Uetikon

Gruppe will altes Gemeindehaus als Dorftreff nutzen

Die Idee der Gruppe «Uetiker-Träff» im alten Gemeindehaus ein Treffpunkt zu installieren, stösst beim Gemeinderat auf wenig Anklang. Trotzdem will die Gruppe weiterkämpfen. Wenn es sein muss gar mittels Initiative.

Die Gruppe «Uetiker-Träff» möchte das alte Gemeindehaus zu einem Dorftreff umfunktionieren.

Die Gruppe «Uetiker-Träff» möchte das alte Gemeindehaus zu einem Dorftreff umfunktionieren. Bild: Sabine Rock

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Zusammen spielen, kochen, essen und kreativ sein - das ist die Vision der Gruppe «Uetiker- Träff». Im Auge haben die zehn Mitglieder dafür das alte Gemeindehaus. Dort wollen sie in den nächsten zehn Jahren ein Begegnungsort für die Uetiker Bevölkerung aufbauen. An der Gemeindeversammlung vom Montagabend tat die Gruppe ihr Anliegen mittels Anfrage an den Gemeinderat kund. Wortführer Peter Wyler legte sich hierfür gar mit Gemeindepräsident Urs Mettler (parteilos) an.

Eigentlich hätte das alte Gemeindehaus an der Weissenrainstrasse 20 im Verlauf dieses Jahres abgerissen werden sollen. Aber es kam anders: An der Gemeindeversammlung von Dezember letzten Jahres folgten die Stimmberechtigten einem Antrag, den für den Rückbau des Gebäudes erforderlichen Budgetposten aus dem Voranschlag 2018 zu streichen. Zusätzlich lancierte die Uetikerin Cornelia Camenzind mit einigen Mitstreitern eine Petition für den Erhalt des 1934 erbauten Hauses. Ihre Idee: Das alte Verwaltungsgebäude sollte als Café ein neues Leben erhalten. Eine Nutzung des alten Gemeindehauses als Café, das machte die Gemeinde bereits Ende 2017 klar, kommt aber nicht in Frage. Denn das Haus steht in einer Wohnzone.

Vorarbeit für die Seeanlage

Trotz dem negativen Bescheid hat Cornelia Camenzind ihren Traum nicht aufgegeben. Gemeinsam mit Peter Wyler engagiert sie sich in der Projektgruppe «Uetiker-Treff», aus der demnächst ein Verein werden soll.

An der Gemeindeversammlung vom Montagabend wollte Peter Wyler vom Gemeinderat wissen, ob derzeit Anfragen für die niederschwellige Zwischennutzung des alten Gemeindehauses pendent seien. Und welche Ideen der Gemeinderat selber für das Gebäude habe. Urs Mettler erklärte, derzeit seien keine Anfragen pendent. Zudem machte der Gemeindepräsident klar, dass eine niederschellige Zwischennutzung der Räume ohne Kostenfolgen für die Gemeinde nur als Lager möglich sei.

«Wir wollen die Menschen und Organisationen im Dorf zusammen bringen.»Peter Wyler

Die Gruppe «Uetiker-Treff» aber wünscht sich eine sinn- und wertvolle Zwischennutzung des Baus. «Wir wollen die Menschen und Organisationen im Dorf zusammen bringen», erklärt Wortführer Peter Wyler gegenüber der ZSZ. «Ein Angebot aus dem Dorf für das Dorf.» Die Projektgruppe denkt gar noch weiter: Niemand könne ernsthaft annehmen, dass nach der Eröffnung der neuen Seeanlage auf dem ehemaligen Fabrikareal der Chemie Uetikon, so einfach aus dem Nichts heraus ein super Jahresprogramm zu dessen Belebung aus dem Hut gezaubert werden könne, sagt Wyler. «Es geht dabei um Anlässe und Einrichtungen, welche erfahrungsgemäss eine Entwicklungszeit von sechs bis zehn Jahren brauchen, bis sie von der Bevölkerung angenommen sind.» Hier setzt die Vision der Gruppe an. Ihr Ziel sei es, im alten Gemeindehaus mit einem Dorftreff vieles aufzubauen, das dann in zehn Jahren am See nahtlos integriert und ergänzt werden könne, erklärt Wyler.

91 000 Franken für Auflagen

Ihr Anliegen hat die Projektgruppe bereits im Sommer beim Gemeinderat deponiert. Seither gab es mehrere Gespräche zwischen den beiden Parteien sowie eine gemeinsame Begehung vor Ort. Dabei hat der Gemeinderat den Gesuchstellern mehrfach signalisiert, dass er kein Geld mehr ins alte Gemeindehaus investieren will. Auch am Montag legte Gemeindepräsident Mettler erneut die Gründe, die gegen einen Dorftreff im alten Verwaltungsgebäude sprechen dar.

Zum einen sei da ganz grundsätzlich die Tatsache, dass der von der Gruppe vorgeschlagene Treffpunkt mit einem Bistro, einer Sommerterrasse und diversen Vereinszimmern nicht einer niederschweilligen Nutzung entspreche. Des weiteren müsste mit hohen Investitions- und Unterhaltskosten für den Bau gerechnet werden. «Allein die Kosten für die feuerpolizeilichen Auflagen belaufen sich auf rund 91 000 Franken.» Und zu guter Letzt befinde sich das Gebäude nach wie vor in einer Wohnzone. Die Nutzung mit Publikumsverkehr würde also einer Verletzung der Bauvorschriften gleichkommen.

Peter Wyler zeigte sich an der Gemeindeversammlung sichtlich unzufrieden mit der Antwort des Gemeinderats. Statt das ihm angebotene Mikrofon für seine Stellungnahme entgegenzunehmen, marschierte er auf die dem Gemeinderat vorbehaltene Bühne und stellte sich auffordernd neben das Mikrofon des Gemeindepräsidenten. Urs Mettler verweigerte ihm dieses jedoch. Auch während Wylers Stellungnahme, die er schliesslich doch aus den Rängen der Stimmbürger kund tat, kam es erneut zu Reibereinen mit dem Gemeindepräsidenten. So wurde er von diesem angehalten seine Äusserungen kurz zu halten. Die Ausführungen seines Projektes seien nicht Gegenstand der Anfrage.

Wyler und das Projektteam sind trotzdem entschlossen, den Uetiker Treff auf die Beine zu stellen. Am Dienstag 11. Dezember treffen sie sich gemeinsam mit weiteren Interessierten aus der Bevölkerung, um das weitere Vorgehen zu beraten. Denkbar sei etwa, dass sie eine Initiative lancieren würden, sagt Wyler. Käme eine solche tatsächlich zustande, kann die Stimmbevölkerung an der Gemeindeversammlung über das Projekt befinden.

Uetiker-Träff: Infos zum Treffen am 11. Dezember und weitere Auskünfte erhalten sie via uetikertreff@gmx.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.12.2018, 16:44 Uhr

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Anfrage betreffend Seebad Ländeli

«Es ist Sache von Meilen, den Zutritt zur Badeanlage zu regeln»

Eine zweite Anfrage an der Uetiker Gemeindeversammlung von Montagabend thematisierte den Verkauf der Anteile des Seebads Ländeli an die Standortgemeinde Meilen. So wollte der Uetiker Heinrich Trudel vom Gemeinderat wissen, warum die Gemeinde ihr schönster, für Kinder besonders geeigneter Seeanstoss verkauft habe. Des weiteren interessierte sich Trudel dafür, ob im Verkaufsvertrag schriftlich festgehalten wurde, dass die Einwohner Uetikons das Bad auch künftig unentgeltlich benützen dürfen oder ob eine solche Absichtserklärung im Nachhinein noch zu erwirken wäre.

Die jährlichen Unterhaltskosten für die Badi beliefen sich auf zirka 15 000 Franken. Zudem beabsichtige die Gemeinde Meilen für 2019 die Badeanlage Ländeli einer Gesamtsanierung zu unterziehen, erklärte Gemeindepräsident Urs Mettler (parteilos). Für Uetikon hätte dies Kosten in der Höhe von rund 113 000 Franken zur Folge gehabt. «Da die Gemeinde bereits eine eigene Seebadanlage unterhält und mit dem hälftigen Anteil an der ehemaligen Chemie Uetikon einen sehr grossen Seeanstoss neu erworben hat, macht es keinen Sinn, auf dem Gemeindegebiet von Meilen langfristig zu investieren.» Darum habe man sich für den Verkauf entschieden.

Weiter erläuterte Mettler, dass das Seebad Ländeli weiterhin allen Personen offen steht. Falls die Gemeinde Meilen in Zukunft Eintritte verlangen würde, was bis jetzt nicht geplant sei, dann werde dies jedoch für alle Besucher gelten. «Es ist Sache der Gemeinde Meilen, den Zutritt zur Badeanlage zu regeln.» Die Möglichkeit einer nachträglichen Absichtserklärung verneinte der Gemeindepräsident.

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