Herrliberg

Herrliberger wollen keine Hängebrücke

Die Gemeindeversammlung hat den Planungskredit für die Hängebrücke aus dem Budget gestrichen. Auch auf neue Ladestationen für Elektroautos will man verzichten.

Die Hängebrücke über das bewaldete Bünisbachtobel hätte die Gemeinden Herrliberg und Meilen verbinden sollen.

Die Hängebrücke über das bewaldete Bünisbachtobel hätte die Gemeinden Herrliberg und Meilen verbinden sollen. Bild: Michael Trost

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Sie sollte die Gemeinden Herrliberg und Meilen verbinden, doch am Mittwochabend hat sie die Herrliberger Bevölkerung in zwei Lager gespalten: die geplante Hängeseilbrücke über das Bünisbachtobel. Dies zeigte sich an der Gemeindeversammlung, an der 180 Stimmberechtigte anwesend waren.

Im Budget 2020, das von Finanzvorsteher Joel Gieringer (FDP) präsentiert wurde, hat der Gemeinderat 25000 Franken für die Planung der Brücke eingestellt. Der Bau sollte rund 285000 Franken kosten, wozu die Gemeinde Meilen 80000 Franken beisteuern würde. Der übrig bleibende Herrliberger Teil sollte mit der ZKB-Jubiläumsdividende finanziert werden.

Doch dem Projekt wollte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) schon jetzt einen Riegel schieben. Dazu führte RPK-Präsident Michael Lüscher (SVP) in seiner Stellungnahme mehrere Argumente ins Feld. «Die Hängebrücke steht nicht nur quer in der Landschaft, sondern auch quer im Finanzhaushalt.» Dies insbesondere mit Blick auf die hohen Investitionen in den nächsten Jahren. Ausserdem legte er dar, dass die Ausschüttung der Jubiläumsdividende der ZKB nicht zweckgebunden sei und ohne weiteres einfach in die Einnahmen einfliessen könne.

Parteien dagegen

Gemeinderat Thomas Dinkel (FDP) legte in einem Rückblick auf die lange Geschichte der Hängebrücke die Pro-Argumente für deren Bau dar. Dabei hielt er fest, dass die Erstellung eines Wanderwegs durch das Bünisbachtobel gemäss dem Richtplan verbindlich ist. Der Abschnitt, an welchem die Hängebrücke entstehen sollte, sei aus Sicht des Amts für Umweltschutz besonders sensibel. Mit dem Bau einer Brücke würde er geschützt.

Dies überzeugte die SVP und die FDP nicht. Die beiden Parteien unterstützen den Antrag der RPK, wie die Präsidenten Tobias Freitag (SVP) und Phillippe Chevroulet (FDP) festhielten. Störend war für mehrere Folgeredner, dass sich die Gemeinde Meilen nicht mit der Hälfte des Betrags beteiligen wollte.

Anwohner Albert Ganz (parteilos) brach hingegen eine Lanze für die Spaziergänger. «Wir dürfen uns auch mal etwas gönnen, es wäre schön, wenn wir diese Brücke haben.» Ihn unterstützten rund ein halbes Dutzend weitere Redner, die meisten davon wohnhaft im Gebiet Rietli. Ins Feld geführt wurde auch das Gemeindefest für 250000 Franken. Im Gegensatz dazu sei die Brücke eine langfristige und nachhaltige Investition.

Kantonsrat und Landwirt Domenik Ledergerber (SVP) wollte die Nachhaltigkeit hingegen nicht als Argument gelten lassen. «Es hat sehr viel schützenswerte Tiere und Pflanzen in diesem Gebiet. Wir sollten ihnen Sorge tragen, indem wir auf die Brücke verzichten.»

In der Abstimmung zeigte sich: Die Brückengegner waren mit 92 zu 70 Stimmen knapp in der Überzahl; der Änderungsantrag der RPK wurde angenommen.

Keine Ladestationen

Auch mit einem weiteren Änderungsantrag wollte die RPK einen Budgetposten einsparen, und zwar denjenigen zur Errichtung von vier Strom-Ladestationen für Elektroautos. Damit würden im kommenden Jahr Investitionskosten von 215000 Franken wegfallen, dazu kommen 150000 Franken, die in den folgenden Jahren eingespart würden. Die RPK sei der Meinung, dass es nicht die Aufgabe der Gemeinde sei, Strom-Ladestationen zur Verfügung zu stellen, hielt Lüscher fest.

Nach einer kurzen Diskussion wurde auch dieser Streichungsantrag der RPK aus dem Budget gestrichen und schliesslich das bereinigten Budget mit deutlichem Mehr angenommen. Ebenso die Beibehaltung des Steuerfusses bei 78 Prozent.

Ja zu LED-Beleuchtung

Mit dem Traktandum intelligente LED-Beleuchtung auf allen Gemeindestrassen war Werkvorsteher Thomas Dinkel erneut gefordert. Der Gemeinderat beantragte einen Kredit von 1,6 Millionen Franken für die Umstellung auf «Licht nach Bedarf». Damit können pro Jahr rund 138000 Kilowatt eingespart werden, hielt der Tiefbauvorsteher fest. Dies bringe Einsparungen von rund 18000 Franken pro Jahr mit sich.

Dieses Mal unterstützte die RPK den Antrag bedingungslos. Aus dem Plenum kamen hingegen einige Detail- und Verständnisfragen. So zum Beispiel zur Verwendung der zwölf geplanten Smart-City-Lampen und der Strahlenbelastung der Leuchten. Experte Silvio Küng von einem unabhängigen Planungsbüro erklärte, dass die Lampen via Funksignal miteinander kommunizieren. Mit WLAN ausgerüstet werden die Lampen vorerst nicht. Dem Kredit stimmten die Anwesenden schliesslich klar zu.

Mit grosser Mehrheit angenommen wurde auch das Budget der Gemeinsamen Sekundarschule Erlenbach-Herrliberg (GSEH), welches von Schulpräsidentin Marion Bartels (SVP) präsentiert wurde. Es sieht einen Aufwand von 4,4 Millionen Franken vor, davon entfallen 2,3 Millionen auf die Gemeinde Herrliberg. Für beide Gemeinden zusammen sind dies Mehrkosten von 87000, aufgrund der veränderten Schüler-Verhältnisse sinkt der Herrliberger Anteil allerdings um 26500 Franken.

Erstellt: 11.12.2019, 23:17 Uhr

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