Stäfa

Jazz und Pop – Onkel und Nichte

Er gehört zu den besten Bassisten Europas und sie ist eine der bekanntesten Sängerinnen der Schweiz: Heiri Känzig und Anna Känzig. In Stäfa sind sie erstmals gemeinsam aufgetreten, mit zwei Weltpremieren.

Onkel und Nichte im Duett: Heiri und Anna Känzig verzaubern mit ihrer Musik die Zuhörer.

Onkel und Nichte im Duett: Heiri und Anna Känzig verzaubern mit ihrer Musik die Zuhörer. Bild: Manuela Matt

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«Känzig & Känzig» heisst nicht nur ihr Programm, mit dem sie erstmals am Donnerstag im Kulturkarussell Rössli aufgetreten sind. «Känzig & Känzig» nennen Heiri und Anna Känzig auch ihr neues Duo-Projekt, das sie vor nicht allzu langer Zeit angegangen sind. Dass sie den selben Nachnamen tragen ist kein Zufall.

Der 62-jährige Jazzbassist Heiri ist der Onkel, der 34-jährigen Pop-Songwriterin. Sie, die ihre Gesangsausbildung in der Jazzabteilung der Zürcher Hochschule der Künste absolvierte und noch bevor sie ein eigenes Album präsentieren konnte dank einem Förderpreis 2009 am Jazz Festival in Montreux auftrat. Mittlerweile gibt es drei Alben von ihr, ihr viertes Album erscheint im Frühling. Anna Känzig ist in Meilen aufgewachsen, wo der Onkel, der in New York zur Welt kam und seine Karriere im Ausland startete, nun seit bald 30 Jahren seinen Wohnsitz hat.

«Wär das öppis?»

Jetzt steht der Bassist zusammen mit seinen Musikerkollegen Jean-Paul Brodbeck am Flügel und Elmar Frey am Schlagzeug auf der Bühne. Bevor Anna Känzig zu ihnen ins Rampenlicht tritt, erklärt der Onkel am Mikrophon, wie es zu diesem Projekt kam. Vor einem dreiviertel Jahr, als er seinen Auftritt im Rössli mit weiteren drei Bassisten hatte, habe das Kulturkarussell-Team ihn gefragt: «Wär das öppis?» Nämlich im Duo mal etwas mit Anna Känzig zu machen. «Ja, das isch öppis gsi», versichert er dem Publikum lachend. Jazz und Pop, das klappe richtig gut.

Bevor es aber losgeht, warnt die Sängerin das Publikum vor dem ersten Song, den sie als Weltpremiere ankündigt, der aber erst am Vortag so richtig eingeübt worden sei. Sie hat den Text geliefert und er die Musik. Jazzige Elemente vermischen sich mit popigen Passagen und münden in einen mitreissenden Rhythmus, den Anna Känzig mit «We were free, we were young» singend ausfüllt. Ihre ausdrucksstarke und glockenreine Stimme schwebt über den Musikern und vereint sich mit dem Beat, wird mitunter selber zum Instrument, wenn die Sängerin sie ohne Text einsetzt.

Es komme ihr gelegen, meint Anna Känzig nach dem Applaus mit einem spitzbübischen Blick zum Bassisten hinter ihr, dass Heiri, wie sie den Onkel nennt, eine versteckte Popseele habe: «Wir entdecken Gemeinsamkeiten.» Und er wird später über sie sagen: «Ich kriege Hühnerhaut, wenn ich Anna singen höre.»

Video: Anna Känzig - Stimmgewaltige Zürcherin

Profimusiker am Werk

Das Lied «Heavy Heart» wird ebenfalls als Weltpremiere präsentiert. Und weil auch dieser Song erst am Vortag erstmals geprobt wurde, müssten sie noch das Tempo bestimmen, meint Heiri Känzig fast entschuldigend und gibt mit den Fingern schnalzend den Takt vor. Doch auch das klappt, denn hier sind Profimusiker am Werk: Der klassisch ausgebildete Jean-Paul Brodbeck ist ein hervorragender Pianist, der auch in den Soli glänzt. Und Elmar Frey hat das unfehlbare Gespür für die Rhythmik. Ganz zu schweigen von Heiri Känzig, der sowohl im Jazz als auch in der Improvisation und der Weltmusik zu Hause ist. Seine stupende Fingerfertigkeit holt eine derartige Vielfalt von Tonalitäten aus den Saiten heraus, dass er eigentlich kein anderes Instrument an seiner Seite bräuchte. Allen ist eine umwerfende Spielfreude gemeint, das wiederspiegelt sich auch in ihren Gesichtern. Am stärksten aber ist es bei Heiri Känzig zu spüren, der mit jedem Song mehr aufblüht.

Für Anna Känzig sei es eine Freude, «mit diesen Jungs zu spielen». Das sei, wie sich ins bequemste Bett der Welt fallen zu lassen, erzählt sie. Im Duo «Do it easy but the hard way» mit ihrem Onkel verschmilzt ihre prägnante Stimme mit der Musik, vor allem dann, wenn sie den temporeichen Dialog ohne Text zu Ende führt. Scheinbar mühelos trifft sie hohe wie tiefe Töne, lässt die Stimme richtiggehend fliessen. Den Gesang unterbricht sie immer wieder, um den Musikern die Aufmerksamkeit zu überlassen, die ihre Virtuosität verdient. Ihr melodiöses Solo als Trio mit dem wohlklingenden Titel «Niskayuna» ist denn auch schlicht wunderschön.

Erstellt: 25.01.2019, 15:42 Uhr

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