Oetwil

Japanische Gartenbaukunst schützt vor Hochwasser

Auf dem Areal der Clienia Schlössli ist ein neuer Hochwasserkorridor entstanden. Das Trockenbachbett soll die Gebäude vor Überschwemmungen schützen.

Der neue Bachlauf oberhalb der Oetwiler Klinik Schlössli soll das Klinikgelände vor Überschwemmungen schützen.

Der neue Bachlauf oberhalb der Oetwiler Klinik Schlössli soll das Klinikgelände vor Überschwemmungen schützen. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwischen Findlingen und Grashügeln schlängelt sich seit kurzem ein rund 40 Meter langes Bachbett entlang des Gottlieb-Hinderer-Wegs in Oetwil. Einige Abschnitte der Bachsohle sind mit Flusssteinen ausgelegt, entlang des Bachlaufs spriesst Grün. Alles wirkt so, als ob sich jeden Moment sprudelndes Wasser durch die Röhre ins Bachbett ergiessen würde.

Doch das wird – wenn alles gut läuft – selten passieren. «Es handelt sich hier um einen Trockenbachlauf zum Schutz vor Hochwasser», erklärt Melchior Lingg, Geschäftsleiter der Hinderer Liegenschaften AG, zu welcher die Klinik Schlössli gehört. Auf deren Areal liegt der neu gestaltete Hochwasserkorridor. Was die Röhre des Dorfbachs, der unmittelbar daneben verläuft, nicht aufzunehmen vermag, fliesst künftig in das neue Trockenbachbett.

Keller unter Wasser

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben sei man zum Hochwasserschutz verpflichtet, sagt Melchior Lingg. Die Klinik liegt teils im gelben und teils im blauen Hochwasser-Gefährdungsbereich. Das bedeutet, dass statistisch gesehen alle 100 beziehungsweise 300 Jahre mit Hochwasser zu rechnen ist. Aufgrund dieser Zahlen könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es bereits in den nächsten Jahren zu einem solchen Ereignis kommt, heisst es bei der Baudirektion des Kantons Zürich. Laut Augenzeugen trat der Dorfbach, der entlang der Klinik Schlössli verläuft, letztmals in den 60-Jahren über die Ufer. «Damals standen einige Kellerräume knöcheltief unter Wasser», erzählt Lingg. Mit dem Hochwasserkorridor soll ein derartiges Szenario verhindert werden.

Dass der Bachlauf nicht als Wasser führender Bach konzipiert wurde, hat laut dem Geschäftsleiter der Hinderer Liegenschaften praktische Gründe. So hätte die Bachsohle in einer Tiefe von sechs Metern angelegt werden müssen, damit das Wasser natürlich hindurch fliessen könnte. «Das hätte aufwendige Massnahmen wie etwa Absturzsicherungen nach sich gezogen.»

Prinzip des «Sakuteiki»

Das Anlegen des Hochwasserkorridors erfolgte nach den Prinzipien des «Sakuteiki». Das japanische Handbuch zur Gartengestaltung basiert auf Schriftrollen aus dem 11. Jahrhundert. Darin ist unter anderem festgehalten, wie Steine in Bezug auf das Gebäude oder zueinander stehen sollen oder in welcher Himmelsrichtung ein Bach durch den Garten fliessen soll.

«Wir wollten die Steine und Findlinge schön platzieren», begründet Melchior Lingg den Beizug des japanischen Gartenbauprinzips. Die Gartengestaltung sollte im Übrigen möglichst naturnah erfolgen. Deshalb säten die Gärtner Samen für eine Blumenwiese statt für einen grünen Rasen. Im Spätherbst pflanzen sie einheimische Bäume wie Feldahorn, Schwarzerle oder Waldföhre, im Frühling folgt die Pflanzung von Wildstauden. «So entsteht mehr Raum für verschiedenste Lebewesen», erklärt Melchior Lingg. Bereits hätten Singvögel in einer kleinen Pfütze auf einem der gesetzten Findlinge gebadet.

Erstellt: 22.10.2018, 15:58 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben