Zollikon

Halterin bestraft, weil ihr Hund ein Reh gerissen hat

In Zollikerberg musste ein Reh sterben, weil eine Hundehalterin für einen Moment unaufmerksam war. Sie wird mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse bestraft.

Wildernder Hund in Zollikerberg: Das Reh wurde durch einen Biss in den Hals getötet.

Wildernder Hund in Zollikerberg: Das Reh wurde durch einen Biss in den Hals getötet. Bild: Symbolbild/Keystone

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Es ist ein Dilemma: Hundehalter wollen ihren Schützlingen beim Spaziergang auch mal freien Lauf gewähren. Doch wenn die Hunde von der Leine sind, gilt allerhöchste Aufmerksamkeit. Vor allem in Waldnähe. Denn wittern die Hunde Wildtiere, geben sie schnell ihrem Jagdtrieb nach, der in jedem Hund steckt. Das Gesetz über Jagd und Vogelschutz schreibt darum vor, dass «Hunde an Waldrändern sowie bei Dunkelheit in Sichtweite und auf kurze Distanz abrufbar sind.» Höchstens 15 bis 20 Meter darf der Hund von seinem Halter entfernt sein. Sonst wird es schwierig, den Hund zu bremsen.

«Hunde müssen an Waldrändern sowie bei Dunkelheit in Sichtweite und auf kurze Distanz abrufbar sind.»Aus dem Gesetz über Jagd und Vogelschutz

Erst kürzlich ist es in Zollikerberg wieder zu einem Zwischenfall gekommen. Eine 54-jährige Halterin fuhr mit ihrem Wagen an den Waldrand beim Auenrütiweg. Nachdem sie ihren Hund aus dem Auto gelassen und abgeleint hatte, wollte sie sich eine Zigarette anzünden. Dabei sei ihr der Glimmstengel in die Bauchtasche gefallen, wie aus dem rechtskräftigen Strafbefehl hervorgeht. Weil sie damit beschäftigt war, die Zigarette herauszukramen habe die Frau, die nicht im Bezirk Meilen wohnt, nicht bemerkt, dass ihre Hündin Witterung aufgenommen hatte.

Keine Absicht

Als ihr Schützling losrannte, war es schon zu spät. Auf Rufe reagierte die Hündin nicht mehr. Sie rannte einem Reh nach und erlegte dieses schliesslich mit einem Nackenbiss. Die Hundehalterin wird von der Staatsanwaltschaft See/Oberland mit einer bedingten Geldstrafe von 15 mal 50 Franken bestraft. Die Strafe wird mit einer Probezeit von zwei Jahren belegt. Zusätzlich muss die fehlbare Halterin eine Busse von 300 Franken bezahlen.

Die Hündin rannte einem Reh nach und erlegte dieses schliesslich mit einem Nackenbiss.

Die Tat hätte verhindert werden können, wenn der Hund angeleint gewesen wäre oder seine Besitzerin aufmerksam gewesen wäre und so die Hündin rechtzeitig hätte abrufen können. Klar ist, dass niemand der 54-Jährigen Absicht unterstellt. Sie wird wegen fahrlässiger Tierquälerei, Übertretung des Hundegesetzes und Verstoss gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel verurteilt.

Mehrere Fälle pro Jahr

Allerdings passieren solche Vorfälle immer wieder mal, wie ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt. So berichtete die ZSZ schon im Sommer 2015, dass der Zumiker Jagdaufseher in einer Woche gleich dreimal ausrücken musste, weil Hunde Rehe gejagt hatten. Auch Zollikerberg gehört teilweise zum Jagdrevier Zumikon. Damals sagte der Zumiker Jagdaufseher, dass in zwei Jahren sechs Rehe durch Hunde gejagt und gerissen wurden. Auch in anderen Gemeinden gibt es jährlich bis zu zehn Attacken von Hunden auf Wild.

Häufig melden sich die Hundebesitzer selber bei den Jagdaufsehern, wenn es zu solchen Vorfällen kommt. Das ist aber nicht immer der Fall. Mehrmals pro Jahr müssen die Jagdaufseher fehlbare Halter beim Statthalteramt melden. Unklar ist auch, wie hoch die Dunkelziffer der durch wildernde Hunde getöteten Wildtiere ist.

Erstellt: 12.12.2018, 16:40 Uhr

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