Grippe

Grippe ist am Zürichsee auf dem Vormarsch

Viele hüten derzeit wegen Fieber und Gliederschmerzen das Bett. Die Hausärzte rund um den Zürichsee haben viel zu tun. Ein Wundermittel aber haben auch sie nicht.

War in den vergangenen Jahren vor allem die Altersgruppe der über 65-Jährigen am stärksten von der Viruserkrankung betroffen, hüten derzeit vor allem junge Menschen das Bett.

War in den vergangenen Jahren vor allem die Altersgruppe der über 65-Jährigen am stärksten von der Viruserkrankung betroffen, hüten derzeit vor allem junge Menschen das Bett. Bild: Symbolbild/Keystone

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Auf die Grippe ist Verlass. Jährlich sorgt sie für 100 000 bis 300 000 Arztkonsultationen, mehrere Tausend Hospitalisierungen sowie mehrere Hundert Todesfälle. Seit Anfang des Jahres hat sie auch die Zürichsee-Region erreicht.

«Im Moment kommen sehr viele Patienten mit Verdacht auf Grippe in die Praxis», berichtet Andreas Steiner, Bezirksarzt von Meilen. Viele davon seien verunsichert, ob es sich bei ihnen wirklich um eine Grippe oder doch nur um eine Erkältung handle. «Tatsächlich diagnostiziere ich bei den meisten eine Influenza, auch “echte Grippe” genannt.» Im Gegensatz zur meist schleichend auftretenden Erkältung setze die Influenza im Normalfall sehr plötzlich ein. «Wie aus dem nichts hat man starke Muskel- und Gliederschmerzen.» Zu den Symptomen der Grippe gehören ausserdem Fieber, Appetitlosigkeit und Müdigkeit, aber auch Husten und eine verstopfte oder laufende Nase.

Viel trinken ist wichtig

Vor allem junge Erwachsene sässen dieser Tage im Wartezimmer, sagt Steiner. Viele von ihnen seien Lehrer, Kindergärtner oder Kleinkindererzieher, weiss der Mediziner. Ein Blick auf die Statisktik des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) unterstützt diese Aussage: Gemäss dem Sentinella-Meldesystem sind es vor allem Kinder zwischen 0 bis 14 Jahren sowie die 15- bis 29-Jährigen, die aktuell am stärksten von der Grippe betroffen sind.

Viele der jungen Arbeitnehmer würden ihn um Antibiotika bitten, erzählt Steiner. «Die meisten glauben, sie können eine Tablette schlucken und dann am nächsten Tag wieder zur Arbeit fahren.» Dem sei jedoch nicht so: «Die Grippe ist eine Erkrankung, die durch die Infektion mit Influenzaviren entsteht.» Dementsprechend könnten keine Antibiotika eingesetzt werden. Da diese bei Virusinfekten nicht wirkten. «Eine Grippe muss man aussitzen», sagt Steiner. Deshalb sei es wichtig, dass man zuhause bleibe und viel trinke.

Herbstzeit ist Impfzeit

Auch Hannes Frick, Bezirksarzt von Horgen, kann seinen Patienten keine Wundermittel gegen die Grippe verschreiben. «Zwar kann gegen die Erkrankung selber nichts unternommen werden, doch die Symptome können etwa mit fiebersenkenden und schmerzhemmenden Medikamenten gelindert werden.» Frick rät Betroffenen vor allem dann zum Arzt zu gehen, wenn das Fieber nach drei Tagen immer noch anhält.

Die Grippe kann alle treffen. Aber nicht für alle sind die Folgen der Erkrankung gleich schwerwiegend. Junge gesunde Erwachsene erholen sich im Allgemeinen gut. Schwerwiegender können die Konsequenzen für Säuglinge, Kleinkinder und Senioren. So hat Hannes Frick in diesem Jahr denn auch schon eine ältere Patientin hospitalisieren müssen. Die Mehrheit der aktuellen Grippepatienten in Fricks Praxis in Oberrieden sind jedoch unter 30 Jahre alt. Sie gehören damit in jene Altersgruppe, die sich erfahrungsgemäss am wenigsten Impfen lässt. Daraus ergibt sich für Frick der Umkehrschluss, dass der aktuelle Impfstoff, all jene die sich stechen haben lassen, zuverlässig schützt. Ausserdem hat der Allgemeinmediziner bisher bei all seinen Patienten Influenzaviren des Typ A nachgewiesen. «Diese werden durch den aktuellen Impfstoff abgedeckt.»

Wer sich jetzt noch Impfen lassen will, der kann dies grundsätzlich tun. Nach der Impfung dauert es jedoch zwei Wochen bis ein optimaler Schutz besteht. Das BAG empfiehlt daher sich zwischen Mitte Oktober und Mitte November impfen zu lassen, um unbeschwert durch den Winter zu kommen.

Erstellt: 28.01.2019, 18:08 Uhr

Die Grippe in Zahlen

Die Grippewelle kommt in diesem Jahr später als erwartet. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit: War in den vergangenen Jahren vor allem die Altersgruppe der über 65-Jährigen am stärksten von der Viruserkrankung betroffen, hüten derzeit vor allem junge Menschen das Bett.

Im Rahmen der laufenden Überwachung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) wurden in der vergangenen Woche schweizweit 17,3 Grippeverdachtsfälle pro 1000 Konsultationen registriert. Dies entspricht hochgerechnet einer Inzidenz von 140 Fällen pro 100000 Einwohner. Der saisonale epidemische Schwellenwert von 68 Verdachtsfällen wurde damit bereits deutlich überschritten.

Im Kanton Zürich sowie in der gesamten Nordostschweiz liegt der Wert mit 103,8 zwar noch unter dem schweizerischen Durchschnitt, dennoch verzeichnen die hiesigen Arztpraxen je länger, je mehr Grippepatienten. Es sei anzunehmen, dass sich die Grippewelle wegen des bis anhin eher milden Winters verzögert hat, sagt Andreas Steiner, Bezirksarzt von Meilen. «In den letzten Tagen nun aber war es draussen eisig kalt, was die Grippeviren begünstigt.» (fse)

Mehr Impfungen in Apotheken

Wer sich gegen die Grippe impfen lassen will, kann nicht nur zum Arzt, sondern seit einigen Jahren auch zum Apotheker gehen. Ein Angebot, das bei der Apotheke-Drogerie Hirsig in Thalwil rege genutzt wird. «Wir haben deutlich mehr Kunden gegen die Grippe geimpft als letztes Jahr», sagt Apothekerin Sandra Lindegger. Dieses Jahr seien es gegen 100 Impfungen gewesen. Die meisten davon wurden zwischen Oktober und Ende November injiziert. «Auffällig war die riesige Nachfrage am nationalen Grippeimpftag am 9. November. An diesem Tag hatten wir alleine über 50 Impfungen durchgeführt», sagt Lindegger. Dies habe auch damit zu tun, dass der Impftag 2018 erstmals unter dem Patronat der Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH) in Kooperation mit pharmaSuisse, dem Schweizerischen Apothekenverband, durchgeführt wurde. «Dank der Werbung für den Impftag wurden wir als offizielle Anlaufstelle wahrgenommen», sagt sie. In den kommenden Jahren, dürfte die Anzahl Impfungen in der Apotheke-Drogerie Hirsig noch zunehmen. Um die steigende Nachfrage weiterhin abdecken zu können, absolvieren aktuell zwei weitere Apothekerinnen eine dreitägige Ausbildung mit Abschlussprüfung, die es erlaubt, Patienten zu impfen.

Auch am rechten Seeufer war die Nachfrage nach dem Impfstoff gross. Rund 80 Kunden haben sich diesen Winter in der Mistel Apotheke in Hombrechtikon gegen die Grippe schützen lassen. «Patienten sind vor allem ältere Menschen», sagt Inhaberin und Geschäftsführerin Kathrin Knechtle-Huggel. Aber auch jüngere Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, hätten sich impfen lassen. «Der Grund, dass Personen vermehrt Apotheken für Impfungen aufsuchen, ist sicherlich, dass man ohne Voranmeldung vorbeikommen kann und keine langen Wartezeiten bestehen», sagt sie. (hid)

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