Meilen

Grosses Potenzial auf einer kleinen Bühne

Operella, die Taschenoper des Atelier Theater Meilen, begeisterte am Mittwoch ihr Publikum auf der Heubühne mit der romantisch-komischen Oper «Martha» von Friedrich von Flotow – und grossartigen jungen Stimmen.

In eine andere Rolle geschlüpft: Plumkett, Lady Harriet Durham, Nancy und Lyonel (von links) sorgen für Turbulenzen.

In eine andere Rolle geschlüpft: Plumkett, Lady Harriet Durham, Nancy und Lyonel (von links) sorgen für Turbulenzen. Bild: David Baer

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Wer würde nicht gerne einmal unter dem Deckmantel einer ande­ren Identität Sachen ­anstellen, die sonst nicht möglich wären. Das Thema von Friedrich von Flotows (1812–1883) Oper «Martha» nach dem Libretto seines Zeitgenossen Wilhelm Friedrich Riese, reizte das Team der Operella schon seit Jahren.

Corina Gieré (musikalische Leitung und Klavier), Regina Heer (Inszenierung, Drama­turgie und Bühne) und fünf noch in Ausbildung befindliche Sänge­rinnen und Sänger begeisterten am Mittwochabend das Publikum in der fast ausver­kauften Heubühne in Feldmeilen mit einer jungen und spritzigen Version der Erfolgsoper.

Liebe gegen Depression

Lady Harriet Durham (Olivia Alle­mann, Sopran) hatte immer alles. Um nicht gänzlich in einer Luxusdepression zu versinken, rät ihre Freundin Nancy (Céline Akçag, Mezzosopran), sich zu verlieben. Allerdings nicht in ihren Verehrer Lord Tristan Mickleford (Benjamin Widmer, Bariton), dessen Bemühungen und Gunstbezeugungen sie bestenfalls amüsieren. Für den nötigen Kick verkleiden sich die drei Pflänzchen der High Society und mischen sich als Mägde und Bauern unter die einfachen Marktbesucher.

Ihr Wunsch, in eine andere Rolle zu schlüpfen, erfüllt sich schneller und etwas anders, als die beiden Damen sich das vorgestellt hatten. Die Bauern Lyonel (Livio Schmid, Tenor) und Plumkett (David Zürcher, Bariton) werden sofort auf Lady Harriet und Nancy aufmerksam, die sich nun Martha und Julia nennen, und verpflichten sie kurzerhand für ein Jahr Arbeit auf ihrem Hof. Auch Lord Tristan kann das nicht verhindern. Von Arbeit halten Lady Harriet und Nancy aber gar nichts, wissen aber auch nicht, wie sie sich aus ihrer misslichen Lage befreien können. Dass ­Lyonel sich auch noch unsterblich in «Martha» verliebt hat, machte die Sache nicht leichter. Ein Glück, dass ihnen der belächelte, sich aber doch immer wieder als sehr nützlich erweisende Lord Tristan zur Flucht verhelfen kann. Welch weitreichende Auswirkungen das Verschwinden der Damen vor allem auf Lyonel hat, zeigt sich erst, als sie sich fünf Wochen später und in ihren richtigen Rollen im Wald begegnen.

Die fünf Sängerinnen und ­Sänger der Operella überzeugten nicht nur stimmlich, sondern auch mit Gestik und Mimik und legten vom ersten Moment an eine Professionalität an den Tag, die das Publikum immer wieder auch zu Szenenapplaus hinriss. Die Inszenierung der freischaffenden Opernregisseurin Regina Heer dürfte es Akteuren wie Publikum gleichermassen leicht gemacht haben, sich in modernem Setting sofort heimisch zu fühlen.

Unter der musikalischen Leitung von Corina Gieré, die am Klavier spielend leicht das Orches­ter ersetzte, konnten die Nachwuchsprofis das Niveau präsen­tieren, wie man es von Ope­rella gewohnt ist. Das aufs Wesentliche beschränkte, aber multifunktionale Bühnenbild von Flurina und Thomas Trachsel erlaubte zudem einen perfekten Spielfluss, was vor allem ­Humor und Wortwitz zugutekam.

Verdiente Bravorufe

Wie schön die Sänger im wahrsten Sinne des Wortes mit­ein­ander harmonierten, zeigte sich besonders, wenn sie a cappella sangen.

Besondere Erwähnung verdient auch das Lied «Die letzte Rose», das Olivia Allemann alias Martha Lyonel so wunderschön vorsingt und das in so manchem Besucher noch lange nachgeklungen haben dürfte. Auch Lyonels Arie «Ach so fromm, ach so traut», die Livio Schmid mit seiner facettenreichen Stimme und einem weichen Timbre, das gar nicht so entfernt an den grossen lyrischen Tenor Fritz Wunderlich ­erinnerte, hervorragend inter­pretierte, riss das Publikum zu Bei­fallsstürmen hin. So erstaunte es nicht weiter, dass die fünf ­Akteure am Schluss mehrmals wieder auf die Bühne geklatscht und mit Bravorufen überschüttet wurden.

Weitere Vorstellungen: 16. September, 18 Uhr; 17. September, 17 Uhr; 19., 21. und 22. September, jeweils 19.30 Uhr, und 24. September, 17 Uhr. Theater Heubühne, General-Wille-Str. 169, Feldmeilen. Vorverkauf: www.ateliertheater-meilen.ch.

Erstellt: 15.09.2017, 10:00 Uhr

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