Stäfa

Im Mikrokosmos des Multiflötisten

Als Programmleiter der Lesegesellschaft Stäfa prägt Matthias Ziegler deren Theater- und Konzertsaison. Am Freitag steht der experimentierfreudige Musiker mit vier Flöten selbst auf der Bühne.

Er stattet seine Flöten mit Mikrofonen aus: Musiker und Programmleiter Matthias Ziegler tritt am Freitag selbst für die Lesegesellschaft in Stäfa auf.

Er stattet seine Flöten mit Mikrofonen aus: Musiker und Programmleiter Matthias Ziegler tritt am Freitag selbst für die Lesegesellschaft in Stäfa auf. Bild: pd

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Er gilt als einer der vielseitigsten und innovativsten Flötisten seiner Generation: Der 64-jährige Matthias Ziegler hat schon vor 30 Jahren damit angefangen, seine Kontrabassquerflöte weiter zu entwickeln, indem er sie im Innern mit Mikrofonen ausstattet. Sie überragt ihn um eine ganze Kopflänge. Wegen ihres knapp sechs Kilogramm zählenden Gewichts muss der Stäfner Musiker sie auf dem Boden aufstützen.

Legendär ist auch die kleinere Bassquerflöte, die er ihrer Form wegen liebevoll «Hoover» nennt. Auch diese hat er mit elektronischen Hilfsmitteln so ausgestattet, dass er darauf ungeahnte Klangeffekte hervorzubringen vermag.

Matthias Ziegler, der in Erlenbach aufgewachsen und nun seit 22 Jahren in Stäfa zuhause ist, steht in seinem Musikzimmer und demonstriert, wie sich diese Klänge anhören. Schon das blosse Klopfen auf die Klappen erzeugt perkussive Töne. Bläst er hingegen mit einem winzigen Abstand ins Mundloch, meint man, den Wind pfeifen zu hören. Dabei nimmt er einzelne Passage auf.

Ein kurzer Klapf auf eine Fusstaste genügt, diese spielt dann ab, während er selber neue Töne bildet: Es ist, wie wenn ein ganzen Orchester vor einem stünde. «Der Effekt der Mikrofone im Rohr lässt sich am ehesten mit einem Vergrösserungsglas vergleichen», erklärt der Multiflötist das Resultat, da die sonst sanften Töne eine weitere Intensität erreichen. Seine Flöten würden ihm einen ganzen Mikrokosmos zur Verfügung stellen, was ihn zu immer neueren Experimenten verleitet.

Auftragswerk für vier Flöten

Dann bläst er die ersten Takte aus dem Stück «Nola», das ihm der 1962 in Tadschikistan geborene Benjamin Yusupov eigens für seine Flöten geschrieben hat. Der Stäfner hat den heute in Israel lebenden Komponisten vor 25 Jahren an einem Festival gehört und war von dessen Musik derart fasziniert, dass er ihn bat: «Du musst mir unbedingt etwas für meine Flöten schreiben.» Was dieser dann anlässlich eines Besuches beim Flötist umsetzte.

Neben der Kontrabass- und Bassquerflöte setzt Ziegler sowohl eine normale als auch die Membranflöte ein. Die Komposition, die Rhythmen aus der Volksmusik von Tadschikistan nachempfindet, und für die Ziegler auch mal in seine Flöten singt, sieht auch ein Streichorchester vor. Dazu hat der Flötist, der seit zwei Jahren als Programmleiter der Lesegesellschaft Stäfa die Konzertwahl trifft und entsprechende Musiker engagiert, das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim ausgesucht.

Er kennt das Orchester gut und hat mit ihm auch schon «Nola» intoniert. Da die Mannheimer zudem vor dem Stäfner Konzert am kommenden Freitag bereits in Brugg musizieren, lag es für den Programmverantwortlichen nahe, sie für einen Auftritt in derselben Woche zu verpflichten. Ziegler begründet: «Wir können uns nicht jedes Jahr so ein grosses Orchester für einen Einzelauftritt leisten und können so die Probekosten reduzieren.» Zum Auftakt wird vom Orchester Haydns Sinfonie Nr. 64 A-Dur zu hören sein.

Lokaler Bezug

Matthias Ziegler ist vor seiner Zeit als Programmleiter regelmässig mit verschiedenen Projekten, wie etwa dem Bespielen des Museums zur Farb, für die Lesegesellschaft aufgetreten. Dass er sich nun selber zu einem Soloauftritt verhilft, hat auch mit dem lokalen Bezug zu tun, unter dessen Motto er das Konzert im Jubiläumsjahr der Lesegesellschaft stellt. So steht nach eigener Aussage nicht etwa der Flötist im Mittelpunkt des Abends, sondern die Violinistin Elea Nick aus Meilen.

Die 20-jährige Geigenvirtuosin hat vor drei Jahren ihr Tonhalle-Debüt mit Tschaikowskys Violinkonzert gegeben. Es ist eine riskante Wahl, gehört es doch zum technisch schwierigsten der geigerischen Konzertliteratur. Es hat sich aber gelohnt, die Standing Ovations waren verdient. Mittlerweile hat die Meilemerin schon in vielen Konzertsälen dieser Welt das Publikum mit ihrem Spiel hingerissen und an Violinwettbewerben erste Preise gewonnen.

Als ihr der Programmleiter das fünfte Violinkonzert A-Dur von Mozart vorschlug, habe sie freudig ausgerufen, es sei von allen Mozarts Violinkonzerten ihr Bevorzugtes. Matthias Ziegler: «Wenn ich junge Menschen wie Elea sehe, habe ich keine Angst mehr, dass es in der Musik nicht weitergeht.»

Elea Nick, Matthias Ziegler und Kammerorchester Mannheim: Freitag, 25. Oktober um 19.30 Uhr in der ref. Kirche Stäfa. Tickets: www.lesegesellschaft.ch

Erstellt: 21.10.2019, 15:56 Uhr

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