Herrliberg

Herrliberg setzt mit Wärmeverbund auf erneuerbare Energie

Beim Sportplatz Breiti finden aktuell Bauarbeiten für einen Nahwärmeverbund statt. Dieser versorgt künftig gemeindeeigene sowie private Liegenschaften mit Wärme. Das Projekt ist einzigartig im Bezirk Meilen.

Michael Weiss (rechts) erläutert mit Daniel Füllemann die Pläne.

Michael Weiss (rechts) erläutert mit Daniel Füllemann die Pläne. Bild: Sabine Rock

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Es ist ein ambitiöses Projekt, das derzeit in Herrliberg umgesetzt wird: Die Gemeinde wird mithilfe eines Nahwärmeverbunds den grössten Teil der eigenen Gebäude sowie etliche Privathaushalte mit umweltfreundlicher Energie versorgen. «Damit kann der jährlichen CO2-Ausstoss um 670 Tonnen reduziert werden», sagt Harry Graf, Mediensprecher des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ).

Herrliberg hat mit dem EWZ ein Energie-Contracting - auf Deutsch Vertrag - über einen Nahwärmeverbund abgeschlossen. Planung, Umsetzung, Betriebund Finanzierung liegen beim EWZ. «Wir rechnen mit einem Investitionsvolumen von bis zu 8,5 Millionen Franken», sagt Graf. Herrliberg zahlt im Gegenzug jährlich einen vertraglich fixierten Betrag für die bezogene Energie. Der Souverän hat 2015 ein erstes Mal über das Contracting sowie einen Rahmenkredit von 600'000 Franken abgestimmt. Dieser ist für Anschlusslösungen in den einzelnen Liegenschaften bestimmt.

Platzprobleme

Derzeit bohren riesige Bohrmaschinen auf dem Sportplatz des Schulhaus Breiti 300 Meter tiefe Löcher in die Erde. «Hier entstehen 45 Erdsonden», sagt Michael Weiss, Leiter Liegenschaften der Gemeinde Herrliberg. Die daraus gewonnene Erdwärme wird dereinst in ein sogenanntes Kaltwärmenetz (Anergienetz) eingespiesen. Kalt, weil die Temperaturen nur bei etwa sechs bis 25 Grad liegen.

Beim Sportplatz Breiti wird gebohrt und gebuddelt.

Im Sommer sorgt eine 700 Quadratmeter grosse Sonnenkollektorfläche auf den Dächern der Schulanlage Rebacker dafür, dass dem Erdreich die im Winter entzogene Wärme wieder zugeführt wird. «Die Sonnenkollektoren sind - neben dem Kamin hinter dem Feuerwehrdepot - praktisch der einzige sichtbare Teil des Wärmeverbunds», sagt Weiss. Fast alles andere liege unter der Erde. So auch das Wärmeleitungsnetz, von welchem die Hauptstränge bereits verlegt sind. Kein einfaches Unterfangen, wie Michael Weiss erklärt: «Vier zusätzliche Leitungen mussten sorgfältig zwischen den bestehenden Rohren unter der Strasse platziert werden.»

Geheizt wird trotzdem

Ebenfalls unterirdisch zu liegen kommt die Heizzentrale beim Feuerwehrdepot, das Herzstück des Hochtemperaturnetzes. Hier erzeugen zwei Holzschnitzelkessel mithilfe von Holz aus der Region Pfannenstiel Temperaturen von 85 Grad. Das erwärmte Wasser wird via Leitungsnetz in die Liegenschaften transportiert. Als Backup für Spitzenzeiten oder Notfälle dient eine Erdgasfeuerung in der Heizzentrale.

«Unser Nahwärmekonzept ist sehr komplex und innovativ, weil es verschiedene Komponenten und Systeme wie Kalt- und Hochtemperaturnetz und Sonnenkollektoren miteinander kombiniert», sagt Weiss. Das bestätigt auch Harry Graf:«Von der Grösse her ist es ein Standardprojekt, aber die Umsetzung ist innovativ, spannend und anspruchsvoll.» Für die Region Zürichsee sei es in dieser Form einmalig.

Die Löcher in der Strasse dienen einem «guten Zweck» – nämlich der Energieversorgung.

Das Versorgungsgebiet des Wärmeverbunds erstreckt sich hauptsächlich entlang der Schulhausstrasse und dem Rennweg bis zur Siedlung Humrigen. In diesem Bereich befinden sich unter anderem das Gemeindezentrum Vogtei, das Alters- und Pflegeheim SenevitaIm Rebberg, die Schulanlagen Rebacker und Breiti, zwei Kindergärten sowie eine Alterssiedlung. «Insgesamt können im Endausbau bis zu 50 Liegenschaften komplett mit Raumwärme und Warmwasser versorgt werden», sagt Harry Graf.

Ölheizung ersetzen

Wie viele private Hausbesitzer sich dem Wärmeverbund anschliessen, ist noch nicht klar. «Wir hoffen, möglichst viele», sagt Weiss. Denn je mehr Private sich beteiligen, desto wirtschaftlicher wird der Verbund.

Es sei auch möglich, dass Hausbesitzer jetzt den Anschluss installieren lassen, aber erst in einigen Jahren Energie beziehen. «Etwa dann, wenn die Ölheizung überaltert ist.» Derzeit schliessen Fachleute die Liegenschaften der Gemeinde ans Verbundnetz an. Ab Ende 2019 sollen die ersten Gebäude mit umweltfreundlicher Energie beliefert werden.

Erstellt: 28.03.2019, 18:39 Uhr

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