Bevölkerung

In den Seegemeinden steigt der Ausländer-Anteil stark an

In der Region Zürichsee ist im letzten Jahrzehnt der Anteil an Ausländern stark gestiegen - allerdings mit grossen Unterschieden zwischen den Gemeinden und den Seeufern.

Die Nähe zur Stadt und tiefe Steuern in der Region ziehen die Ausländer an.

Die Nähe zur Stadt und tiefe Steuern in der Region ziehen die Ausländer an. Bild: Symbolbild/Keystone

Viel Englisch in der S-Bahn, Hochdeutsch am Arbeitsplatz, südländische Sprachen auf der Strasse: Der Eindruck täuscht nicht, es leben viele Ausländer in der Region Zürichsee. In Adliswil besitzt mehr als jeder Dritte Einwohner einen ausländischen Pass. Vor zehn Jahren war es erst jeder Vierte. Damit hat Adliswil die bisherige Nummer eins, Horgen, am linken Zürichseeufer überholt. Den grössten Zuwachs zwischen 2007 und 2017 verzeichnet aber Rüschlikon.

Nirgendwo sonst erhöhte sich der Ausländeranteil um 10,5 Prozentpunkte. Am nächsten kam dieser Steigerung Kilchberg, wo nun ebenfalls über 30 Prozent Ausländer leben. Mit solchen Zahlen kann der Bezirk Meilen nicht mithalten. Hier hält Oetwil mit 28,7 Prozent weiterhin die Spitze. Allerdings erhöhte sich in dieser Gemeinde der Ausländeranteil in den letzten zehn Jahren nur noch um 3,6 Prozentpunkte. Deshalb rückt Küsnacht mit einer Steigerung um 7,2 Prozentpunkte und einem nunmehrigen Ausländeranteil von 26,2 Prozent näher.

Neubauten ziehen Expats an

Patrice Robert, Mediensprecher des Migrationsamts des Kantons Zürich zählt Kriterien auf, die für eine Zuwanderung von Ausländern eine Rolle spielen. «Steuerbelastung, Wohnsituation, günstiger Wohnraum, Arbeitgeber, Kinderkrippenplätze.» Die unterschiedlichen Zuwachsraten in den letzten zehn Jahren könnten seiner Meinung nach von grösseren Überbauungen mit vielen Wohnungen abhängen. «Neuwohnungen ziehen Expats an», sagt Robert. Generell schätzten die Ausländer die hohe Lebensqualität, die politische Stabilität und Neutralität, die ausgezeichnete Gesundheitsversorgung und das Lohnniveau in der Schweiz. Das spreche besonders Expats aus Indien, den USA und Russland an.

Besser verdienende Ausländer wählen laut Auskunft des Migrationsamts ihren Wohnort auch wegen des Bildungsangebots, Schulsystems, Freizeitangebots aus Kunst, Kultur, Sport und Naherholung. Für unterdurchschnittlich Verdienende zählt vor allem der billige Wohnraum.

Zwei tanzen aus der Reihe

Auffallend ist, dass die Ausländerrate steigt, je näher die Gemeinden zur Stadt Zürich liegen. Im Bezirk Horgen haben sieben Gemeinden einen Anteil von über 20 Prozent, die alle in der unteren Hälfte des Zürichseebeckens liegen. Im Bezirk Meilen sieht es praktisch gleich aus.

Nur Oetwil fällt aus der Reihe. Es hat den höchsten Ausländeranteil, obwohl es — gemessen an der Fahrzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln —­ am zweitweisten von der Stadt entfernt ist. Auch der Steuerfuss ist ein Gradmesser. Am linken Ufer liegen die fünf Gemeinden mit Steueransätzen unter 90 Prozent aufgefädelt ab Stadtgrenze bis Horgen und haben mit Ausnahme von Oberrieden alle einen Ausländeranteil, der viel höher ist als im Durchschnitt des Bezirks. Am rechten Ufer leben in den sechs steuergünstigsten (und stadtnahen) Gemeinden ausser Herrliberg ebenfalls mehr Ausländer als im Bezirksmittel.

Oetwil legt kaum noch zu

Somit gibt es beim Zusammenhang von Ausländeranteil mit der Stadtdistanz und dem Steuerfuss nur eine Ausnahme in der Region: Oetwil. Es ist weder steuergünstig noch nahe Zürich. Daniel Sommerhalder, Leiter Finanzen der Gemeinde führt historische Gründe auf. Oetwil habe bereits seit langem einen relativ hohen Ausländeranteil. «Dies ist sicherlich auf den günstigen Mietwohnraum zurückzuführen», sagt Sommerhalder. Auch die gute Verkehrslage mit der Forchautostrasse habe dazu beigetragen.

Tatsächlich hatte Oetwil schon vor 30 Jahren eine Ausländerquote von 21,7 Prozent. Damals war das Storchendorf die ausländerfreundlichste Gemeinde rund um den Zürichsee. 1987 betrug die Rate in Adliswil noch 16,7 Porzent — weniger als die Hälfte von heute. Auch in Küsnacht hat sie sich in den drei Jahrzehnten verdoppelt, in Rüschlikon sogar verdreifacht. In Oetwil nahm die Quote seither nur um den Faktor 0,3 zu. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 16:21 Uhr

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