Ürikon

Güterschuppen muss wegen SBB-Überbauung weichen

Der Güterschuppen in Ürikon ist ein Bau aus der Pionierzeit der Eisenbahn und galt lange als schützenswert. Nun soll er abgerissen werden.

Nur noch die Rampe wird gebraucht: Vor dem Güterschuppen können Pendler ihre Velos abstellen.

Nur noch die Rampe wird gebraucht: Vor dem Güterschuppen können Pendler ihre Velos abstellen. Bild: Manuela Matt

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Die SBB wollen ihr schlecht genutztes Areal um den Bahnhof Ürikon vergolden. Im April haben sie bekannt gegeben, dass sie für 30 Millionen Franken Wohnungen erstellen wollen. Für die Überbauungen, die frühestens 2024 bezugsbereit sein werden, muss der benachbarte Schrottplatz des Recyclingunternehmens Fritschi weichen.

Nun zeigt sich, dass für das Vorhaben auch der Güterschuppen im Weg steht. Zwar werden sich die vier Mehrfamilienhäuser mit 40 Wohnungen nicht direkt bis zum Bahnhof erstrecken. Da aber der Parkplatz nebenan bebaut wird, fehlt künftig eine Ausweichfläche für den Bus der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland, der jeweils beim Bahnhof Ürikon wendet.

Platz für Wendeschlaufe

Die heutige Buswendeschlaufe wird deshalb nach Osten verschoben und soll über das Gebiet führen, auf dem sich heute der Güterschuppen befindet. Der Holzbau aus dem Jahr 1894 – er wurde im selben Jahr gebaut, als am rechten Seeufer die Eisenbahnlinie eröffnet wurde – soll deshalb mitsamt der Auffahrrampe weg.

Einziges Hindernis: Der Bau befand sich bislang im kommunalen Inventar schutzwürdiger Bauten. Der Stäfner Gemeinderat hat ihn nun auf Antrag der SBB daraus entlassen. Ergreift niemand dagegen Rekurs – beispielsweise der Heimatschutz – kann der Schuppen abgerissen werden.

Die Behörde stützt sich in ihrem Entscheid auf ein Gutachten des kommunalen Fachberaters für Denkmalpflege. Dieser hält fest, dass der Bahnhof Ürikon «exakt ins Schema des ländlichen, rechtsufrigen Kleinbahnhofs um die Jahrhundertwende» passe. Er unterscheidet sich beispielsweise von jenen am linken Zürichseeufer, «die 20 Jahre früher gebaut und von einem anderen Kaliber» seien. Der Bahnhof in Ürikon sei somit aus historischer und eisenbahnromantischer Sicht ein interessantes Objekt.

Das bedeute aber nicht, dass er als zusammenhängendes Bauwerk erhalten werden müsse. Es könnten auch nur die wichtigsten Teile bestehen bleiben – also das Bahnhofsgebäude, das in Ürikon nach wie vor geschützt ist. Der angebaute Güterschuppen und die Rampe müssten jedoch nicht zwingend geschützt werden. Es genüge, einzelne Schuppen exemplarisch zu erhalten, heisst es im Gutachten mit Verweis auf den Bahnhof Feldbach. Bei diesem handle es sich um ein baugleiches Objekt.

Den Schuppen verschieben?

Der Gutachter regt allerdings an, den Üriker Güterschuppen zu verschieben oder ihn an einem anderen Ort wieder aufzubauen. Man könnte ihn auch ins neue SBB-Projekt einbeziehen – beispielsweise als Unterstand für die Velos, die heute auf der Rampe abgestellt werden, oder als Einhausung der Rampe zur Tiefgarage der Überbauung.

Dass ein Güterschuppen verschoben wird, wäre am rechten Seeufer allerdings ein Novum: In den vergangenen Jahren wurden im Bezirk Meilen mehrere Schuppen abgerissen, ohne dass sie andernorts aufgebaut wurden. Andere wiederum fristen ein Schattendasein, während manchen neues Leben eingehaucht wurde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.07.2018, 13:00 Uhr

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