Meilen

In der Kantorei bleiben viele Fragen offen

Die reformierte Kirchenpflege Meilen hat die Gemeinde über die Kündigung der Kantorin informiert. Die Musikerin stellt die Ereignisse allerdings anders dar.

In der reformierten Kirche Meilen hängt derzeit der Haussegen schief.

In der reformierten Kirche Meilen hängt derzeit der Haussegen schief. Bild: Archiv André Springer

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Es ist bisher nicht gerade ein lichtvoller Advent für die reformierte Kirchenpflege Meilen. Ihr Antrag, ein Grundstück im Baurecht an einen Investor ab-zugeben, stiess an der Kirchgemeindeversammlung auf Skepsis. Der Entscheid darüber ist vertagt; die Urnenabstimmung findet voraussichtlich am 21. Mai statt.Vor allem aber steht die Behörde in der Kritik wegen der Affäre um die langjährige Kantorin Aurelia Weinmann-Pollak. Die Dirigentin der Kirchenchöre erhielt Anfang Oktober die Kündigung. Viele Gemeinde- und Kantorei-Mitglieder sind darüber entrüstet. Zwei Leserbriefschreiber warfen der Behörde kürzlich in der ZSZ Arroganz und Intransparenz vor. Über die Forderung der Sänger, Weinmann als Kantorin zu behalten, habe sich diese «einfach hinweggesetzt».

Widersprüchliche Aussagen

Das bewog Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach am Sonntag zu einer Stellungnahme. Die Behörde verwahre sich gegen die Behauptung des Leserbriefs, sagte er. Bisher hatte sich die Kirchenpflege zum Personalkonflikt kaum geäussert – mit Verweis auf ihre Schweigepflicht.

Schwarzenbach legte dar, dass die Kirchenpflege der Kantorin im Rahmen eines Vermittlungsverfahrens einen Vorschlag unterbreitet hatte, mit dem sie in Meilen hätte angestellt bleiben können. Ebenso sei ein Vorschlag der Kantorei vorgelegen. «Beide hätten es der Kantorin ermöglicht, alle drei Chöre weiter zu leiten», sagte Schwarzenbach. Die Kantorin habe aber Ende August beide Vermittlungsvorschläge abgelehnt. So stehe es im Abschlussbericht der Bezirkskirchenpflege, die das Verfahren leitete. Daraufhin habe die Kirchenpflege Meilen die Kündigung per 31. Januar 2017 ausgesprochen.

Was Schwarzenbach am Sonntag nicht sagte: Die beiden Vorschläge für eine weitere Anstellung Weinmanns ins Meilen unterschieden sich inhaltlich stark. So stark, dass die Musikerin selber gegenüber der ZSZ sagt: «Der Kantorei-Vorschlag war super, jener der Kirchenpflege für mich aber inakzeptabel.» Er enthielt eine Befristung, und Weinmann hätte als Chorleiterin auf den Kantorentitel verzichten müssen. Das Angebot der Kantorei hingegen will Weinmann nie abgelehnt haben.

Diese Sichtweise unterstützt Peter Relly, Präsident des Motettenchors, einem der drei Chöre der Kantorei Meilen. Demnach hätte Weinmann neu von der Kantorei, die als Verein organisiert ist, angestellt werden sollen. Diese Lösung sei aber bei der Kirchenpflege nicht auf Anklang gestossen, sagt Relly. «Faktisch ist dann nur noch ein Vorschlag auf dem Tisch gelegen, nämlich jener der Kirchenpflege.»

Anfrage kam zu spät

Damit konfrontiert, verweist Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach wiederum auf den Abschlussbericht des Vermittlers. Dieser belege, dass in der abschliessenden Sitzung des Verfahrens von Mitte Juli beide Lösungsansätze gleichberechtigt präsentiert worden seien. Mit dessen weiteren Gang habe er nichts mehr zu tun gehabt, sagt Schwarzenbach.

Bezirkskirchenpfleger Martin Gabathuler, der das Vermittlungsverfahren leitete, sagt auf Anfrage der ZSZ: «Die Information von Ruedi Schwarzenbach vom Sonntag ist korrekt.» Zu allen übrigen Punkten dürfe er wegen der Schweigepflicht keine Auskunft geben. Zustande gekommen war die Vermittlung auf Bitte der Kantorei, nachdem die Fronten sich im Frühling verhärtet hatten.

Aurelia Weinmann war nach eigenen Angaben «absolut überrascht» von der Information der Kirchenpflege am Sonntag. Ihrer Anwältin habe man letzte Woche mitgeteilt, dass nichts dergleichen vorgesehen sei. «Wenn wir gewusst hätten, dass eine Information kommt, wären wir selbstverständlich an die Versammlung gegangen.» Fragen aus der Gemeinde wurden dort übrigens nicht beantwortet – mit Verweis auf gesetzliche Weisungen.

Unbeantwortet blieb auch eine schriftliche Anfrage, die ein Gemeindemitglied vor der Versammlung eingereicht hatte. Darin wurde nach den Kosten gefragt, die der Kirche durch das Kündigungsverfahren entstehen. Die Anfrage war aber einen Tag nach der gesetzlichen Frist bei der Kirchenpflege eingegangen.

Erstellt: 07.12.2016, 18:31 Uhr

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