Wirtschaft

Industrie am See wächst dank digitalem Umbau

Unternehmen am Zürichsee starten schwungvoll ins neue Jahr. Die Stimmungslage ist mehrheitlich von Optimismus geprägt. Folgt nun ein Personalausbau?

Um der steigenden Nachfrage nach Blévita-Biskuits gerecht zu werden, hat Midor in Meilen in eine neue Produktionsanlage investiert.

Um der steigenden Nachfrage nach Blévita-Biskuits gerecht zu werden, hat Midor in Meilen in eine neue Produktionsanlage investiert. Bild: Manuela Matt

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Verhaltene Zuversicht: So lautet der Tenor zum Jahresbeginn bei der regionalen Industrie. An den meisten Orten laufen die Anlagen auf Hochtouren. Allerdings trüben globale Unsicherheiten, wie der drohende Handelskrieg zwischen USA und China oder ein Scheitern beim Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU, die Aufbruchstimmung. Ein Stellenabbau wird aber nur bei einem der von dieser Zeitung befragten Betriebe ins Auge gefasst. Überall wird investiert - in den lokalen Industriestandort.

Neue Produktionsanlagen

Beim Glacé- und Backwarenhersteller Midor in Meilen stehen die Zeichen auf Expansion. Die Migros-Tochter setzt für 2019 auf ein erneutes Wachstum der Geschäftsaktivitäten und will dieses Jahr zahlreiche neue Produkte lancieren. Fünf bis zehn neue Stellen sind eingeplant, alle in Meilen, zusätzlich zu den 600 Beschäftigten. Nach Angaben von Unternehmensleiter Peter Brändle investiert seine Firma jährlich mehrere Millionen Franken ins Geschäft, «auch wenn wir vorsichtig sind, wenn es um Kostenaufbau geht, und stetig daran sind, zu optimieren». Doch dieses Jahr erfordern weitere Produktionsanlagen, darunter der neue Ofen für Blévita-Produkte, zusätzliches Personal. Zudem plant Midor für 2019 und 2020 grössere Projekte, unter anderem im Bereich der Informationstechnik (IT), die Zusatzkräfte erfordern.

«Wir sind auf einen möglichst hindernisfreien Zugang zu den Auslandsmärkten angewiesen.»Peter Brändle, Midor-Unternehmensleiter

Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2018, das im Glacé-Geschäft einen neuen Rekord brachte, geht Midor nach Angaben von Brändle auch 2019 mit Zuversicht an, «trotz makroökonomischen und politischen Herausforderungen, auch im Detailhandel mit all seinen Regulierungen». Hauptabsatzmarkt für Midor bleibt die Schweiz. Deshalb hofft er auf eine «starke Konsumstimmung». Als Unternehmen, dem der Schutz der Swissness am Herzen liege, sei Midor auf gleichlange Spiesse mit der zunehmend europäischen Konkurrenz angewiesen: «Das heisst für uns vor allem hochqualitative Rohmaterialien zu Marktpreisen, aber auch ein möglichst hindernisfreier Zugang zu den Auslandsmärkten», sagt Brändle

Talsohle durchschritten

Die Weidplas GmbH ist als exportlastiger Zulieferbetrieb für die grossen Automobilhersteller ein stark konjunkturabhängiges Unternehmen. Die Tochterfirma der US-Industriegruppe Techniplas, die rund 40 ihrer insgesamt 1000 Mitarbeitenden in der Zentrale in Küsnacht beschäftigt, hat in den letzten Jahren schwierige Zeiten durchlebt. Das Unternehmen plant derzeit aber «keinen grösseren Stellenabbau», wie CEO Manfred Kwade sagt. Genaue Zahlen sind nicht erhältlich. Umgekehrt sind im laufenden Jahr «nach jetziger Kenntnislage auch keine Personaleinstellungen im grossen Stil» geplant.

Weltweit verfügt Weidplas über fünf Produktionsstandorte, darunter in Rüti im Zürcher Oberland als einzigem in der Schweiz. Die erforderlichen Anpassungen seien weitestgehend in den zurückliegenden Monaten durchgeführt worden: «Allerdings müssen wir unsere Kostenstruktur ständig optimieren und die Effizienz zur weiteren Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit verbessern». Wichtig zu wissen ist für Kwade, «dass wir nach langen, schwierigen Jahren an diesem Standort wieder profitabel sind».

«Wir planen derzeit keinen grösseren Stellenabbau.»Manfred Kwade, CEO Weidplas GmbH

Beim aufstrebenden Start-up Starmind in Küsnacht - in unmittelbarer Nähe zu Weidplas - zeigt die Wachstumskurve steil nach oben. Die Spezialisten für Künstliche Intelligenz wollen ihren Personalbestand, nach einer Verdoppelung im vergangenen Jahr, weiter signifikant erhöhen. Heute arbeiten von den 80 Mitarbeitenden rund 50 am Zürichsee. Als wichtigste Wachstumstreiber bezeichnet Finanzchefin Fabienne Doerig den Aufbau des Geschäfts im In- und Ausland, vor allem in Deutschland und den USA. Zu diesem Zweck will Starmind vor allem sein Technologieteam am See erweitern. Allerdings evaluiert das Unternehmen derzeit einen Wegzug aus Küsnacht. Grund dafür ist laut Doerig die Distanz zu Zürich für das junge Team und den fehlenden Austausch mit anderen Technologieunternehmen. Bei der Rekrutierung von geeigneten Fachkräften spiele der Standort eine wichtige Rolle, sagt Doerig. Es brauche aber eine Verbesserung der Anstellungsbedingungen für Ausländer. Die Erlangung der nötigen Bewilligungen dauere oft sehr lange, was schnelles Wachstum bremse.

Kern & Sammet beschäftigt am Firmensitz in Wädenswil rund 120 Mitarbeitende. Für das laufende Jahr rechnet Geschäftsführer Jörg Rickli mit einem Status quo beim Personalbestand. Die Marktsituation ist für den Anbieter von tiefgekühlten Backwaren und Konditoreiprodukten anspruchsvoll, «bietet aber interessante Chancen». Einer Umsatzerhöhung mit höherem Personalbedarf stehe zunehmend eine Rationalisierung in der Produktion mit geringerem Personalbedarf gegenüber. Rickli bezeichnet die weiteren Perspektiven für sein Unternehmen am jetzigen Standort als positiv: «Wir sind in Wädenswil etabliert». Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sei gut.

Gute Verbindungen

Der italienische Versicherungskonzern Generali konzentriert unter dem Dach der Generali (Schweiz) Holding AG eine Viezahl der zentralen Aktivitäten aller Gesellschaften von Generali Schweiz in Adliswil und Nyon VD. In Adliswil wurden in den letzten beiden Jahren 100 neue Jobs aufgebaut, unter anderem für eine eigene Innovationsgarage mit externen Start-ups aus dem Fintech-Bereich. Nun geht Generali davon aus, «dass wir nach dem Aufbau stabil bleiben werden», wie Mediensprecherin Susanne Zwiker sagt.

Generell ist man beim Versicherer davon überzeugt, dass die digitale Transformation neue Tätigkeitsfelder generiert. Adliswil mit seinen 900 Beschäftigten bezeichnet Zwiker «als sehr guten Standort für Generali, mit ausgezeichnetem Anschluss an den öffentlichen Verkehr und unmittelbarer Nähe zur Stadt Zürich». Durch die Lage im Grünen könne den Mitarbeitenden eine wunderbare Umgebung angeboten werden, welche häufig zu sportlichen Aktivitäten über Mittag oder einem gemütlichen Spaziergang genutzt würden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.01.2019, 12:53 Uhr

Nachgefragt

«Wir können und wollen keinen eigenen Webshop anbieten»

Das Wachstum von Midor wird in den nächsten zwei Jahren von grösseren Projekten im Bereich IT bestimmt: Ist die Informatik für Ihr Unternehmen zum Wachstumstreiber geworden?
Peter Brändle:Die IT ist für die Midor schon heute sehr wichtig und wird sicher noch wichtiger. Allerdings nicht per se als Wachstumstreiber, sondern mehr als Ermöglicher. Die zunehmende Digitalisierung unserer Abläufe und Prozesse ermöglicht es uns, die Komplexität im Zusammenhang mit unserem Angebot zu meistern. Allerdings ergeben sich daraus auch wirkliche Wachstumschancen, wie unser Pilotprojekt «intelligente Glacetruhe», die, mit Sensoren vollgespickt, dem Restaurateur hilft, die richtigen Entscheide zu treffen und immer die richtigen Glaces vorrätig zu haben.

Wie einfach ist es für Midor, dafür die geeigneten Fachleute zu finden?

Grundsätzlich sind gute IT-Spezialisten schwierig zu finden. Wir haben aber das Glück, auch mit unseren Schwesterbetrieben aus der Migros-Industrie zusammenspannen zu können. So können wir uns die Experten teilen. Wichtig ist, zu sehen, dass es sich je länger, je weniger um klassische IT-Nerds handelt. Jeder Mitarbeitende muss heute ein grosses Mass an IT-Kenntnissen aufweisen, sei es die Anlagenführerin zum Steuern der hochkomplexen Anlagelinien oder der Marketingexperte zum Analysieren der Riesenmengen an Daten.

Betrachten Sie die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft für Ihr Unternehmen als Gefahr oder als Chance?

Jede Entwicklung hat ihre guten und schlechten Seiten, das hängt davon ab, wie und wer sie anwendet. Auch bei der Digitalisierung gibt es beide Seiten. Wir sehen die Digitalisierung vor allem als Chance, unsere Prozesse auf noch höhere Qualität und Effizienz zu trimmen. Wir haben aber auch das Glück, dass unser Hauptprodukt, das Guetsli, wahrscheinlich noch sehr lange physisch genossen wird, da müssen andere Industrien mehr befürchten.

Hat Ihr Unternehmen den Online-Verkaufskanal aber nicht verschlafen: Im Ausland spielt dieses Geschäft gerade auch im Detailhandel eine viel wichtigere Rolle?

Nein, wir sind sogar sehr gut präsent. Da wir aber hauptsächlich im Eigenmarkenbereich tätig sind, können und wollen wir keinen eigenen Webshop anbieten. Generell ist und wird sich der grösste Anteil weiterhin im physischen Laden abspielen. Lebensmittel sind auch in Europa je nach Schätzungen und Land 2 bis 5 Prozent online, vielleicht geht das mal auf 10 oder 20 Prozent hoch. Unsere Guetsli sind ja doch eher ein Impulskauf, und man lässt sich inspirieren am Regal und will sich das Produkt genau anschauen.

Peter Brändle, Midor-Unternehmensleiter

Schweizer Wirtschaft in voller Fahrt

Aus der Schweizer Wirtschaft kommen bezüglich Arbeitsplatzentwicklung vorwiegend positive Signale. Gemäss neuester Umfrage der SonntagsZeitung planen 43 von 104 befragten grossen Arbeitgebern in der Schweiz für das laufende Jahr einen Stellenaufbau. Nur bei fünf Unternehmen droht ein Abbau. Und laut der jüngsten Erhebung der UBS sind Schweizer Unternehmen optimistisch in Bezug auf den Geschäftsgang im neuen Jahr. Eine Mehrheit plant, ihre Investitionen auszuweiten und die Belegschaft aufzustocken. Ein erfreulich positives Bild zeigt auch das Credit Suisse Exportbarometer. Zwar sind im vierten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorquartal die Werte erneut gefallen, sie verbleiben aber weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle. Für 2019 rechnet die Credit Suisse mit einer Normalisierung im positiven Sinne.

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