Stäfa/Rapperswil

Internationales Segelsetzen auf dem Zürichsee

Ab Donnerstag findet die Schweizer Segel-Meisterschaft der Lacustre-Klasse statt. Dies bedeutet auch viel Aufwand für Organisatoren und Teilnehmer vor und nach der der Regatta, wie ein Augenschein vor Ort bestätigt.

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Um zehn Uhr vormittags steht Jürg Bolliger vom Yacht Club Rapperswil im kleinen Hafen neben dem Strandbad Lattenberg. Inzwischen wartet er schon seit über zwei Stunden auf Segelboote, die auf der Strasse von anderen Seen hergefahren werden.

Schon am darauffolgenden Tag werden diese an der Schweizer Meisterschaft der Lacustre-Klasse 2019 teilzunehmen, die vor Rapperswil stattfindet. «So genau weiss man nie, wann sie kommen. Bis jetzt war heute noch nichts los», sagt Bolliger gleichmütig. Kurz vor halb elf ist es dann aber so weit. Ein Geländewagen mit einem weissen Lacustre auf dem Anhänger fährt vor und sofort bricht etwas Hektik im kleinen Hafen aus. Denn schon bald ist die Ankunft weiterer Boote angekündigt.

Boote vom Bodensee

Das Einwassern eines Schiffes dauere nicht immer gleich lang, sagt Bolliger. Oft reiche eine halbe Stunde, manchmal dauere es aber auch über eine Stunde. «Kommt ganz darauf an, wie gut die Crew ihr Schiff dafür vorbereitet hat». Als besonders knifflig stellt sich das sogenannte Aufmasten heraus. Während es für Bolliger ein leichtes war, das Segelboot mit dem elektrischen Kranen vom Anhänger ins Wasser zu setzten, braucht die Crew vom Zugersee eine Weile, um den zuvor für den Transport abmontierten Masten wieder aufzustellen. Gleich mehrere Männer müssen dafür das Schiff im Wasser mit Seilen, auf Seglerdeutsch Schoten genannt, fixieren, damit dieses ruhig genug darin zu liegen kommt.

Die meisten auswärtigen Boote kommen vom Bodensee. Darunter ist eines vom Schüler-Segel-Club Konstanz, welches in diesem Moment auf seinem Anhänger im Hafen ankommt. Die drei jungen Männer aus Konstanz erklären, dass es sich bei der anstehenden Schweizermeisterschaft um eine sogenannte internationale Meisterschaft handle, an der sich regelmässig Gäste aus dem deutschen Bodenseeraum beteiligen würden. Auch Lacustre-Segelboote aus Österreich und vom Genfersee werden für die anstehende Regatta erwartet. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommen von den Segelclubs um den Zürichsee.

Langlebiger Schiffstyp

Inzwischen werden die Lacustre-Segelschiffe, obwohl am Zürichsee recht beliebt, in der Region nicht mehr gebaut. Erfunden wurde der strikt normierte Schiffstyp vor genau 80 Jahren am Genfersee, wo er vereinzelt auch heute noch gefertigt wird. Ansonsten gebe es vor allem am Bodensee und im nahen Ausland noch Werften, die Lacustre bauen, sagt Bolliger. Der Schiffstyp scheint ziemlich langlebig zu sein. Denn eines der am Wochenende startenden Boote vom Genfersee sei das achtälteste je gebaute Exemplar, wie Bolliger anmerkt.

Für die Tage auf dem Zürichsee verbringen die auswärtigen Boote die Nächte im Hafen Rapperswil, bis sie am Montag ausgewassert werden. Auch Bolliger wird dann wieder auf seinem Posten sein und den Meisterschafts-Gästen dabei helfen. «Das Auswassern dauert immer weniger lang als das Einwassern, weil die Leute dannrasch nach Hause wollen», meint er leicht amüsiert. Am Wochenende wird er selber an der Meisterschaft mitsegeln.

Die Boot-Crews müssen für Schweizermeisterschaften zwingend aus drei Personen bestehen, wie Martin Caspar, Präsident des Yacht Club Rapperswil, auf Anfrage bestätigt. Bei sehr wenig Wind wäre es durchaus vorteilhaft, wegen der Gewichtsreduktion nur mit zwei Personen an Bord zu segeln. Und wie es damit am anstehenden Meisterschafts-Wochenende aussehen wird, könne niemand so genau vorhersagen. Caspar zeigt sich aber zuversichtlich und freut sich: «Es werden ganze 40 Segelboote starten. Das ist einfach toll».

Die Wettfahrten der Schweizer Meisterschaft finden ab Donnerstag, 14 Uhr, bis Sonntag, 15.30 Uhr in Rapperswil statt. Weitere Infos: www.ycr.ch

Erstellt: 05.06.2019, 18:25 Uhr

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