Vandalismus

Graffiti-Alarm am Zürichsee

Die Häufigkeit von Fussball-Graffitis hat in den Seegemeinden zugenommen. Die Ortspolizeien und Gemeinden gehen die Problematik unterschiedlich an.

In den Gemeinden um den See häufen sich die Fälle mit Fussballfan-Graffitis, so auch in Wädenswil.

In den Gemeinden um den See häufen sich die Fälle mit Fussballfan-Graffitis, so auch in Wädenswil. Bild: PD/Nicola Ryser

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Wenn sich zwei renommierte Vereine der gleichen Sportart eine Region teilen, dann entsteht fast immer eine verbitterte Rivalität. Nicht nur unter Sportlern, sondern auch unter den Fangruppierungen. Wüste Beschimpfungen, Drohungen und gar gewaltsame Konfrontationen: Die jeweiligen Gruppen versuchen, den Rivalen einzuschüchtern und selbst den Alpha-Status zu erlangen. In der Fussball-Szene in Zürich existiert dieser Zustand seit Jahrzehnten. Auf der einen Seite stehen die Fans des FC Zürichs, auf der anderen die des Grasshopper Clubs. Beide sind sie Traditionsvereine, mehrfache Schweizermeister. Und beide wollen der erfolgreichste Club des Kantons sein. Dementsprechend verteilen sich deren jeweilige Fangemeindschaften grossflächig und über die Grenzen der Limmatstadt hinaus.

So ist die Rivalität auch an den Ufern des Zürichsees zu spüren – und vor allem zu sehen. Bei Personenunterführungen an den Bahnhöfen, an Wänden und Türen von Schulhausanlagen oder im Bereich der Strasse, sprich überall an stark frequentierten Orten wird regelmässig hingeschmiert und gesprayt. Auch sind Kleber mit den Clublogos auf öffentlichen Toiletten und an Kandelabern oft anzutreffen. Farbe und Schrift variieren, die Buchstaben sind jedoch meist die gleichen, entweder «GCZ» oder «FCZ». Das Ziel: Es geht um die Reviermarkierung, um die Demonstration der eigenen Stärke am jeweiligen Ort. Und genau solche Markierungen haben in letzter Zeit zugenommen.

Es sind immer die gleichen Buchstaben: Entweder «GCZ» oder «FCZ». Sie stehen an Strassenmasten und Verkehrsschildern, an Bahnhofunterführungen und Gebäudemauern.

Aktuell höhere Tendenz

Leser dieser Zeitung beschwerten sich, bei Spaziergängen vermehrt auf Schmierereien gestossen zu sein. Mal stand «FCZ» metergross an einer öffentlichen Mauer, mal «GCZ» klein auf einem Strassenschild. Und ihr Eindruck täuscht nicht. Einige Gemeinden und Polizeistationen um den Zürichsee bestätigen auf Anfrage, dass es zurzeit häufiger zu Schmierereien dieser Art gekommen ist. Christian Schütz, Horgner Fachbereichsleiter des Strasseninspektorats, spricht gar von einer «massiven Zunahme an Gebietsmarkierungen von Fans» im letzten halben Jahr.

«Ich stelle aus meiner Erfahrung fest, dass es sich bei der Häufigkeit solcher Schmierereien um eigentliche ‹Wellenbewegungen› handelt.»Martin Schmäh, Polizeichef der Gemeinden Meilen, Herrliberg und Erlenbach

Martin Schmäh, Polizeichef der Gemeinden Meilen, Herrliberg und Erlenbach, sagt ebenfalls, dass im Moment die Tendenz höher sei, relativiert jedoch: «Ich stelle aus meiner langjährigen Erfahrung fest, dass es sich bei der Häufigkeit solcher Schmierereien um eigentliche ‹Wellenbewegungen› handelt.» So tauchten Schmierereien in unterschiedlicher Frequenz auf. Mal würden täglich Vorfälle gemeldet, dann bleibe es wochenlang ruhig. Dieser Auffassung ist auch Daniel Thalmann, Polizeichef von Stäfa. Er schätzt: «In der Regel wird pro Woche durchschnittlich ein neues Graffiti entdeckt.»

Viel Zeit, hohe Kosten

Wird eine Schmiererei gemeldet, bedeutet dies sogleich viel Aufwand. So muss der Unterhaltsdienst der Gemeinde – in Stäfa sind dies beispielsweise Mitarbeiter des Werkhofs – bei Verunstaltungen von öffentlichen Eigentum ausrücken und dieses reinigen. Bei Privateigentum kann die Reinigung auch dem Mieter, Eigentümer oder der zugehörigen Verwaltung obliegen. In wenigen Fällen, also bei grossflächigen Sprayereien oder bei Gebrauch von besonderen Farbstoffen und Materialien, muss gar eine externe, spezialisierte Firma eingesetzt werden.

In letzter Zeit hat die Häufigkeit solcher Schmierereien in Seegemeinden zugenommen. Bild: PD.

Die Reinigung kann, je nach Grösse und Ort der Sprayerei – ob auf Glas, Beton oder Sandstein –, nicht nur viele Stunden in Anspruch nehmen, sondern generiert teils auch hohe Kosten. Christian Schütz aus Horgen nennt ein Beispiel: «Wenn an der Unterführung West Bahnhof ein Graffiti entfernt werden muss, können sich die Kosten auf 4000 bis 6000 Franken belaufen.»

Je schneller, desto besser

Doch wie könnte die Häufigkeit solcher Schmierfinken-Attacken eingedämmt werden? Die Gemeinden und Polizeien haben unterschiedliche Ansätze. So erklärt Martin Schmäh aus Meilen: «Wir als Polizei kontrollieren in unserem Zuständigkeitsgebiet mit unseren Patrouillen zu Tages- und Nachtzeiten intensiv alle Orte, wo gesprayt werden könnte.» Daniel Thalmann aus Stäfa sieht Möglichkeiten, präventiv zu arbeiten: «Ich könnte mir vorstellen, dass Infoveranstaltungen in den Schulen betreffend der rechtlichen und finanziellen Folgen von Sprayereien etwas bringen könnten. Auch müssten die Elternhäuser entsprechend sensibilisiert werden.» Zudem würde es nicht schaden,wenn die beiden Fussballvereine – «und im Optimalfall auch die Fanclubs» – aufriefen, die Sprayereien zu unterlassen.Während die Fussballvereine aufgrund ihrer Trainingslager für eine Stellungnahme nicht erreichbar waren, distanzieren sich die Fanclubs von «solchen Einzeltaten».

Konsens herrscht beim zeitlichen Ansatz. Heisst: Je schneller die Graffitis entfernt werden, desto weniger kommt es zu Wiedrholungstaten. In Horgen greift man dabei auch zu besonderen Mitteln. «Teilweise wird versucht, mit sogenannter Anti-Graffiti-Farbe die Schmierereien möglichst zeitnah zu übermalen. So hoffen wir, dass die Vandalen die Lust daran verlieren, da ihnen das optische Ergebnis fehlt», sagt Christian Schütz. Allerdings sei diese Farbe nicht überall einsetzbar. «Am Ende bleibt nur, an den Verstand und die Vernunft der Vandalen zu appellieren.»





Erstellt: 17.01.2020, 21:43 Uhr

Martin Schmäh, Chef der Polizei Meilen-Herrliberg-Erlenbach

«Solche Schmierereien sind mehr als nur Kavaliersdelikte»

Martin Schmäh, wie schwierig ist es, die Täter von Fan-Graffiti ausfindig zu machen?
Ziemlich schwierig. Einerseits sind es oftmals Einzeltäter, die irgendwo etwas hingekribbelt haben. Andererseits stossen wir bei solchen Fällen ein wenig auf ein Dilemma. Viele Leute getrauen sich nämlich nicht, uns zu kontaktieren, wenn sie etwas Verdächtiges sehen, beispielsweise Schatten beobachten, die am späten Abend irgendetwas an einer Hauswand machen. Erst am nächsten Morgen, wenn sie dann auf einen Graffito an dieser Wand stossen, melden sie sich bei uns. Natürlich ist es richtig, dass solche Beschädigungen überhaupt gemeldet werden. Nur können wir dann eigentlich nicht mehr als «aufputzen» und die Anzeige wegen Sachbeschädigung aufnehmen. Darum betonen wir, dass man bereits bei Verdacht auf Vandalismus, eben auch bei solchen Schmierereien, unverzüglich anrufen darf.

Wie ist das Vorgehen der Polizei, wenn bei einer Schmiererei eine Anzeige gegen unbekannt erstattet wird?
Wir gehen sämtlichen Hinweisen nach. Zudem fotografieren wir zur Dokumentation den Graffito. Die Fotos benötigen wir vor allem dann, wenn wir einen Täter zu fassen kriegen und diesem frühere Taten nachweisen wollen. Fast jeder Sprayer hat seine eigene Handschrift, seine eigene Art, Graffiti zu zeichnen. Dabei hilft die gute Vernetzung zwischen uns und unserem Jugendsachbearbeiter sowie den Graffiti-Spezialisten und Jugendsachbearbeitern der Kantonspolizei, damit solche Handschriften eingeordnet werden können.

Wie häufig erwischen Sie Täter?
Ab und an schnappen wir jemanden, und das spricht sich herum. Dann entsteht eine Art Vakuum, es bleibt kurze Zeit ruhig, bevor dann eine weitere Welle folgt. Doch wie gesagt: Meist sind es Einzeltäter, die vielerorts unterwegs sind, und das macht es nicht einfach. Zudem hat jede Gemeinde in den Bezirken am Zürichsee dieses Problem. Grosse Graffiti sieht man hier zwar kaum, dennoch ist eine schnelle Kribbelei wie die FCZ- oder GCZ-Schmierereien schnell gemacht, um so das «eigene» Territorium zu markieren.

Was passiert mit Vandalen, die erwischt werden?
Es wird ein Strafverfahren eröffnet – und das ist vielen Vandalen im Voraus oft nicht bewusst. Die sehen in ihrer Schmiererei ein Kavaliersdelikt. Es ist aber mehr als das. Darum versuchen wir, einen guten Zugang vor allem zu den Jugendlichen zu schaffen. Wir reden mit ihnen, vernetzen uns aber beispielsweise auch mit den Schulverantwortlichen und der Jugendarbeit der Gemeinden. Wir wollen vermitteln, dass solche Taten eben doch grössere Konsequenzen nach sich ziehen könnenund hohe Kosten, nicht zuletzt auch für den Steuerzahler, verursachen.



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