20 auf – in diesen Tagen kämpften die SBB schweizweit immer wieder mit Problemen.

SBB-Sprecher Reto Schärli gesteht ein: «Mit einer Leistung wie in der angesprochenen Woche können wir und der Zürcher Verkehrsverbund natürlich nicht zufrieden sein.» Die Ausfälle wegen technischer Störungen an den Fahrzeugen seien jedoch Einzelereignisse (etwa wegen einer Türstörung) und seien nicht auf ein systematisches Problem zurückzuführen, betont Schärli. «Selbstverständlich ist jeder einzelne Ausfall für die betroffenen Reisenden ärgerlich.» Das Bahnunternehmen bedaure die Ausfälle. Schärli verspricht, dass man die S20 weiterhin genau beobachte. Er stellt aber auch klar: «Der Betrieb der neuen S-Bahn verläuft insgesamt stabil.»

Pendler genervt

Zufriedenheit herrscht am rechten Seeufer dennoch nicht bei allen Pendlern. Nicht nur wird die fehlende Klimaanlage in den S20-Zügen an den heissen Tagen bemängelt, sondern auch, dass die S7 seit der Einführung der S20 immer mal wieder verkürzt geführt wird. «Die verkürzte Führung der S7 an einzelnen Tagen hat keinen Zusammenhang mit der Einführung der S20, sondern ist auf die tageweise angespannte Rollmaterialverfügbarkeit zurückzuführen», sagt SBB-Sprecher Schärli. An Tagen mit verkürzten S-Bahn-Kompositionen seien zu viele Züge im Unterhalt, etwa weil Arbeiten mehr Zeit in Anspruch nehmen würden. Auch hier geloben die SBB Besserung.

Positiv bewertet wird die Auslastung der S20. Diese sei für eine neu eingeführte Linie bereits «überdurchschnittlich gut». Allerdings bestehe noch weiteres Verlagerungspotenzial, sagt Schärli und ermuntert die Pendler zum Umsteigen: «Im Moment muss ein Teil der Reisenden in der S7 ab Meilen immer noch stehen, in der S20 hat es noch genügend freie Sitzplätze.»

Erstellt: 08.07.2019, 17:47 Uhr

VZO ziehen positive Bilanz

Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) stellen mit ihren Bussen die Anschlüsse von und auf die S20 sicher. «Das Buskonzept funkioniert wie geplant. Wir sind sehr zufrieden», sagt Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt der VZO. Die Anschlüsse am Morgen an die S20 hätten von den Bussen alle hergestellt werden können. Am Abend können die Busse jedoch nicht alle Verspätungen der S20 abwarten. Je nach Endziel, Takt oder Tageszeit gelten unterschiedliche Wartezeiten. Die Buslinie 951 kann an Wochentagen in Stäfa Richtung Uerikon etwa nur zwei Minuten warten, während bei der Buslinie 955 Richtung Hombrechtikon sechs Minuten Verspätung drinliegen.

Wie die SBB bescheinigen auch die VZO den Verbindungen eine gute Kundennachfrage. Offizielle Zahlen liegen jedoch noch zu wenige vor. Die VZO gehen davon aus, dass die Nachfrage der neuen Verbindungen dann vor allem ab dem Herbst (nach den Sommerferien und mit kälteren Temperaturen und weniger Sonnenschein) nochmals spürbar zunimmt. (ckn)

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