Schulen

Gymi-Jokertage stossen am Zürichsee auf Kritik

Im Kantonsrat ist die Mehrheit für die Einführung von Jokertagen in den Mittelschulen. Der Rektor der Kantonsschule Küsnacht, Christian Grütter, findet das keine gute Idee – und erklärt die Argumente der Gegner. Positive Erfahrungen mit Jokertagen haben Volkschulen in der Zürichsee-Region.

Längst nicht alle Schüler der Volksschulen beziehen Jokertage. Die Schulleiter erachten die Argumente der Gegner zur Einführung der Jokertage an Mittelschulen als unbegründet.

Längst nicht alle Schüler der Volksschulen beziehen Jokertage. Die Schulleiter erachten die Argumente der Gegner zur Einführung der Jokertage an Mittelschulen als unbegründet. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Mehrheit des Zürcher Kantonsrats hat der Einführung von zwei Jokertagen in den Mittelschulen am Montag zugestimmt. Er hat in erster Lesung eine Einzelinitiative angenommen, die von einem Lehrer der Kantonsschule Bülach zusammen mit Schülern lanciert wurde. Sie soll es Mittelschülern ermöglichen, pro Schuljahr zwei zusätzliche Freitage einzuziehen – ohne formale Begründungen und frei wählbar.Christian Grütter, Rektor der Kantonsschule Küsnacht, hat den Entscheid des Kantonsrats «befürchtet», wie er der ZSZ erklärt.

Gleich wie die Schulleiterkonferenz der Zürcher Mittelschulen (SLK) und Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) spricht er sich dezidiert gegen Jokertage an Mittelschulen aus. Als wichtiges Argument nennt Grütter, der sich aktiv an der Gegenkampagne der SLK beteiligt, den absehbaren Mehraufwand, den die Koordination der Jokertage für die Schulen bedeute. Ein weiterer Grund ist die Stofffülle, welche Lehrer und Schüler zu bewältigen hätten: «Es ist jetzt schon schwierig, die ständig steigenden Anforderungen zu erfüllen, zumal die effektive Schulzeit seit längerem sinkt», sagt Grütter.

Probleme für Schulbetrieb

Er befürchtet auch, dass Jokertage öfter für den Besuch von Anlässen wie Open-Airs benutzt würden, was den Schulbetrieb mitunter beeinträchtigen würde: «Es könnten plötzlich halbe Klassen abwesend sein, ein Ärgernis für Lehrer und präsente Schüler.» Grütter betont ferner, man habe schon heute genug Spielraum, um bei Bedarf mehr Freitage zu vereinbaren: «Wenn Schüler etwa für ein Sport-Engagement mehr freie Tage brauchen, können wir das individuell regeln.

Laut dem Rektor sind Jokertage zudem ein Kostenfaktor: «Betrachtet man sie als Ausfälle von Unterrichtszeit, entspricht das Millionenbeträgen.» Viele Schüler und Eltern sähen die Notwendigkeit zudem selber nicht ein: «Das wissen wir aus zahlreichen Gesprächen», sagt er. Repräsentative Umfragen gebe es aber nicht. Ein wichtiges Argument für den Küsnachter Rektor ist auch, dass Lehrlinge nicht gleich behandelt würden: «Sonst müsste man auch Berufsschülern Jokertage gewähren, das ist aber nicht geplant.»

In der Volkschule Normalität

Üblich sind Jokertage schon seit zehn Jahren an den Volksschulen. Hier seien, meint Grütter, die Erfahrungen aber «durchzogen». Wie sehen das Schulleiter an Volksschulen in der Region? «Der Umgang mit Jokertagen funktioniert an unserer Schule problemlos», sagt etwa Irène Schmid von der Oberstufe in Wädenswil. Die Schüler müssten die Lehrpersonen spätestens einen Tag vorher informieren, aber längst nicht alle würden die Jokertage wirklich beziehen. Meist würden diese für verlängerte Ferien benutzt. Die Argumente der Gegner seien für sie nicht nachvollziehbar.

Karl Wyss, Schulleiter in Stäfa, zieht ebenfalls eine positive Bilanz und erachtet Jokertage sowohl für Schüler wie auch für Eltern als sinnvoll. Problematisch könne es allenfalls werden, wenn Eltern das Gefühl hätten, sie könnten zu den Jokertagen gleich noch mehr freie Tage beantragen. Oder wenn Schüler die Jokertage nur einziehen, weil sie das Recht dazu hätten – und dann einfach in die Badi gingen: «Das ist ja nicht der Sinn der Übung», sagt Wyss.

Entscheid fällt bald

Der definitive Entscheid des Kantonsrats zu Jokertagen in den Zürcher Mittelschulen wird in ein paar Wochen fällig. Christian Grütter rechnet jedoch nicht damit, dass die Stimmung nochmals dreht: «Umsetzen müssen den Entscheid dann wir von den Schulen – und auch die nötigen Regelungen ausarbeiten.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.01.2018, 17:06 Uhr

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