Rechnungen

Hombrechtikon fährt hohes Defizit ein

Als letzte Gemeinde im Bezirk hat Hombrechtikon die Rechnung 2017 vorgelegt. Sie schliesst wegen absehbaren Steuerausfällen mit einem relativ hohen Defizit. Jetzt liegen die Rechnungen aller Gemeinden im Bezirk vor. Die meisten fallen wie schon im Vorjahr besser aus als budgetiert.

Wegen massiv tieferen Steuereinnahmen verzeichnet die Gemeinde Hombrechtikon ein deutliches Minus für das Jahr 2017.

Wegen massiv tieferen Steuereinnahmen verzeichnet die Gemeinde Hombrechtikon ein deutliches Minus für das Jahr 2017. Bild: Archiv ZSZ

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Die Gemeinde Hombrechtikon weist für das Rechnungsjahr 2017 einen Aufwandüberschuss von 6,6 Milliionen Franken aus. Das sind fünf Millionen mehr, als im Budget vorgesehen waren. Eine Überraschung ist der deutlich höhere Fehlbetrag aber nicht, weil er schon im September des letzten Jahres vom Gemeinderat angekündigt worden war.

Grund waren vor allem nicht budgetierte, kurzfristige Ausfälle bei den ordentlichen Steuern aus den Vorjahren – unter anderem wegen Wegzügen von Steuerzahlern. Dazu gehörte mutmasslich der inzwischen verstorbene Unternehmer Andy Rihs.

Ausfall von 6,9 Millionen

In ihrer Mitteilung hält die Gemeinde nun fest, dass die Steuererträge 2017 insgesamt um 6,9 Millionen Fanken tiefer ausgefallen sind als budgetiert. «Erfreulich» hätten sich hingegen die Grundstückgewinnsteuern entwickelt, mit einem Plus von 4,7 statt 2,3 Millionen. Einem Aufwand von 50,4 Millionen Franken stand ein Ertrag von 43,8 Millionen gegenüber. Das Defizit wird dem Eigenkapital belastet, das sich Ende 2017 noch auf 17,4 Millionen bezifferte. Höhere Steuern sind kein Thema.

Wegen den tieferen Einnahmen beschloss der Gemeinderat, die Investitionen wenn möglich um zwei Jahre zu verschieben. Grund war auch die Überlegung, dass das Ergebnis 2017 erst im Finanzausgleich von 2019 berücksichtigt wird, wie der Gemeinderat festhält. Effektiv getätigt wurden deshalb lediglich Investitionen von 2 Millionen Franken. Budgetiert waren 8,5 Millionen.

Insgesamt gute Bilanz

Mit dem Abschluss von Hombrechtikon liegen jetzt alle Rechnungsergebnisse für 2017 im Bezirk Meilen vor. Auffallend ist dabei, dass neun der elf Gemeinden einen Überschuss ausweisen können, neben Hombrechtikon muss lediglich noch Meilen rote Zahlen vermelden. Weitere fünf Gemeinden, die im Budget mit einem Aufwandüberschuss gerechnet hatten, legen hingegen positive Abschlüsse vor – nämlich Zumikon, Küsnacht, Erlenbach, Uetikon und Männedorf.

Die Unterschiede zwischen den Budgets und den Ergebnissen sind beträchtlich: Zählt man alle Gemeinden zusammen, fallen die Rechnungsabschlüsse um über 43 Millionen Franken besser aus als prognostiziert. Das ist jedoch deutlich weniger als im letzten Rechnungsjahr 2016, als die Abschlüsse insgesamt um mehr als 100 Millionen besser ausfielen als die Voranschläge.

Gründe für Abweichungen

Dass Budgets und Rechnungsabschlüsse immer wieder auseinanderklaffen, zum Teil sogar erheblich, ist indes weder neu noch aussergewöhnlich. Das betont auch die Meilemer Finanzvorsteherin und Kantonsrätin Beatrix Frey-Eigenmann (FDP). Die ausgewiesene Kennerin der kommunalen Finanzen nennt folgende Hauptgründe: Erstens ist ein Grossteil der gebundenen Ausgaben und Einnahmen von den Gemeinden nicht beeinflussbar – und kann auch kurzfristig variieren. Als Beispiel nennt Frey-Eigenmann etwa die Kosten für Sonderschüler, Pflegebedürftige oder Sozialhilfeempfänger, die sich ändern können. So kostet allein ein zusätzlicher Sonderschüler die Gemeinde rund 100 000 Franken zusätzlich.

Zweitens sind insbesondere die Steuereinnahmen kaum beeinflussbar und können sich, etwa wegen der Ab- oder Zuwanderung von Steuerzahlern, kurzfristig stark verändern – wie eben in Hombrechtikon. In Meilen zum Beispiel gab es allein 2017 je rund 1000 Weg- und Zuzüge. Prognosen zu Steuereinnahmen sind deshalb nur bedingt möglich und bleiben oft spekulativ. Auch der Fakt, dass Gemeinden tendenziell eher zurückhaltend budgetieren und schliesslich doch ein positives Ergebnisse erzielen, ist für Frey-Eigenmann nachvollziehbar: «Das hat mit dem Vorsichtsprinzip zu tun», erklärt sie, «es ist in der Regel einfacher, einen Überschuss zu erklären als ein unerwartetes Loch stopfen zu müssen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.05.2018, 16:42 Uhr

Rechnungsabschlüsse 2017

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