Zollikon

Hitziges Duell der Zolliker Kandidaten

Zwei Radiospots, ein Vergleich mit einer bekannten Nationalrätin und Einigkeit in einigen Punkten: Eine Podiumsdiskussion der beiden Bewerber fürs Zolliker Gemeindepräsidium hielt so manche Überraschung bereit.

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Fast beschlich einen die Angst, dass die künftige Zusammenarbeit von Sascha Ullmann (GLP) und Urs Fellmann (FDP) von diesem Podium überschattet werden könnte, so heftig war manch ein Schlagabtausch am Donnerstagabend. Dass die Kandidaten fürs Zolliker Gemeindepräsidium die nächsten vier Jahre zusammenarbeiten werden, steht nämlich schon fest, wurden sie doch bereits in stiller Wahl in ihrer Funktion als Gemeinderäte bestätigt. Als solche sassen sie schon vier Jahre gemeinsam in der Behörde. Der 46-jährige Ullmann wurde 2014 gewählt, der 68-jährige Fellmann 2008.

Doch wie wird der Gemeinderat künftig aussehen, wenn er von einem der beiden «Manns» geleitet wird? Immerhin lautete der Titel des Podiums «Neuer Gemeindepräsident in Zollikon – Stillstand oder Aufbruch?». Moderatorin Melanie Marday-Wettstein, Redaktorin des «Zolliker Zumiker Boten», wollte denn auch wissen, wie der jeweilige Führungsstil aussähe. «Eine Kollegialbehörde ist eine Zusammenstellung von Alphatierli», skizzierte Urs Fellmann die Herausforderung des Amtes und ergänzte, dass er aber nicht militärisch führen würde. Für Ullmann wiederum war klar, dass ein Präsident sich auch einmal vorne hinstellen und sagen müsse, dass jetzt abgestimmt werde.

Parteizugehörigkeit als Thema

Die Moderatorin zeigte sich irritiert angesichts von Ullmanns Wahlkampf. Sie vermisste das Logo seiner Partei auf dessen Flyern. «Es ist für mich keine Parteigeschichte, ich will Präsident aller Zolliker sein», erklärte der Grünliberale. Ein Steilpass für Fellmann: «Wenn man festlegen kann, wo die politische Heimat ist, ist das klarer und die Wähler wissen, wo die Akzente liegen.»

Überhaupt zeigte sich der FDP-Politiker einen Tick angriffiger als Ullmann. So monierte er etwa, dass es bei diesem immer nur um «ich, ich, ich» gehe. «Ich sage nicht ich, ich, ich: Das Team muss etwas durchbringen.» «Ich trug 18 Jahre einen Pager auf mir», konterte der Angesprochene und spielte damit auf seine frühere Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr und den damit verbundenen Pikettdienst an. Es gehe bei ihm nicht um das «ich».

Vorhergegangen war diesem Schlagabtausch die Frage eines Anwesenden nach Ullmanns Parteiwechsel. Bis vor sechs Jahren war der Zolliker Mitglied bei den Freisinnigen. «Mir hat in der FDP der grüne Touch gefehlt», sagte Ullmann, brachte aber auch seine familiären Bindungen zur Sprache: «Ich will nicht Martullo-Blocher werden.» Hintergrund ist, dass der Zolliker Alt-FDP-Nationalrat Ulrich Bremi sein Schwiegervater ist.

Steuerfuss steht nicht infrage

Doch diskutiert wurde nicht nur auf der persönlichen Ebene, auch Sachfragen wurden thematisiert, so etwa die Zolliker Finanzen. Marday-Wettstein verwies auf den Zolliker «Schuldenberg» und wollte von den beiden Kandidaten wissen: «Wo muss Zollikon den Gürtel enger schnallen?» «Wir sind nicht schlecht unterwegs», gab Fellmann, der aktuell Finanzvorsteher ist, einen Ausblick auf die noch nicht publizierte Jahresrechnung 2017 und deutete damit an, dass der Gürtel gar nicht unbedingt enger geschnallt werden muss.

Nachdem der Gemeinderat im Dezember eine fünfprozentige Steuerfusserhöhung beantragt und die Gemeindeversammlung nur eine dreiprozentige Erhöhung durchgewunken hatte, sprach sich Fellmann nun für einen stabilen Steuerfuss aus. Der Bürger habe die Rahmenbedingungen gesetzt. Er gab zudem zu bedenken, dass ein höherer Steuerfuss wegen höherer Ausgaben auch Risiken birgt: «Wenn wir eine Politik betreiben, die attraktiver ist, verlieren wir gute Steuerzahler.» Der Gemeinderat habe die finanziellen Ziele festgelegt, bekräftigte Ullmann ebenfalls seine Unterstützung für einen konstanten Steuerfuss.

Da der Abend vom Quartierverein Zollikerberg organisiert wurde, kamen auch spezifische Berg-Themen aufs Tapet. So sprach die Moderatorin etwa die Schranken an den Forchbahn-Übergängen an, gegen die sowohl die Gemeinde als auch der Quartierverein kämpfen. In Zollikon besteht die Befürchtung, dass solche Schranken zu einem Rückstau der Fahrzeuge auf der Forchstrasse und damit zu einem noch grösseren Verkehrschaos im Quartier führen könnten. «Das ist ein Beispiel, bei dem die Bevölkerung und der Gemeinderat an einem Strick ziehen», sagte Fellmann denn auch. Eine Barriere bei einer Spitalzufahrt sei unsinnig. Der Bund tue sich unheimlich schwer damit, eine Lösung zu finden, doppelte Ullmann nach.

Unterschiede bei Südstarts

Aber auch der Verkehr über den Köpfen wurde zum Thema. Klaus Stöhlker, Pressesprecher der Stiftung gegen Fluglärm und selbst Zollikerbergler, wünschte sich in der Fragerunde ein klares Statement der Gemeinde gegen Südstarts. «Im Moment kommt der Südabflug nicht, aber sobald das neue Betriebskonzept mit Südabflügen kommt, müssen wird parat sein», warnte Ullmann. «Bei diesem Thema muss man wahrscheinlich ein Terrier sein und sich darin verbeissen», sagte Fellmann. Er verwies aber auch darauf, dass der Flughafen ein zentraler volkswirtschaftlicher Faktor sei. Er sei da ambivalent.

Zum Abschluss wurden beide Kandidaten von Quartiervereinspräsident Fritz Wolf aufgefordert, in einem 30-sekündigen «Radiospot» ihre Vorzüge nochmals anzupreisen. «Ich habe Lust, die Aufgabe zu übernehmen, Sie spüren es an meinem Feuer», machte Ullmann Wahlwerbung. «Ich bin 68, also auch ein 68er: Wir haben nicht so einen grossen Altersunterschied, was das Mentale angeht», schloss Fellmann. Damit sprach er sicher einen der augenscheinlichsten Unterschiede zwischen Ullmann und ihm an, trennen die beiden Zolliker doch zumindest auf dem Papier mehr als 20 Jahre.

Der heftigen Debatte zum Trotz gab es zum Abschluss einen Handschlag zwischen den beiden Kandidaten. Die künftige Zusammenarbeit im Gemeinderat scheint also gesichert zu sein.

Erstellt: 23.03.2018, 20:22 Uhr

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