Uetikon

Idee von der Aufschüttung des Hafens wird weiterverfolgt

Mit der Neugestaltung des Fabrikareals erhalten die Uetiker mehr Zugang zum See. Wie dieser dereinst aussehen soll, war Thema der fünften Fokusgruppen-Veranstaltung. Dabei wurden auch Vorschläge gemacht, deren Realisierbarkeit noch höchst ungewiss ist.

Uetikon rückt an den See: Die Schliessung der Chemischen Fabrik spielt 750 Meter Seeufer frei, die öffentlich zugänglich werden sollen.

Uetikon rückt an den See: Die Schliessung der Chemischen Fabrik spielt 750 Meter Seeufer frei, die öffentlich zugänglich werden sollen. Bild: PD

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Uetikon am See – das ist eigentlich Uetikon an der Fabrik. Denn die Öffentlichkeit hat heute bis auf den Hafen und den kleinen Bereich um den Schiffssteg und die bestehende Badeanstalt keinen Zugang zum Wasser. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Seezugang für viele Uetiker ein emotionales Thema ist. Mit der Schliessung der Chemischen Fabrik diesen Frühling und der Neugestaltung des 6,5 Hektaren grossen Areals rückt ein lang gehegter Wunsch in den Bereich des Realisierbaren. Doch wie soll er dereinst aussehen, der Seezugang?

Am Mittwochabend war er im Uetiker Schulhaus Mitte Thema einer Fokusgruppen-Veranstaltung. Dabei erwies sich der Seezugang nicht nur als emotionale, sondern auch als knifflige Angelegenheit. Das zeigte bereits der lockere Einstieg, als Moderator Roman Dellsperger mit der Frage «Was habe ich für ein Bild des Seezugangs?» die knapp 40 Teilnehmer aufforderte, sich für ein Fotosujet zum Thema zu entscheiden. Zur Auswahl standen ein improvisierter Gastrobetrieb, eine Wiese voller Leute, ein gestalteter Kinderbereich, Stand-up-Paddler auf dem See und eine Grillstation. Auf das geringste Echo stiess die Wiese. Dellsperger machte auf ein erstes Dilemma aufmerksam. «Wenn der Seezugang sehr attraktiv wird, zieht er viele Leute an. Wie gehen wir damit um?»

Gewässerraum entscheidend

Die Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit einer zu grossen Attraktivität blieb im Raum stehen. Genauso wie diejenige des Uetiker Alt-Gemeinderats Erich Stark (SP) nach der aufgeschütteten und gedeckelten Pyritasche im Uferbereich. Dabei handelt es sich um einen Rückstand aus der chemischen Produktion. Er erkundigte sich hartnäckig, ob man dazu mehr wisse als vor zehn Jahren. Damals fiel ein privater Gestaltungsplan für das Areal an der Gemeindeversammlung durch. Stark erinnerte daran, dass man damals dem Seezugang zu wenig Beachtung geschenkt habe.

«Wenn der Seezugang sehr attraktiv wird, zieht er viele Leute an. Wie gehen wir damit um?»Roman Dellsperger, Moderator

Zum Pyrit konnten auch die beiden Vertreter des Kantons, Benjamin Grimm, Projektleiter für Gebietsplanung vom kantonalen Amt für Raumentwicklung, und Gerhard Stutz, Abteilungsleiter Wasserbau beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), nichts Konkretes sagen. Die Ufermauer werde noch überprüft.

Als entscheidender Punkt erwies sich am Abend der sogenannte Gewässerraum, der sich ab Uferlinie auf das Gelände erstreckt. Stutz führte in einem Referat den Anwesenden die Thematik vor Augen. «Den Menschen drängt es ans Wasser», sagte er. Die Chance, für die Bevöl­kerung einen solch breiten See­zugang zu schaffen, müsse im Rahmen dieses öffentlichen Vorhabens zwingend genutzt werden. Diesem liegen eine Reihe von gesetzlichen Vorgaben zugrunde, darunter das Ausscheiden eines Gewässerraums. Dieser erfüllt neben der Erholung auch ökologische Ziele und ist Bestandteil des Hochwasserschutzes.

Flachwasserzugang schwierig

Laut den Ausführungen von Stutz sieht der Bund für den Gewässerraum mindestens 15 Meter ab Uferlinie vor. Im Kanton Zürich sind derzeit 18 Meter vorgeschrieben. Er könne in dicht bebauten Gebieten, also auch auf dem Chemieareal, reduziert werden. Allerdings sei damit ein gewisses Prozessrisiko verbunden. Ein noch grösseres Risiko für juristische Auseinandersetzungen machte der Awel-Vertreter bei Bauten im See aus. Deutlich machten seine Ausführungen auch, dass ein strandartiger Zugang zum Wasser eher schwierig werden dürfte.

Die Idee eines Flachwasserzugangs wollten aber die Teilnehmer der Veranstaltung nicht ganz verwerfen. An vier Tischen diskutierten sie anschliessend über vier Themenkreise, die anlässlich der ersten Beteiligungsveranstaltung vom letzten November formuliert worden waren: die primäre Funktion des Seeufers, die Gestaltung und Dimensionierung des Seezugangs, die Ökologie und der Einbezug des Sees. «Für mich ist es zwingend, dass es Anlegemöglichkeiten für Boote gibt», sagte jemand. Der Gewässerraum müsse eine durchgehende Breite von 18 Metern aufweisen, hiess es am Ökologie-Tisch.

Einem Teilnehmer waren ausserdem natürliche Schattenspender wichtig und eine Frau machte sich für einen klar abgesteckten Schwimmbereich stark. Die Idee eines Schwimmbeckens im See zog dann allerdings an einem anderen Tisch sogleich vehemente Kritiker auf den Plan. «Das ist völlig unnötig. Wir haben ja den See.»

Platz für alle Bedürfnisse

Trotz Komplexität des Themas und unterschiedlichster Interessenvertreter – beispielsweise auch seitens der Hafengenossenschaft – herrschte am Schluss ein Konsens: Es sollte für alle Bedürfnisse ein Platz auf dem riesigen Areal geschaffen werden. So war die Rede von der Schaffung bestimmter Zonen. Von einer ruhigen, naturbelassenen etwa im Westen des Grundstücks, von einer belebten im mittleren Bereich, wo die Mittelschule entstehen soll. Auch zum Gewässerraum gab es am Schluss nochmals ein beherztes Votum – und eine Präzisierung. Die Gewässerraumfläche müsse insgesamt 18 mal 750 Metern, der Länge des Grundstücks, entsprechen. Das bedeutet, dass der Abstand an einzelnen Stellen kleiner, an anderen dafür aber grösser sein muss, als Kompensation. «Die Uetiker werden einen zu kleinen Gewässerraum nicht akzeptieren», warnte ein Teilnehmer.

Über eine Idee war das Plenum besonders entzückt: die Aufschüttung des Hafens, um zusätzliche bebaubare Fläche im Osten des Geländes zu gewinnen. Ob eine solche ein gangbarer Weg ist, blieb offen. Die Idee aber fand mit guten Argumenten Anklang: Der heutige Hafen sei am Verlanden, es könne sich daher kaum um ein aus ökologischer Sicht heikles Gebiet handeln. Ausserdem gewinne man dadurch weiteren Boden, was aus Investorensicht positiv sei. Trotz sprudelnder Ideen fiel gelegentlich die Frage nach den Kosten für die Seezuganggestaltung. An der nächsten Fokusgruppen-Veranstaltung vom kommenden Mittwoch werden dann die Finanzen ganz im Zentrum stehen.

Erstellt: 02.03.2018, 07:54 Uhr

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Unter dem Namen Chance Uetikon führen die Eigentümer des Fabrikareals am See – die Gemeinde Uetikon und der Kanton – die Planung des Gebietes durch. Dazu ist auch die Bevölkerung eingeladen. Im November fand für sie eine erste Veranstaltung statt, an der 175 Interessierte teilnahmen. Seit Anfang Jahr wird in kleineren Zusammensetzungen, in Fokusgruppen, gearbeitet. An der Veranstaltung zum Seezugang waren gut 40 Personen zugegen, von denen über die Hälfte aus Uetikon stammte. Ausser ihnen waren Vertretungen von Kanton und Gemeinde, Experten aus dem Varianzverfahren und weitere Gäste anwesend.
Neben dem Seezugang nahmen sich die Fokusgruppen bislang folgender Themen an: Verkehr und Erschliessung, Anbindung Dorf, Nutzungsmix, Begegnung und Belebung. Die letzten beiden Veranstaltungen widmen sich den Finanzen und dem Miteinbezug der Region.

Die Erkenntnisse aus den Fokusgruppen fliessen in die Arbeit der Projektteams ein, die in einem sogenannten Varianzverfahren Ideen wälzen. Der nächste Schritt ist ein Masterplan, der die verbindliche Planung für das Areal vorgibt. Weitere Informationen sind auf der Website www.chance-uetikon.ch zu finden. (rli)

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