Bezirksgericht Meilen

Heisssporn soll nach Messerangriff an Chilbi ins Gefängnis

Ein Serbe soll an der Oetwiler Chilbi einen Bosnier mit einem Messer leicht am Hals verletzt haben. Der Streit hätte tödlich ausgehen können, sagte der Staatsanwalt am Mittwoch vor Gericht und forderte eine hohe Strafe.

Gefährliches Pflaster: Die Messerstecherei an der Oetwiler Chilbi vor zwei Jahren hätte schlimm ausgehen können.

Gefährliches Pflaster: Die Messerstecherei an der Oetwiler Chilbi vor zwei Jahren hätte schlimm ausgehen können. Bild: Symbolbild/Archiv Patrick Gutenberg

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An der Oetwiler Chilbi ging es vor zwei Jahren arg zu und her. Gleich zwei Mal eskalierte unabhängig voneinander ein Streit, und beide Mal landeten zwei Männer vor dem Richter. So verurteilte das Obergericht im vergangenen Jahr in zweiter Instanz einen 28-jährigen Mazedonier, der sich in den frühen Morgenstunden in einem Festzelt mit dem Barmann angelegt und diesen verbal bedroht hatte. Er erhielt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 45 Franken. Und am Mittwoch musste sich vor dem Bezirksgericht Meilen ein 41-jähriger Serbe verantworten, der einen fünf Jahre älteren Bosnier mit einem Messer verletzt haben soll.

Der Beschuldigte soll gegen 21 Uhr betrunken an ein WC-Häuschen gepoltert haben, in dem sich das mutmassliche Opfer befand. Der Mann auf der Toilette begann daraufhin zu fluchen, was den Serben erzürnte. «Er hat meine Mutter beleidigt», sagte der Beschuldigte, der in der Schweiz aufgewachsen ist, vor Gericht. Gemäss der Anklageschrift soll er das Opfer gepackt und gegen das WC-Häuschen gedrückt haben, als dieses die Toilette verliess. Dann soll er ein Klappmesser gezückt und dem Mann die Klinge an den Hals gesetzt haben.

«Wo ist jetzt das Problem?»

Angeblich wollte er ihm damit den Tarif durchgeben. Er soll gesagt habe: «Was wollen wir jetzt machen? Was ist jetzt das Problem?» Schliesslich soll er den Widersacher in den Hals geschnitten haben, zwar nur einen Millimeter tief, aber auf einer Länge von neun Zentimetern. Zu Sinnen kam er gemäss Anklage erst wieder, als sich die Ehefrau des Opfers einmischte und ihre dreijährige Tochter zu weinen begann. Dem Kind zu liebe metzle er ihn nicht nieder, soll daraufhin der Beschuldigte, damals selber erst seit kurzem Vater, gesagt und von seinem Kontrahenten abgelassen haben.

«Das ist ein unreifes, machohaftes und gefährliches Verhalten.»Staatsanwalt

Das stimme so nicht, sagte der Angeklagte. «Ich hatte gar kein Messer dabei – ich laufe doch nicht mit einem Messer herum.» Den Geschädigten kannte er flüchtig. An diesem Abend sei er ihm vielleicht schon vor dem Vorfall über den Weg gelaufen. Erinnern könne er sich aber nicht. «Es gibt an der Chilbi ein Zelt, in das alle vom Balkan gehen.» Einen Streit, der dem Zwischenfall vorangegangen sei, habe es aber weder dort noch anderswo gegeben. Es treffe zwar zu, dass er den Bekannten gepackt und gegen die Toilettenwand gedrückt habe – mehr aber sei nicht geschehen.

Der Staatsanwalt sah dies anders. Er bezeichnete die Tat als «perfide, niederträchtig und durchtrieben» und sprach von einem «unreifen, machohaften und gefährlichen Verhalten». Dem Zufall und dem passiven Verhalten des Opfers sei es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Hätte sich der Bedrohte gewehrt, hätte die Auseinandersetzung tödlich enden können, gab er sich überzeugt.

34 Monate gefordert

Wegen versuchter schwerer Körperverletzung beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 34 Monaten – 12 Monate Gefängnis, den Rest bedingt. Er erinnerte daran, dass der mehrfach Vorbestrafte schon früher jemanden lebensgefährlich verletzt hatte: An der Meilemer Chilbi hatten er und ein weiterer Täter vor über zwanzig Jahren einen Mann dermassen mit Fäusten und einer Flasche traktiert, dass dieser einen Schädelbruch erlitt.

Der Verteidiger wollte nichts davon wissen, dass sein Mandant in Oetwil skrupellos vorgegangen sei. «Es war sicher nicht nett, dass er sein Opfer packte und gegen die Wand drückte», sagte er. Mehr habe sich aber nicht ereignet. Er beantragte deshalb lediglich eine Busse wegen einer Tätlichkeit.

Der Anwalt zweifelte die Aussagen des Opfers und der Ehefrau an. Da es dunkel gewesen sei, hätten die beiden gar nicht sehen können, ob der Beschuldigte ein Messer dabei gehabt habe. Die beiden Messer, welche die Polizei bei einer Hausdurchsuchung sicherstellte, hätten zudem keine DNA des Opfers aufgewiesen – und sie seien nachweislich nicht gereinigt worden, um Spuren zu verwischen.

Nur mit Fingernägel verletzt?

Weiter bemängelte der Verteidiger die Qualität des Fotos, das die Schnittwunde zeigen soll. Es könne sich genauso gut um eine andere Verletzung handeln, argumentierte er. Sie könne von den Fingernägeln des Beschuldigten herrühren, vielleicht habe sich das Opfer im Gerangel an einer scharfen Kante des WC-Häuschens geschnitten oder aber sich die Verletzung nachträglich selber zugefügt, um sich bei seinem Mandanten zu rächen. Sein Fazit: «Es liegen keine Sachbeweise vor.» Zu entscheiden hat darüber nun das Gericht. Es hat am Mittwoch noch kein Urteil gefällt.

Erstellt: 31.01.2018, 17:20 Uhr

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