Meilen

Grüne Initiative könnte Meilen um Millionen bringen

Die Stimmberechtigten haben die Wahl: Entweder wird die Weid in Obermeilen überbaut oder aber sie bleibt grün. Letzteres fordern Anwohner mit einer Initiative. Sie finden, die Gemeinde solle zugunsten der Ökologie auf Millioneneinnahmen verzichten.

Die Schrebergartenidylle in der Weid in Obermeilen ist vielleicht schon bald vorbei.

Die Schrebergartenidylle in der Weid in Obermeilen ist vielleicht schon bald vorbei. Bild: Manuela Matt

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Es ist ein klassischer Konflikt, wie es ihn praktisch in jedem Dorf am Zürichsee schon gegeben hat: Die Gemeinden wachsen, überall wird gebaut, und sobald es darum geht, dass eine grüne Wiese verschwindet, gehen Anwohner auf die Barrikade. Dies geschieht derzeit auch in Meilen, wo die Stiftung Burkwil drei Parzellen nahe zur Grenze zu Uetikon überbauen will. Sechs Nachbarn wollen mit einer Initiative verhindern, dass in der Weid in Obermeilen 120 neue Wohnungen entstehen. Zusammen sind die drei Grundstücke rund 19 000 Quadratmeter gross, was etwa zweieinhalb Fussballfeldern entspricht. Sie gehören der Gemeinde. Einen Teil hat sie als Familiengärten verpachtet.

Der Gemeinderat plant, das Bauland der Stiftung Burkwil aus dem zugerischen Baar im Baurecht abzugeben. Diese will darauf mit dem Geld einer Erbin des Baustoffunternehmens Sika ein neues Quartier mit sechs fünfstöckigen Bauten erstellen. Die Wohnungen wären frühestens 2023 bezugsbereit.

Die Stifterin, Gabriella Burkard, stammt selbst vom Zürichsee. Sie ist in Küsnacht aufgewachsen und möchte sich deshalb mit einem gemeinnützigen Wohnbauprojekt in der Region engagieren. 50 Millionen Franken Kapital bringt sie mit in die Stiftung, was exakt der Bausumme entspricht.

Die Duplex-Architekten aus Zürich, die mit ihrem Projekt «Negroni» den von der Stiftung ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewonnen haben, sehen eine ökologische Siedlung mit einem eigentlichen Dorfkern und einem eigenständigen Quartierleben vor. Entstehen soll bezahlbarer Wohnraum für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, also ab 40 Jahren. Eine günstige 2,5-Zimmer-Wohnung würde pro Monat 1100 Franken Miete kosten, eine 4-Zimmer-Wohnung je nach Ausbaustandard bis zu 2800 Franken.

Land würde entwertet

Am 2. Dezember stimmt die Gemeindeversammlung über den Baurechtsvertrag mit der Stiftung ab. Aber nicht nur darüber: Wie der Gemeinderat mitteilt, kommt nun auch die Initiative zur Abstimmung, die Anwohner Silvan Fellmann und fünf weitere Meilemer eingereicht haben. Die Interessengemeinschaft für ein nachhaltiges Meilen möchte die Wiese der Freihaltezone zuweisen und die Familiengärten der Erholungszone. Bauen würde dadurch verunmöglicht. Der Gemeinderat hat die Initiative für gültig erklärt und sie für die gleiche Gemeindeversammlung traktandiert wie den Baurechtsvertrag.

Die Behörde empfiehlt die Initiative zur Ablehnung und legt in ihrer Mitteilung die Gründe dafür dar. Mit Annahme der Initiative würde der Wert des Landes um gut 30 Millionen Franken entwertet, schreibt sie in einer Mitteilung. Das bedeutet: Mit der Umzonung würde Bauland vernichtet, das finanziell lukrativer ist als Land in der Freihaltezone. Zudem, schreibt der Gemeinderat, würde der Baurechtsvertrag mit der Stiftung Burkwil verunmöglicht, was einen Verzicht auf einen jährlichen Baurechtszins von mindestens 700 000 Franken bedeute. Die Dauer des Baurechts ist für 60 Jahre vorgesehen, weshalb die Gemeinde Meilen insgesamt mit einem Einnahme-Verzicht von mindestens 42 Millionen Franken rechnet.

«Sämtliche Erträge aus Mieten werden für Bewirtschaftung, Unterhalt, Instandhaltung und Instandsetzung der Siedlung sowie zur Entrichtung des Baurechtszinses eingesetzt.»Aus der Mitteilung des Gemeinderats

Die Behörde macht überdies geltend, dass die Gemeinde einen hohen Bevölkerungszuwachs in der Altersgruppe der 40- bis 55-Jährigen aufweise. «Damit diese Gruppe langfristig unter guten Bedingungen in Meilen ansässig bleiben kann, ist eine Ergänzung des bestehenden Mietwohnungsangebots sinnvoll.»

Der Gemeinderat hebt ausserdem hervor, dass die Stiftung nicht gewinnorientiert und ihr Engagement deshalb für Meilen besonders wertvoll sei. «Sämtliche Erträge aus Mieten werden für Bewirtschaftung, Unterhalt, Instandhaltung und Instandsetzung der Siedlung sowie zur Entrichtung des Baurechtszinses eingesetzt», heisst es in der Mitteilung.

Gärtner wehren sich nicht

Von der Interessengemeinschaft (IG) für ein nachhaltiges Meilen war kurzfristig keine Stellungnahme erhältlich. Ihre Argumente haben die Initianten aber schon vor gut drei Wochen dargelegt. Immer mehr grüne Wiesen würden der Bautätigkeit zum Opfer fallen. Diesem Trend müsse man auf gemeindeeigenem Land entgegenwirken, sagten sie. Es gelte, Grünflächen im Siedlungsgebiet für die nächste Generationen zu erhalten. Sie seien ökologisch wertvoll und wichtig für das Mikroklima. Schützenswert ist aus Sicht der IG aber nicht nur die Wiese, auch die Schrebergärten sind es.

Der Verein der Familiengärten Meilen opponiert jedoch nicht gegen das Bauprojekt, wie deren Präsident Franz Germann kürzlich betonte. Allerdings bedauert der Verein, dass das Areal in Obermeilen für Familiengärten verloren geht. Er zählt deshalb auf den Ersatz, den ihm der Gemeinderat in Aussicht gestellt hat.

Erstellt: 26.09.2019, 14:36 Uhr

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