Meilen

Feuerwehrkommandant nach Brand im Löwen Meilen: «Es war 5 vor 12»

Die Feuerwehr musste am Donnerstag wegen eines Brandes zum Gasthof Löwen ausrücken. Für die Restaurantbetreiber ging der Abend trotz Brand glimpflich aus.

Die Einsatzkräfte mussten den Boden mit Motorsägen aufsägen, um den Brandherd zu finden.

Die Einsatzkräfte mussten den Boden mit Motorsägen aufsägen, um den Brandherd zu finden. Bild: Feuerwehr Meilen

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Barbara G. Brunner war am Donnerstagnachmittag gerade dabei, die Tische für die Generalversammlung der lokalen Sektion des Schweizer Alpenclubs SAC mit Blumen und Kürbissen zu dekorieren. «Da dachte ich, dass es im Saal komisch riecht.» Der Pächter des Löwen Meilen, Marcel Bussmann, habe den Geruch ebenfalls wahrgenommen, aber erfolglos nach der Ursache gesucht. «Wir haben uns dann entschieden, die Feuerwehr anzurufen.»

«Als wir kurz nach 14.30 Uhr eintrafen, war noch keine Rauchentwicklung sichtbar», erzählt Philipp Büchele, stellvertretender Stützpunktkommandant der Feuerwehr Meilen. Dann ging alles plötzlich Schlag auf Schlag: Um 15.30 Uhr löste die Feuerwehr Grossalarm aus, weil es im Traditionslokal an der Seestrasse zu einer grossen Rauchentwicklung kam, dabei waren auch giftige Gase messbar. «Die Feuerwehr hat uns aufgefordert, das Lokal sofort zu verlassen», erzählt Barbara G. Brunner, die Präsidentin des SAC Pfannenstiel.

Schwierige Suche nach Brandherd

Die ausgerückte Feuerwehr suchte über längere Zeit nach der Ursache der Rauchentwicklung. Schliesslich konnte sie in einem Zwischenboden des historischen Gebäudes direkt unter dem Jürg-Wille-Saal einen Glimmbrand ausmachen. «Wir haben mit unserer Wärmebildkamera von oben im Saal keine Temperaturschwankungen feststellen können», sagt Büchele. Bei einem Balken habe man bei der Messung von unten aber eine minimale Temperaturabweichung von fünf Grad feststellen können.

Der Boden im Jürg Wille-Saal musste von der Feuerwehr geöffnet werden. Bild: Feuerwehr Meilen

Weil die Decke im historischen Gasthaus als besonders schützenswert gilt, habe man sich entschieden am betreffenden Punkt von oben den Boden zu öffnen. «Nach dem Öffnen haben wir beim entdeckten Mottbrand eine Temperatur von 1000 Grad gemessen.» Jederzeit habe die Gefahr einer Rauchdurchzündung bestanden. Das bedeutet: Wenn giftige Gase heiss genug werden, entzünden sie sich schlagartig – ein Inferno ist dann kaum mehr zu verhindern. «Dank dem grossen Personaleinsatz, punktuellem Löschen und gutem Lüften konnten wir einen Brandausbruch zum Glück verhindern», meint Büchele und fügt an: «Es war aber 5 vor 12 und wortwörtlich ein brenzliger Einsatz.»

Neben der Stützpunktfeuerwehr Meilen standen auch die Feuerwehren Männedorf & Uetikon, Erlenbach und Oetwil sowie vorsorglich ein Rettungsteam des Spitals Männedorf und die Kantonspolizei im Einsatz.

Die Seestrasse musste nach dem Brand für mehrere Stunden gesperrt werden. Bild: Kapo ZH

Die Seestrasse musste wegen der Löscharbeiten für mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Die Feuerwehr signalisierte eine weiträumige Umleitung. Beim Brand wurde niemand verletzt.

Kirche rettet Anlässe

Löwen-Gastgeber Marcel Bussmann kann am Freitag auch aus geschäftlicher Sicht Entwarnung geben. Das Restaurant, die Bar und die Stube sind normal geöffnet. Im Saal sind Renovationsarbeiten notwendig, weil die Feuerwehr auf einer Fläche von zwei bis drei Quadratmetern den Boden öffnen musste. Dieser Schaden am Boden und an der Lüftung werde aber bis Mitte nächster Woche zumindest provisorisch behoben. Für die am Wochenende geplanten Anlässe hat Bussmann rasch Ersatz gefunden. Die Kirchgemeinde, die im Löwen eine Etage im Stockwerkeigentum besitzt, stellt ihren Saal zur Verfügung. «Wir sind sehr froh, dass uns die Kirche so unbürokratisch unterstützen kann.»

«Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn der Brand während unserer Versammlung ausgebrochen wäre.»Barbara G. Brunner, Präsidentin des SAC Pfannenstiel

Überhaupt ist die Erleichterung von Bussmann spürbar. «Gerade jetzt in der Saison von vielen Familienfesten und Weihnachtsessen bin ich froh, dass wir den Betrieb aufrechterhalten können.» Auch die Feuerwehr habe sehr erleichtert gewirkt, dass der Brand keine grösseren Schäden angerichtet hat. Bussmann erinnert an den Brand des Zürcher Zunfthauses zur Zimmerleuten. Beim ebenfalls durch einen Glimmbrand ausgelösten Feuer im Jahr 2007 wurden zwei Etagen des Restaurants vollständig zerstört, ein Feuerwehrmann kam damals ums Leben.

Auch der Gemeindepräsident von Meilen, Christoph Hiller (FDP), ist erleichtert: «Der Rote Löwen – so hiess die Taverne im Mittelalter – ist mit einem blauen Auge davongekommen.»

Brandursache noch unbekannt

Die Ursache des Glimmbrandes im Löwen ist laut der Mitteilung der Polizei noch unbekannt und wird durch Spezialisten des Brandermittlungsdienstes ermittelt. Der Sachschaden dürfte mehrere zehntausend Franken betragen.

Auch für den SAC-Pfannenstiel ging der Abend trotz abgesagter Generalversammlung übrigens glimpflich aus. «Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn der Brand während unserer Versammlung mit über 100 Personen ausgebrochen wäre», sagt Brunner. Schäden an ihrem Material wie SAC Fahnen seien offenbar keine entstanden, meint sie. «Marcel Bussmann hat mich noch in der Nacht informiert, dass beim Löscheinsatz kaum Wasser verwendet werden musste und ich deshalb unsere Sachen am Wochenende unversehrt abholen kann.»





Erstellt: 08.11.2019, 16:15 Uhr

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