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Gewerbler fürchten Abschaffung von Englisch in Primarschule

Am 21. Mai könnte es einer Fremdsprache in der Primarschule an den Kragen gehen. Das sollte im Sinne des Gewerbes sein. Schliesslich beklagt sich dieses immer wieder über mangelnde Deutschkentnisse der Lehrlinge. Doch die Gewerbler halten die Initiative für den falschen Weg.

Verfehlte Initiative: Die Gewerbler der Region halten die «Fremdsprachen-Initiative» für den falschen Weg die Deutschkentnisse der Lehrlinge zu verbessern.
Verfehlte Initiative: Die Gewerbler der Region halten die «Fremdsprachen-Initiative» für den falschen Weg die Deutschkentnisse der Lehrlinge zu verbessern.
Symbolbild, Keystone

Immer wieder hört man die Klage, dass das Deutsch von Lehrlingen nicht gut genug ist. Unternehmer Markus Blocher, Sohn von Christoph Blocher, forderte in der «Schweiz am Wochenende» kürzlich: «Für Fremdsprachen ist es in der Primarschule noch zu früh. Die Kinder sollen vorerst richtig Deutsch lernen». In der ZSZ meinte Kantonsrätin Anita Borer (SVP): «Insbesondere die Ausbildner für Lehrlinge bemängeln bei den Schulabgängern nicht fehlende Fremdsprachenkenntnisse, sondern mangelhaftes Deutsch.»

Am 21. Mai wäre die Möglichkeit da, diese Forderung, zumindest halbwegs, umzusetzen. Die Fremdsprachen-Initiative will nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule. Man könnte meinen, die Initiative geniesse die volle Unterstützung des Gewerbes, die Ausbildner jubilieren. Eine Umfrage bei einigen Gewerbevereinen in der Region zeigt aber: Niemand spricht sich für die Initiative aus. Jürg Widmer, Präsident des Gewerbevereins Zollikon, bestätigt, dass sich alle Präsidenten des Bezirks Meilen gegen die Initiative ausgesprochen haben.

Einen einfachen Grund dafür nennt Felix Keller, Präsident des Unternehmerverbands Rüschlikon: Der kantonale Gewerbeverband (KGV) hat die Nein-Parole herausgegeben. Weiter äussert er sich nicht. Doch wie argumentiert der KGV? Das Volk habe sich schon zweimal für dieses Sprachenkonzept ausgesprochen. Als Wirtschaftsverband stehe der KGV dahinter. Deutsch und Mathematik seien zwar auch von «grösster Bedeutung». Doch es wäre falsch, deswegen auf zwei Fremdsprachen in der Primarschule zu verzichten. Soweit das offizielle Argumentarium des kantonalen Gewerbeverbands.

Jürg Widmer meint, dass es auch im Gewerbe immer wichtiger werde, wenn die Mitarbeiter möglichst viele Fremdsprachen könnten. Marc Hofstetter, Präsident des Handwerk- und Gewerbevereins Thalwil, versucht zu differenzieren: «Sind in kaufmännischen Berufen die Sprachen von enorm grosser Bedeutung, so setzen kleine lokale Handwerkbetriebe wohl eher auf geschickliches Können». Hofstetter, Hauptagent bei der Axa-Winterthur, setzt auf Fremdsprachen. Es könne nie schaden, wenn man mehrerer Sprachen mächtig sei, sagt er.

Weltsprache Englisch

Der kantonale Gewerbeverband sorgt sich um die Englischkentnisse der künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Gemäss Ankündigung wäre Französisch die erste und einzige Fremdsprache. Dabei ist für den Wirtschaftsstandort Zürich Englisch die wichtigere Sprache», lautet ein Argument. Es sei sehr positiv, wenn sich die Mitarbeiter mit der Kundschaft auf Englisch unterhalten können, sagt Jürg Widmer. Für Marc Hofstetter hat Englisch als Weltsprache grosse Bedeutung.

Zumindest für die Vorstände der Gewerbevereine ist also klar: Es braucht zwei Fremdsprachen in der Primarschule. Besseres Deutsch werde es bei einem Ja zur Fremdsprachen-Initiative nicht geben. Ob wirklich alle Gewerbler so denken, bleibt offen. Oder wie es der Thalwiler Marc Hofstetter sagt: «Ich kann unmöglich die Meinung aller 200 Mitglieder alleine vertreten».

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