Stäfa

Hort-Mitarbeiter nach Missbrauchsvorwürfen entlastet

Die Schule Stäfa will nach den Vorfällen im Kinderhort Mikado die Strukturen professionalisieren.

Der Mitarbeiter des Kinderhorts «Mikado» in Stäfa wurde von den Missbrauchsvorwürfen entlastet. (Symbolbild)

Der Mitarbeiter des Kinderhorts «Mikado» in Stäfa wurde von den Missbrauchsvorwürfen entlastet. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Cristina Würsten (FDP) ist erleichtert. «Es freut mich, dass nichts gewesen ist», sagt die Stäfner Schulpräsidentin. In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Staatsanwaltschaft und eine externe Administrativuntersuchung die Missbrauchsvorwürfe einem der Stäfner Kinderhorte «Mikado» vertieft abgeklärt. Die Staatsanwaltschaft hat nach ihren Untersuchungen den Hort-Mitarbeiter entlastet und eine «Nichtanhandnahmeverfügung» erlassen. Das heisst: Die Tatbestände sind offensichtlich nicht erfüllt. «Nach Eingang der Anzeige hat die Kantonspolizei Zürich koordiniert mit der Zürcher Staatsanwaltschaft intensive Ermittlungen aufgenommen. Diese haben den Anfangsverdacht nicht erhärtet», erklärt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Die Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter war happig. Der beschuldigte Betreuer soll ein 12-jähriges Mädchen an den Brüsten berührt haben, sie aufgefordert haben, ihr T-Shirt auszuziehen oder Turnübungen am Bauch des Betreuers zu machen. Allerdings habe der Betreuer das gleiche Mädchen regelmässig in sein Büro mitgenommen und dabei die Tür geschlossen haben. Die Vorwürfe publik gemacht hatte die Zeitung «20 Minuten». Sie stützte sich auf Erzählungen einer Mitarbeiterin des Beschuldigten. Eine Vertrauensperson dieser Mitarbeiterin hatte sich an die Zeitung gewandt, weil die Gemeinde aus ihrer Sicht die Missstände zu wenig ernst genommen hat.

Problem mit Nähe und Distanz

Die Administrativuntersuchung zeigt auf, dass der beschuldigte Mitarbeiter im Umgang mit Nähe und Distanz jedoch nicht immer die notwendige Sensibilität gezeigt habe. Die Vorwürfe der Turnübung oder das Gespräch hinter verschlossener Tür hätten tatsächlich stattgefunden. «Zudem waren andere Mitarbeitende über das Gespräch informiert», sagt Würsten – und sie betont nochmals, dass diese Vorfälle eben nicht strafrechtlich relevant seien. Nicht erhärten konnte die Administrativuntersuchung den Vorwurf, der Betreuer habe die Brüste des Mädchens berührt. «Dazu gibt es widersprüchliche Aussagen.»

Der Betreuer hat sich entschieden, nicht mehr für die Schule Stäfa weiter zu arbeiten. Er war während der Untersuchung bereits krankheitshalber abwesend. «Wir hätten ihn weiterbeschäftigt», sagt Würsten. Die fehlende Sensibilität bei Nähe und Distanz hätte man weiterbilden können, meint die Schulpräsidentin. «Nicht zuletzt, weil der Mitarbeiter durch die Untersuchungen eine Lehre durchgemacht hat.»

Schule muss sich verbessern

Die externe Administrativuntersuchung zeigt laut Würsten aber auch auf, dass die Professionalisierung der schulergänzenden Betreuung vorangetrieben werden muss. «Uns fehlen noch gewisse Konzepte», sagt die Schulpräsidentin. Bereits angepackt worden, sei ein Präventionskodex. Darin geregelt werde der Umgang mit Nähe und Distanz, das Fotografieren von Kindern im Hortalltag oder die Frage, was man mache, wenn Kinder im Hort «Doktorspiele» ausführen. Man habe eine erste Version abgenommen, werde ihn aber nach Feedbacks der Mitarbeiter und den Inputs aus der Administrativuntersuchung im Sommer nochmals präzisieren. Der Kodex soll danach in den Grundsätzen auch publiziert werden. Weil man die erste Version unter hohem Zeitdruck erarbeitet habe, will die Schule Stäfa den Kodex zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht offenlegen. Auch die Administrativuntersuchung will die Schule mit Hinweis auf die Privatsphäre der Betroffenen nicht aktiv publizieren.

Einige Details nennt Würsten aus dem Kodex aber dennoch: Sie macht etwa deutlich, dass es richtig ist, in gewissen Situationen mit Kindern unter vier Augen zu sprechen. Der Kodex lege aber fest: «Wenn man solche Gespräche führen will, muss man das mindestens gegenüber einer oder einem Mitarbeitenden kommunizieren.»

Professionalisierung seit 2017 ein Thema

Dass die Hortbetreuung in der Gemeinde professionalisiert werden muss, hat die Schule bereits früher bemerkt. 2017 habe eine Analyse über die Schulorganisation ergeben, dass die stetig wachsende und komplexere schulergänzende Betreuung bessere Strukturen brauche. Daraufhin seien das entsprechende Stellenprofil erarbeitet worden. Im August 2018 hat die Gesamtleitung der «Mikado»-Horte ihre Arbeit aufgenommen. Im September 2018 beobachteten Mitarbeitende l das später vorgeworfene «Begrüssungsritual». Innerhalb eines Monats könnten natürlich neue – und gar zu erarbeitende - Konzepte und Massnahmen noch nicht greifen, meint Würsten.

Der Schule Stäfa sei es wichtig, dass bei der Arbeit mit Kindern stets kritisch hingeschaut wird. Der Kodex lege fest, dass die Vorgesetzten bei Vorfällen oder Beobachtungen informiert werden sollen. Die Administrativuntersuchung attestiere der Gemeinde aber grundsätzlich, dass das Vorgehen schon in diesem Fall korrekt war. Mit den Mitarbeiterinnen, welche die Vorfälle meldeten, will die Schule ein Gespräch führen, um auch deren Befindlichkeit nach Abschluss der Untersuchungen abzuholen. Ob die massiven Vorwürfe an den Hortmitarbeiter für sie Konsequenzen haben, lässt Würsten offen. «Geplant ist aber derzeit nichts.»

Viel aus dem Fall gelernt

Auch wenn die Untersuchung den Mitarbeiter entlastet, ist die Gemeinde in der Bewertung der Vorfälle zwiegespalten. «Wir haben sehr viel gelernt», sagt Würsten. Sie bedauert vor allem, dass der Fall in die Medien gelangt ist und dadurch dem Mädchen wie auch dem Mitarbeiter geschadet wurde. «Der Fall hat uns ein weiteres Mal bestätigt, dass der eingeschlagene Weg der Professionalisierung der schulergänzenden Betreuung richtig ist».

Die Vertrauensperson der Mitarbeiterin, welche die Vorwürfe publik gemacht hatte, war am Freitagmorgen für eine Stellungnahme noch nicht erreichbar.

Erstellt: 12.04.2019, 10:41 Uhr

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