Herrliberg

Herrliberger sagen Ja zur Verdichtung

Die Teilrevision der Ortsplanung wurde erst nach mehreren Änderungsanträgen angenommen. Im Gegensatz zu neuen Freiräumen brachte der Gemeinderat Vorschriften für verdichtetes Bauen durch.

An der Gemeindeversammlung in Herrliberg gab es bei der Zentrumsplanung viel zu diskutieren.

An der Gemeindeversammlung in Herrliberg gab es bei der Zentrumsplanung viel zu diskutieren. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hochbauvorsteher Hansjürg Zollinger (Gemeindeverein) kündigte ihn «als wohl spannendsten Teil der Gemeindeversammlung» an: den Themenbereich Sonderbauvorschriften. Dies nachdem die 136 anwesenden Herrlibergerinnen und Herrliberger bereits zwei Stunden über die Teilrevision der Nutzungsplanung diskutiert hatten.

Mit Anträgen zur Kernzone Dorf und zur Zentrumszone hatten sie bereits für Änderungen in der Vorlage gesorgt: So wurden etwa die Freiräume, die in den alten Dorfteilen hätten eingezeichnet werden sollen, gestrichen.

Vier Stockwerke sind zuviel

Der Gemeinderat wollte mit den Sonderbauvorschriften ein Planungsintrument schaffen, das in der Zentrumszone eine leichte Verdichtung ermöglicht. Demnach sollten besonders gut gestaltete Bauten mit einem Nutzungsbonus von bis zu 20 Prozent belohnt werden.

Doch auch in diesem Punkt entbrannte eine heftige Diskussion. Es ging dabei um die schöne Gestaltung von Dächern, passende Gebäudehöhen und die für Herrliberg verträgliche Anzahl Einwohner.

Den Einwand einer Rednerin, mit dem Nutzungsbonus würde die Höhenbeschränkung der Zone unterwandert, entkräftete Gemeindepräsident Gaudenz Schwitter (FDP). Diesbezüglich blieben die Vorgaben unverändert, betonte er, vergrössern dürfe sich einzig das Bauvolumen. Dass dies die Möglichkeit zum Ausbau von Attikageschossen zu Vollgeschossen mit sich bringt, wurde von mehreren Rednern kritisch beurteilt. «Ein Block mit vier Vollgeschossen ist etwas ganz anderes als ein dreistöckiges Haus mit Attikageschoss», sagte ein Bürger, der dann auch gleich den Antrag stellte, die Sonderbauvorschriften vollumfänglich zu streichen.

Appell an Solidarität

Seinen Antrag unterstützten mehrere Folgeredner, unter anderem mit dem Argument, man schiesse übers Ziel hinaus. «Ich befürchte, dass wir so eine Dichte schaffen, die den Menschen zu viel werden könnte», sagte einer. Berechnungen hätten gezeigt, wandte darauf Ortsplaner Michael Camenzind von der Suter von Känel Wild AG ein, dass aufgrund der Sonderbauvorschriften nur rund 100 Einwohner mehr möglich seien. «Es ist eine Chance für zusätzlichen Wohnraum», fügte er an.

Unterstützung bekam die Vorlage von Seiten der FDP. «Wir alle wollen ein schönes Herrliberg. Und genau das ist jetzt gerade vergessen gegangen», sagte Vorstandsmitglied Dominik Zellweger. Die Sonderbauvorschriften seien eine Verbesserung gegenüber heute, denn die Gemeinde könne mehr Einfluss nehmen. Eine weitere Rednerin appellierte an die Solidarität zu jungen Menschen, die in Herrliberg keine günstige Wohnung mehr finden würden. «Schauen wir, dass wir nicht zum Altersheim werden», sagte sie.

Als die Versammlung dann zur Abstimmung schritt, war das Verdickt aber überraschend klar. Der Antrag zur Streichung der Sonderbauvorschriften wurde abgelehnt – erstmals an diesem Abend mussten die Stimmen nicht ausgezählt werden. Gleiches gilt für den Antrag einer Herrlibergerin, die die Möglichkeit zum Ausbau von Attikageschossen aus der Vorlage streichen wollte.

Kein Weiterzug an die Urne

Knapper war das Resultat, als es zuvor um die Aufzonung des Gebiets Humrigen ging. Das bereits überbaute Grundstück im Besitz der Gemeinde eigne sich besonders gut für eine Innenentwicklung, sagte Gemeinderat Zollinger. Zwar sei kein Bauprojekt geplant, aber man wolle die Voraussetzungen für mehr Wohnraum schaffen. Dem entgegneten mehrere Redner, es sei der falsche Ort dafür – grenze das Areal doch an den Wald und eine Erholungszone. Als der Antrag gestellt wurde, die Umzonung sei aufzuheben, ergriff Planer Camenzind zu deutlichen Worten: «Ich denke, es ist ihnen bewusst, dass Bauland nicht nachwächst», sagte er und erinnerte an frühere Bekenntnisse des Stimmvolks zur Siedlungsentwicklung nach innen. Schliesslich stimmten 51 Anwesende dem Änderungsantrag zu, während 74 ihn ablehnten.

Als Gemeindepräsident Schwitter zur Schlussabstimmung schritt, lag schliesslich eine deutlich veränderte Vorlage vor. Sie wurde aber deutlich angenommen – und dieses Resultat soll auch Gültigkeit haben. Nach der Abstimmung über die Freiräume hatte eine Stimmbürgerin noch den Antrag auf eine Urnenabstimmung angekündigt. Darauf verzichtete sie allerdings, als sie erfuhr, dass der Souverän dann über die ganze Teilrevision der Nutzungsplanung abstimmen würde.

Erstellt: 23.01.2020, 16:56 Uhr

Artikel zum Thema

Gemeinderat schlägt wegen «Enteignung» Skepsis entgegen

Herrliberg An der Gemeindeversammlung zeigte sich heftige Opposition gegen die Revision der Ortsplanung. Angenommen wurde die Vorlage dennoch. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles