Hombrechtikon

Hombrechtiker Kirchgänger ­erlebten historischen Moment

Bei der Sanierung der Reformierten Kirche Hombrechtikon ist man in der Turmkugel auf eine ­Aufbewahrungsbüchse für wertvolle Dokumente gestossen. Im Gottesdienst vom Sonntag wurde die Zeitkapsel geöffnet – und Überraschendes zutage gefördert.

Sie entdecken die Geheimnisse aus längst vergangenen Zeiten: Pfarrer Ueli Flachsmann, der pensionierte Spengler Gottfried Schaufelberger und Sohn René Schaufelberger sowie der Spengler der aktuellen Kirchensanierung Ueli Bebi.

Sie entdecken die Geheimnisse aus längst vergangenen Zeiten: Pfarrer Ueli Flachsmann, der pensionierte Spengler Gottfried Schaufelberger und Sohn René Schaufelberger sowie der Spengler der aktuellen Kirchensanierung Ueli Bebi. Bild: Andre Springer

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Es wird alles neu in Hombrechtikon: das Gemeindehaus. Die Bauordnung – die überhaupt erstmalig festgeschrieben wird: auf dass keine grossen Blöcke neben die Kirche kommen und diese «schön ruhig dastehen kann». Und: Die Strassen werden geteert.

Dies jedenfalls vernehmen die zahlreich erschienenen Besucher des gestrigen Gottesdienstes in der reformierten Kirche. Ungewöhnlich ist nicht nur der religiöse Rahmen für die weltlichen Worte des Gemeindepräsidenten. Vielmehr deren Inhalt, der den Bogen bis zu globalen Ereignissen schlägt. Wie zur jüngsten Meldung aus der Raumfahrt – ein Zweimannflug zur Beobachtung des Mondes sei geplant. «Von den Sowjets.»

Seltener Tonträger

Als «aus der Zeit gefallen» lassen sich die Worte wohl noch präziser beschreiben. Denn natürlich stammen sie nicht vom aktuellen Gemeindepräsidenten Rainer Odermatt (FDP). Es spricht vielmehr sein Amtsvorgänger aus dem Jahr 1959, Ernst Wild. Am 4. November des besagten Jahres lässt dieser seine Rede auf ein Dimafon aufzeichnen. Es ist dies der Tag, an dem die Kirchenkugel nach langer Sanierungsphase des Gotteshauses wieder zurück auf die Turmspitze gehievt wird.

Auch Kirchenpflegepräsident Rudolf Müller und Pfarrer Emil Bäumli lassen sich vernehmen, zudem singende Hombrechtiker Schüler. Denn: Auf dem schallplattenähnlichen, gummiartig biegbaren Tonträger soll ein Zeitdokument entstehen für die Hombrechtiker «in etwa 50 Jahren», wenn die nächste Sanierung der Kirche fällig sein werde.

Nun sind es etwas mehr als 50 Jahre geworden. Nichtsdestotrotz ist gestern der Zeitpunkt für die historische Rückschau gekommen. Wie im Zuge einer Sanierung üblich, hatte man die in der Kirchenkugel unter dem Wetterhahn eingelassene Zeitkapsel geöffnet.

Traditionellerweise werden in den Metallbehältern wichtige Dokumente und Zeugnisse aus der Zeit von Bau oder Renovation des Gotteshauses gelagert. Dies nicht zuletzt, um der Nachwelt ein Bild von den lokal und global relevanten Ereignissen aus Politik, Kirchenleben und weiteren Bereichen zu über­liefern.

Mit dabei eine Ausgabe der «Zürichsee-Zeitung» aus dem Jahre 1959.

Überrascht von der Menge

Die Dimafonaufnahme ist nur eines der zahlreichen Dokumente, die in der Hombrechtiker Zeitkapsel zum Vorschein gekommen sind. Gestern sind diese im Rahmen des Gottesdienstes von Ueli Flachsmann präsentiert worden. Dies unter Mitwirkung des bald 94-jährigen Gottfried Schaufelberger, der 1959 die Spenglerarbeiten durchgeführt hatte, seines Sohnes René und des Spenglers der jetzigen Sanierung, Ueli Bebi.

Das spektakulärste Zeitzeugnis dürfte die Tonaufnahme aber nur schon allein aufgrund ihrer Grussworte über die Jahrzehnte hinweg sein. «Um die Aufnahme überhaupt hören zu können, mussten wir sie von Spezialisten im Tessin auf eine moderne Technologie umspielen lassen», erklärt Mario Fieramonte, Kirchenpfleger und Liegenschaftsverantwortlicher.

Zeitungen, Fotos, Protokolle der Kirchenpflege, eine Petition an den Zürcher Kantonsrat, ein Programm der Volkshochschule Hombrechtikon, Aufsätze und Zeichnungen von Schülern: Dies sind weitere Zeugnisse von 1959, die sich in der Kapsel befunden haben. «Wir waren positiv überrascht über die Menge an Dokumenten», sagt Fieramonte.

Die Originale sind vom Fotografen Alex Hauenstein digitalisiert worden und im Annex der Kirche ausgestellt; dort können sie nun – bis etwa Mitte November – jeweils an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr besichtigt werden. Die Tonaufnahme ist ab Freitag auf der Website der Reformierten Kirche Hombrechtikon zu hören.

Wieder etwas hinterlassen

Was aber sollen die Hombrechtiker Reformierten um das Jahr 2070 in der Zeitkapsel vorfinden, wenn dereinst die nächste Sanierung anstehen dürfte? Man sei noch nicht ganz schlüssig, meint Fieramonte.

So viel aber sei verraten: Zeitungen, die wiedergeben, was die Bevölkerung derzeit im Grossen und Kleinen beschäftigt, Dokumentationen über den Ablauf der Umbauarbeiten und ebenfalls ein Tondokument werden mit unter den Beigaben von 2018 sein.

So spricht denn auch Rainer Odermatt zur imaginären Zuhörerschaft von 2070 eine Grussbotschaft – nicht ohne dass die Worte aufgezeichnet würden. «Nun müssen wir uns noch von Spezialisten bezüglich des Tonträgers beraten lassen», sagt Kirchenpflegepräsident Andreas Dürr.

Ende September wird – wiederum in einem öffentlichen Rahmen – die Befüllung der Kapsel mit den heutigen Dokumenten vonstattengehen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.08.2018, 19:31 Uhr

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