Leitartikel

Eine Gesetzesänderung zum Hornen tut not

Philippa Schmidt zur Tatsache, dass die Kursschiffe auf dem Zürichsee beim An-und Ablegen nicht mehr hornen dürfen.

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Nationalrat Gregor Rutz (SVP) wird keinen weiteren Vorstoss für das Hornen der Kursschiffe initiieren, wie er in der Zürichsee Zeitung vom Donnerstag erklärt hat. Grundlage für diese Entscheidung war eine Antwort des Bundesamtes für Verkehr (BAV) auf Fragenzum Hornen, die Rutz zuvor gestellt hatte.Hintergrund ist, dass die Schiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) wegen der Beschwerde eines Stäfner Anwohners seit dem 5. Juli beim reinen An- und Ablegen nicht mehr hornen. Rutz ist kein Vorwurf zu machen: Im Gegensatz zu anderen Politikern aus der Region ist er überhaupt aktiv geworden. Dass jetzt aber auf politischer Ebene die Welle des Protestes zu verebben droht, ist schade.

Die Argumente, weswegen es nicht so schlimm ist, dass die Schiffe beim An- und Ablegen nicht mehr hupen dürfen, verfangen bei genauerem Hinsehen nicht. Im Juli mochte das fehlende Hornen noch nicht gross auffallen: Gemäss der ZSG ereigneten sich öfters Gefahrensituationen, wodurch die Schiffe gezwungen waren zu hornen.

Doch inzwischen hat kühleres und schlechteres Wetter am Zürichsee Einzug gehalten – es sind nicht mehr so viele Leute auf und im Wasser unterwegs. Die Folgen bekommen wir auch auf der Redaktion in Wädenswil zu spüren: Seit Tagen haben wir kein Schiff mehr hornen gehört. Ähnliche Rückmeldungen werden mir zudem aus Küsnacht zugetragen: Obwohl der Steg dort an einer schmalen Stelle liegt und in der nahen Hornanlage oft Menschen schwimmen, wird fast gar nicht mehr gehornt. Auch der Protest der Stäfner Schwimmer – sie versuchen die Schiffe zum hornen zu bringen, indem sie ihnen vor den Bug schwimmen – könnte im Lauf der Jahre erlahmen. Zu verdenken wäre es ihnen nicht, sie haben schon viel für den Erhalt der Tradition getan.

Nicht zuletzt ist es leichtsinnig, darauf zu hoffen, dass die Schiffe vermehrt wegen Gefahrensituationen hornen müssen, dann also wenn eine Kollision etwa mit einem Schwimmer oder einem Boot droht. ZSG-Sprecherin Conny Hürlimann hat in der ZSZ bereits vor dem langen Bremsweg der Schiffe gewarnt. Da frage ich mich schon: Muss erst etwas passieren, bevor wir das Hornen beim An- und Ablegen wieder einführen? Denn als Bootslenker oder Schwimmer ist nun die Gefahr von einem der Schiffe «überrascht» zu werden, wesentlich grösser als vorher. Mit dem Hornen beim An- und Ablegen wusste man wegen der hohen Dichte der Anlegestellen immer in etwa, wo sich die Schiffe befanden und konnte frühzeitig ausweichen.

Die Gefahr, dass eine Gesetzesänderung eine Verschärfung mit sich bringt, wie es Gregor Rutz befürchtet, ist nicht von der Hand zu weisen. Niemand will, dass auch auf anderen Schweizer Seen, beim An- und Ablegen oder wenn zwei Schiffe sich begegnen, nicht mehr gehornt werden darf. Andererseits steht eben jenes Hornen jetzt schon auf wackligen Beinen. Wenn sich an anderen Seen Anwohner beschweren, ist mit der derzeitigen Gesetzeslage der traditionelle Gruss der Schiffe auch dort akut in Gefahr. Das Hornen beim An- und Ablegen ist im Binnenschifffahrtsgesetz nämlich nicht vorgesehen.

Auch wenn das BAV deswegen darauf verweist, dass es sich um ein Gebot nur in bestimmten Situationen zu hornen handelt, und nicht um ein Hornverbot: Faktisch läuft es für die ZSG und vor allem für die Kapitäne auf ein Verbot hinaus. Ein Verbot notabene dessen Urheber der Seeanwohner aus Stäfa ist. Wer den Klang des Hornens als Lärm empfindet, sollte vielleicht woanders hinziehen. Wenn Seemeitli und Seebuben nach den Ferien aus dem Zug steigen und ein Schiff hornen hören, dann fühlen sie sich nämlich zu Hause.

Aus all diesen Gründen bleibt zu hoffen, dass doch noch eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht wird. Und angesichts des Volkszorns gegen das «Hornverbot» sind in dieser Angelegenheit die hiesigen Politiker - nicht nur Gregor Rutz - gefragt. Ihre Aufgabe ist es schliesslich, den Volkswillen zu vertreten. Ansonsten droht das Hornen auf dem Zürichsee zur absoluten Rarität zu werden.

Erstellt: 11.08.2017, 16:37 Uhr

Philippa Schmidt, Redaktorin

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